Die Waffe droht stumpf zu werden
publiziert: Freitag, 14. Okt 2005 / 10:17 Uhr / aktualisiert: Montag, 9. Jan 2006 / 19:47 Uhr

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N5H1 – ein sperriger Name für einen Superbösewicht und trotzdem zittert die ganze Welt davor. Wird dies der nächste Superkiller sein, der Endzeitvirus, der 100 Millionen ins Grab bringen und die menschliche Gesellschaft an den Rand des zusammenbruches stossen wird? So schlimm wird es hoffentlich nicht kommen.

Denn N5H1 ist immer noch eine Tierkrankheit. Sie hat zwar schon Menschen befallen, aber noch können sich Menschen bei Menschen nicht anstecken. Doch die Gefahr ist da, ohne Zweifel. Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit war dabei auch eine Notwendigkeit.

Dummerweise schlägt eine offene Informationspolitik allzu schnell in eine Hysterie um. Ein Profiteur davon ist die Pharmafirma Roche. Ihr Grippemittel Tamiflu® ist momentan der absolute Renner. Der Neuraminidasehemmer, der das Eindringen der Viren in die Zellen und so deren Vermehrung verlangsamt, gilt als eines der wenigen wirksamen Grippemedikamente. Roche kommt mit der Produktion nicht mehr nach. Staaten legen sich jetzt Vorräte an oder planen dies in nächster Zeit zu tun. Man will im Falle einer Pandemie gerüstet sein, auch wenn noch nicht bekannt ist, wie wirksam dieses Medikament gegen den neuen 'Supervirus' dereinst sein wird.

Doch auch Privatleute decken sich mit dem Grippebremser ein. Und dies sollte einem Sorgen machen. Denn Tamiflu muss zum richtigen Zeitpunkt und lange genug eingenommen werden. Wenn die Einnahmevorschriften nicht eingehalten werden, drohen Resistenzen. Beispiele für Krankheiten, gegen die wir schon Waffen hatten, die stumpf wurden, sind Legion, Malaria und viele Infektionskrankheiten fallen einem da ein.

Speziell letztere und das immer häufiger werdende Versagen von Antibiotika sind ein schwarzes Kapitel in der Medizingeschichte. Als Penicilin entdeckt wurde, galt es als Wundermittel gegen Krankheiten, die bis dahin unbehandelbar waren. In der Folge wurden Antibiotika für alles Mögliche eingesetzt. Vom Mastförderer in der Viehzucht bis zum allgegenwärtigen Mittel selbst bei Schnupfen wurden diese Medikamente – idiotischerweise – eingenommen. Mit der fatalen Folge, dass sich Resistenzen bildeten. Mehr und mehr Bazillen widerstehen selbst stärksten Kombinationspräparaten.

Der Ausverkauf von Tamiflu in den Apotheken ist in diesem Sinne sowohl erstaunlich, wie auch beunruhigend. Erstaunlich, da dieses Mittel verschreibungspflichtig ist. Obwohl noch nicht einmal die saisonale Grippewelle ihren Auftritt hatte, werden scheinbar blockweise Rezepte für ein Antigrippemittel ausgestellt. Beunruhigend, weil so ganz klar die Gefahr besteht, dass diese Medikamente ohne wirklichken Grund oder falsch eingenommen und Resistenzen verursacht werden.

Nun heisst es, dass dieses Medikament eine sehr grundsätzliche Funktion der Viren beeinträchtigt und so die Gefahr für Resistenzen gering sei. Doch wer glaubt, dies sei das letzte Wort, macht seine Rechnung ohne die Evolution. Es gibt wahrscheinlich kaum einen Krankheitserreger, der sich so schnell wie ein Virus verändern kann. Je mehr Gelegenheit dazu besteht, desto schneller werden sich Grippeviren auf diese neue Arznei einstellen.

Das panische Einnehmen von Medikamenten ist wohl das beste Rezept, um so schnell wie möglich wieder verwundbarer zu werden. Es wäre eine Tragödie, wenn die Pandemie dereinst nicht bekämpft werden kann, nur weil eine wirksame Waffe dagegen durch Panik und Angst schon wieder Stumpf wäre, bevor man sie das erste mal wirklich bräuchte.

(Patrik Etschmayer/news.ch)

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