Die Tubel Trophy der Rassisten
publiziert: Montag, 21. Sep 2015 / 19:26 Uhr / aktualisiert: Montag, 21. Sep 2015 / 20:07 Uhr

Nachdem in Deutschland der Ärzte-Song «Schrei nach Liebe» erfolgreich zur Nummer 1 in den Charts gutgemenscht wurde, soll dies auch dem Baby Jail-Hit «Tubel Trophy» widerfahren. Ausgerechnet Baby Jail!

Ich war nie ein Freund der Zürcher Band Baby Jail. Das liegt vor allem am Song «Rapperswil» und der darin besungenen Verachtung gegenüber St. Gallern. Ostschweizer verletzt das Lied zutiefst, weil es das manifestiert, was uns St. Galler in Zürich widerfährt: Fremdenfeindlichkeit.

Um es zu verdeutlichen, dass es sich beim Baby Jail-Song «Rapperswil» um ein rassistisches Lied handelt, braucht man im Refrain einfach nur das Wort «Sanggaller» mit «Asylanten» oder wahlweise auch «Juden» zu ersetzen. Schon bekommt der sauglatte Song einen bitteren Nachgeschmack und widerspiegelt genau jene Haltung, die eigentlich bekämpft werden will: 

(...)
D'Sanggaller schtönd scho z'Rapperswil, z'Rapperswil, z'Rapperswil Und bi eus häts au scho vill D'Sanggaller schtönd scho z'Rapperswil, z'Rapperswil, z'Rapperswil

Bis a d'Sihl fählt nümme vill
S'Chreisbüro und s'Arbetsamt sind längschtens nümme in Zürcher Hand D'Schtadtregierig und au d'Schmier sind scho völlig infiltriert Au wänn'd nur gschnäll gahsch go poschte, überall Schpitzel us em Oschte

Sogar de Kontrollör im Tram chunnt usem Sanggallerland D'Sanggaller schtönd scho z'Rapperswil ...
De Zürisee heisst Zürisee, Rapperswil isch am Zürisee Und schtatt Züri au no gäh müemer Rappi wider inenäh Sanggaller uf Sanggale zrugg, e grossi Muur im Toggeburg Und wänns dänn nonig Rue wänd gäh, jagemers in Bodesee
D'Sanggaller schtönd scho z'Rapperswil ...

Wo fängt Rassismus an und wo hört er auf? Erst ennet dem Gotthard oder schon hinter der Kantonsgrenze? Es mag Zürcher erstaunen, aber «chasch tschäddere lah» sagt keine St. Gallerin beim Koitus. Genauso wie Ostschweizer nicht öfter das Wort «Farbföteli» verwenden als andere Menschen.

Bestimmt geht es auch anderen Zuwanderer in Zürich so, dass sie selbst nach 20 Jahren immer noch mit denselben Dialekt-Klischees ihres Herkunftskantons konfrontiert werden. Wie oft in seinem Leben muss ein Bündner «Khume vo Chur abe» hören, bevor es auch die Unterländer nicht mehr lustig finden, Leute aus den Skilift-Kantonen zu ärgern?

Sich über einen Dialekt lustig zu machen, ist genauso doof wie über Hautfarben oder sexuelle Orientierung Witze zu reissen. Aber Baby Jail waren nie besonders wählerisch bei Beleidigungen und stellen sich gerne über dumme Studenten, dicke Verwandte oder Toni Brunner.

Nun soll der Baby Jail-Song «Tubel Trophy» zurück in die Hitparade! Eine Facebook-Seite möchte damit für mehr Toleranz, Gelassenheit und Humanität werben. Dabei ist der Song alles andere als tolerant, gelassen oder human. Im Gegenteil.

Das Lied beschreibt das klassische Klischee knorriger Hinterwäldler - also die rechtswählende Landbevölkerung aus linker Zürcher Sicht - die keine Ahnung von der Welt haben und Witze über Schwule und Neger «(sic)» macht.

Dabei ist die Geschichte des Schweizers, der im Dschungel verschollen ist, nachdem er auf eine Art Dschungel-Camp Annonce reagiert hat und von diesem Abenteuer nicht mehr heimgekehrte, eigentlich sehr tragisch. Einigen Schweizern ist das in den letzten Jahren wirklich passiert. Doch waren es wohl nur wenige SVP-Wähler, die vom EDA freigekauft werden mussten, sondern eher gutgläubige Weltverbesserer, die in der Wüste oder im Dschungel das Abenteuer suchten und glaubten, man müsse nur mit offenen Armen durch die Welt gehen, um nicht entführt, ausgeraubt oder getötet zu werden.

Der Song «Tubel Trophy» erlaubt es ganz einfach Gutmenschen jemanden fest hassen zu dürfen. Und einen Fremdenhasser zu hassen gehört zum positiven Hass - so wie zweimal Minus Plus gibt (was ich übrigens nie verstanden habe).

(Jürg Zentner/news.ch)

.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Erstaunliche Pfingstrose.
Erstaunliche Pfingstrose.
Das Leben ist zu kurz für lange Kolumnen. So stapeln sich bei mir Ideen für Texte, die ich wohl nie schreiben werde: mehr lesen 
Nichts geht über einen ausgedehnten Spaziergang. Auf dem ältesten Fortbewegungsmittel der Menschheit - den Beinen - wird die Welt zu einer besseren. mehr lesen
Abendspaziergang.
Auch eine Art Frage-Zeichen.
Wieder mal ist das Leben voller Fragen; 20 an der Zahl. Bei Nr. 12 musste ich weinen. mehr lesen  
Neulich erreichte mich der Ruf des Kirchgangs. Und wie immer fühlte ich mich dabei so schrecklich wie Luzifer persönlich. mehr lesen
Typisch Schweiz Der Bernina Express Natürlich gibt es schnellere Bahnverbindungen in den Süden, aber wohl ...
saleduck.ch, Logo
Shopping «Wär hetts erfunde?» Zwei Jahre nach der Gründung erhält Saleduck.ch eine neue Plattform und wird zu einer Deal Community. Neben einem neuen Layout bieten sich auch für Netzwerke und Advertiser viele ...
Erstaunliche Pfingstrose.
Jürg Zentner gegen den Rest der Welt.
Jürg Zentner
Frauenrechtlerin Ada Wright in London, 1910: Alles könnte anders sein, aber nichts ändert sich.
Regula Stämpfli seziert jeden Mittwoch das politische und gesell- schaftliche Geschehen.
Regula Stämpfli
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
Patrik Etschmayers exklusive Kolumne mit bissiger Note.
Patrik Etschmayers
Obama in Hanoi mit der Präsidentin der Nationalversammlung, Nguyen Thi Kim Ngan auf einer Besichtigungstour: Willkommenes Gegengewicht zu China.
Peter Achten zu aktuellen Geschehnissen in China und Ostasien.
Peter Achten
Recep Tayyp Erdogan: Liefert Anstoss, Strafgesetzbücher zu entschlacken.
Skeptischer Blick auf organisierte und nicht organisierte Mythen.
Freidenker
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Do Fr
Zürich 11°C 21°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Basel 12°C 23°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
St. Gallen 11°C 19°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Bern 10°C 22°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Luzern 12°C 21°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig freundlich
Genf 13°C 23°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Lugano 18°C 28°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen gewitterhaft
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten