Zehn Südkoreaner aus dem «Wunderteam» von 2002, figurieren noch im aktuellen WM-Kader der Asiaten, die heute Abend in Hannover auf die Schweiz treffen.

Sie wurden ausgemustert und durch neue, hungrige Akteure ersetzt. Nur vier dieser Neuen schafften jedoch den Sprung in die Startelf gegen Frankreich.
Das Team lebt noch immer vom damaligen Stamm, wobei sich aber andere Akteure in den Vordergrund gespielt haben.
Lee Woon-Jae - der Leader
Unbestrittener Leader der Südkoreaner ist Goalie und Captain Lee Woon-Jae (33), der zweitälteste Spieler im Kader.
Der bullige Schlussmann aus Suwon ist mit 82 Kilos der schwerste Koreaner und er scheut sich auch nicht, diese Masse bei hohen Flankenbällen effektvoll einzusetzen.
Vor vier Jahren war er im Viertelfinal gegen Spanien der grosse Held, als er im Penaltyschiessen einen Elfmeter abwehrte und sein Team damit in die Halbfinals führte.
Park - der Popstar
Zum Star der Feldspieler aufgeschwungen hat sich Park Ji-Sung, der seit seinem Wechsel für 7,3 Millionen Euro von Eindhoven zu Manchester United in der Heimat wie ein Popstar gefeiert wird.
Der 25-Jährige ist der Ideengeber der Mannschaft und schiesst auch die meisten Freistösse. Gegen Togo hat jedoch Lee Chun-Soo diese Aufgabe übernommen und auch perfekt ausgeführt: Lees Freistosstreffer zum 1:1 leitete die Niederlage der Afrikaner ein.
Der Stürmer aus Ulsan ist der einzige Südkoreaner mit blond gefärbten Haaren und dadurch gut von den anderen zu unterscheiden.
Lee - der Dauerläufer
Ein spezielles Auge müssen die Schweizer auf den linken Aussenläufer im Mittelfeld richten: Lee Young-Pyo (29) ist pfeilschnell und ein unermüdlicher Dauerläufer.
Der Abwehrspieler von den Tottenham Hotspurs hat mit 87 Länderspielen die zweitgrösste Erfahrung im Team. Vor seinem Wechsel nach England spielte er - wie Park - drei Jahre beim PSV Eindhoven mit Johann Vogel zusammen.
Er und Park kennen die europäische Spielweise am besten und sie haben ihre Mitspieler mit Infos über Vogel und Philippe Senderos, den sie aus der Premier League kennen, eingedeckt.
Lee: «Die europäischen Spieler sind taktisch weiter als wir. Dank den Trainern Hiddink und Advocaat haben wir aber viel hinzugelernt und sind auch variabler geworden in der System-Wahl.»
Ahn - der Super-Joker
Aus dem Rampenlicht gerückt ist unter dem holländischen Trainer der grosse Superstar von 2002: Ahn Jung-Hwan, der mit seinem Golden-Goal im Achtelfinal zum 2:1 gegen Italien Kultstatus erreicht hatte und wegen seinem Treffer von seinem italienischen Klubpräsidenten in Perugia auf der Stelle entlassen wurde, ist inzwischen nur noch Ersatzspieler.
Gegen Togo brachte der Duisburg-Söldner jedoch in der zweiten Halbzeit neuen Schwung und erzielte auch das Siegestor. Trotzdem musste der braungelockte Dressman gegen Frankreich wieder nur auf der Ersatzbank Platz nehmen.
Erneut aber fiel kurz nach seiner Einwechslung der 1:1-Ausgleich für die Asiaten, die dadurch weiterhin vom Gruppensieg träumen dürfen.
Sieg anstreben
Mit einem Sieg über die Schweiz hätten sie diese Riesenüberraschung vollbracht, bei einem Unentschieden müssten sie darauf hoffen, dass Frankreich gegen Togo nicht gewinnt oder höchstens einen 1:0-Sieg landet.
Eine Niederlage in Hannover hätte für sie dann schlimme Folgen, wenn die Franzosen gegen Togo den erwarteten Sieg einfahren. Die Koreaner wollen sich aber nicht auf Eventualitäten einlassen.
«Wir brauchen drei Punkte und die werden wir auch holen», sagt Lee, der wie alle seine Mitspieler fest vom zweiten WM-Sieg in der Geschichte ausserhalb der eigenen Landesgrenzen überzeugt ist.
«Harte Arbeiter wie wir»
Trainer Advocaat geht von einem äusserst spannenden Spiel aus: «Beide Teams haben die Chance, die Achtelfinals zu erreichen. Die Ausgangslage ist für uns jedoch sehr gefährlich. Wir müssen gewinnen und dementsprechende Risiken eingehen. Gegen Togo und Frankreich wurden sie belohnt, schauen wir, wie es gegen die Schweiz herauskommt.»
Der Holländer glaubt, dass sich die Spielweise der beiden Teams heute nicht gross unterscheiden wird: «Die Schweizer sind harte Arbeiter wie wir.»
Den grössten Unterschied sieht er in der Tatsache, dass die Schweizer Stammspieler ausnahmslos in starken ausländischen Ligen tätig sind: «Die Schweizer Spieler sind international viel erfahrener.»
Mit drei Angreifern
Dennoch wird er auch heute in Hannover wie gewohnt drei Stürmer nominieren und nach Bedarf die Offensive gar auf vier Angreifer erhöhen, wenn die angestrebten Tore nicht fallen wollen: «Wir spielen immer mit drei Stürmern, das tut kaum ein anderes Team an dieser WM.»
«Unser Ziel gegen die Schweizer ist es, mindestens ein Tor mehr zu schiessen als sie. Das wird gegen die sehr starke Abwehr des Gegner mit Müller und Senderos, die in europäischen Topmannschaften spielen, allerdings sehr schwer. Wir müssen sie einfach unter konstanten Druck setzen und schauen, wie sie reagieren.»
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