Die deutschen Langläufer unter Erfolgsdruck
publiziert: Dienstag, 15. Feb 2005 / 16:35 Uhr

An der nordischen Ski-WM in Oberstdorf werden die deutschen Langläufer unter einem besonderen Druck stehen. An den Titelkämpfen im eigenen Land sollen sie ihre Erfolgsserie fortsetzen.

Marit Björgen will die beste Langläuferin aller Zeiten werden.
Marit Björgen will die beste Langläuferin aller Zeiten werden.
Zu Spielverderbern können in erster Linie die Norweger und die Schweden werden. Bei den Frauen interessiert die Frage, ob Marit Björgen zur neuen Langlauf-Königin gekürt wird.

Bis zum letzten Winter hatten unter der Federführung des früheren Athleten Jochen Behle die deutschen Langläuferinnen im Vordergrund gestanden. Den Höhepunkt bildete der Gewinn der Goldmedaille durch die Staffel bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City.

Interesse verlagert

In der Zwischenzeit hat sich das deutsche Interesse von den Frauen zu den Männern verlagert - zumindest teilsweise. René Sommerfeldt eroberte letzte Saison die grosse Kristallkugel im Gesamt-Weltcup.

Heuer führt der 15-km-Weltmeister von Val di Fiemme 2003 und Anti-Star Axel Teichmann die Weltcup-Wertung an. Die Überlegenheit der Deutschen ist beinahe schon erschreckend.

Sommerfeldt figuriert in der Zwischenwertung auf Platz 3, Tobias Angerer liegt auf Rang 5, und ohne eine Erkältung, die ihn zu einer Pause zwang, wäre Jens Filbrich besser klassiert als an 13. Stelle.

Die Evi Sachenbacher, Claudia Künzel (zurzeit erkältet und für den ersten Wettkampf nicht einsatzfähig), Manuela Henkel und Viola Bauer warteten in dieser Saison zwar mit ansprechenden Ergebnissen auf, schafften es aber nur gelegentlich aufs Podest.

Überraschende Konstanz

Bei den deutschen Langläufern überraschte insbesondere die Leistungskonstanz, auch wenn Axel Teichmann zuletzt zwei Aussetzer hatte (24. in Nove Mesto, 11. in Pragelato).

Nun müssen sie auf den Heimloipen beweisen, dass sie den Erwartungen der Zuschauer vor Ort und vor dem Bildschirm gerecht werden können.

Die letzten WM-Vorbereitungen trafen die Deutschen in Toblach. Teichmann hat sich eine Erkältung zugezogen. Ob er zum Auftakt über 15 km starten kann, ist offen.

Norweger untergegangen

In der Weltcup-Zwischenwertung sind die Norweger beinahe völlig untergegangen. Mit Tor Arne Hetland (4.) und Jens Arne Svartedal (8.) sind zwei Sprinter unter den besten zehn Langläufern zu finden.

Von den Distanz-Athleten figuriert Frode Estil erst an 15. Stelle. Doch es wäre falsch, die Norweger zu unterschätzen. Zwar haben sie ihre Schwäche in der freien Technik noch nicht überwunden.

Deshalb überrascht es auch nicht, dass sich die Biathleten Ole-Einar Björndalen und Lars Berger einen Platz im Team erkämpft haben. Aber in der klassischen Technik werden sie mit Sicherheit zu ihrer bekannten Stärke zurückfinden.

Schweden hofft auf Aufschwung

Auf einen Aufschwung hoffen die Schweden, deren Matthias Fredriksson es erst beim vorolympischen Test in Pragelato (It) auf das Podest schaffte.

In den Klassisch-Wettkämpfen (Verfolgung und 50 km) werden im weiteren Lukas Bauer (Tsch), Frode Estil sowie Andrus Veerpalu und Jaak Mae (Est) auf den Spitzenpositionen zu finden sein.

Björgen will beste Langläuferin werden

Bei den Frauen wird sich alles um Marit Björgen drehen. Die 24-jährige Athletin hat öffentlich erklärt, dass sie vom Ehrgeiz getrieben wird, die beste Langläuferin aller Zeiten zu werden.

Einen weiteren Schritt in diese Richtung kann die Sprint-Weltmeisterin in Oberstdorf machen, wo sie ausser den 10 km Skating in allen anderen Wettkämpfen an den Start gehen will.

Das altersmässige Pendant zu Björgen bildet Hilde Pedersen. Sie hat im Alter von 40 Jahren bei den Landesmeisterschaften zwei weitere Titel gewonnen.

Eine Medaille in einem Einzelwettkampf wäre der Höhepunkt in der Laufbahn Pedersens, die durchblicken liess, dass für sie die Winterspiele in Turin kein Thema mehr sind.

Marit Björgen unter Druck

Kristina Smigun (Est), Katerina Neumannova (Tsch) und Virpi Kuitunen (Fi) dürften die wichtigsten Gegnerinnen von Marit Björgen sein.

Die letztjährige Weltcup-Gesamtsiegerin Gabriella Paruzzi war in diesem Winter teilweise durch teaminterne Probleme absorbiert.

Es bleibt abzuwarten, ob die Italienerin mit einer Leistungssteigerung aufwarten kann. Die Russinnen beherrschten am vergangenen Samstag in Reit im Winkl die Gegnerinnen mit einem Dreifach-Triumph.

(rr/Si)

 
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