Die ganze Welt reist zu Michelangelo
publiziert: Freitag, 17. Feb 2006 / 08:22 Uhr

Rom - In diesem Jahr feiern die «Musei Vaticani» ihren 500. Geburtstag. Zum runden Jubiläum strahlen neu gestaltete Sektionen und restaurierte Exponate für das Millionenpublikum um die Wette.

Die Laokoon-Gruppe wurde vor 500 Jahren in einem römischen Weinberg gefunden.
Die Laokoon-Gruppe wurde vor 500 Jahren in einem römischen Weinberg gefunden.
Trotz strenger Sicherheitskontrollen mit Durchleuchtungsgeräten strömen jede Minute zwischen 35 und 39 Menschen in die Museen. Im vergangenen Jahr kamen 3,8 Millionen Besucher, in diesem Jahr werden es laut Schätzungen über vier Millionen sein, teilte der Vatikan kürzlich mit. Und wegen der schnellen «Abfertigung» am Eingang muss auch kaum jemand länger warten als 45 Minuten.

14. Januar 1506

Mit einer Messe für sämtliche Mitarbeiter sollten die Feierlichkeiten zum 500. Geburtstag am Freitag beginnen. Als eigentlicher «Entstehungstag» der Museen gilt der Fund einer Marmor-Kopie der Laokoon-Gruppe in einem römischen Weinberg am 14. Januar 1506.

Dabei handelt es sich um eine wertvolle Replik einer 200 v. Chr. entstandenen griechischen Bronzeplastik, die nicht mehr erhalten ist. Die Skulptur, die die Geschichte des trojanischen Priesters Laokoon erzählt, wurde genau einen Monat später - am 14. Februar 1506 - im Hof des päpstlichen Palastes aufgestellt.

Der Laokoon-Gruppe wird im November eine eigene Sonderschau gewidmet, teilte der Direktor der päpstlichen Sammlungen, Francesco Buranelli, jetzt mit.

Zahlreiche Museen

Auch wird im März das renovierte «Museo Cristiano» mit christlicher Kunst aus den Katakomben und den frühen Kirchen wiedereröffnet, während im Ethnologischen Museum im Juni die Sektion für China, Japan, Korea und die Mongolei den Besuchern den Buddhismus näher bringt.

Die zahlreichen verschiedenen Museen in dem Komplex sind so unterschiedlich, vielschichtig und weitläufig, dass Kunstfreunde Wochen brauchen würden, um alle Ausstellungsstücke zu erkunden. Allein die 1839 von Gregor XVI. gegründeten ägyptischen Sammlungen sind so aufsehenerregend, dass es Pharaonen-Fans die Sprache verschlägt. Unter anderem kann man hier zwischen wertvollen, herrlich verzierten Sarkophagen aus dem 3. und 2. Jahrtausend v. Chr. wandeln.

Weltbekannt sind auch die Stanzen des Raffael - die Gemächer von Papst Julius II. (1503-1513) - die seinerzeit mit einem wunderschönen Fresken-Zyklus dekoriert wurden. Ganz zu schweigen von der «Galleria delle Carte Geografiche» mit ihren 40 gemalten Landkarten und dem imposanten Deckengewölbe.

800 Quadratmeter Michelangelo

Fast alle Besucher, die den Museen jährlich 40 Millionen Euro Umsatz bescheren, kommen aber wegen Michelangelo Buonarroti (1475-1564). Vier Jahre lang schuf er unter unsäglichen Mühen und auf dem Rücken liegend sein grösstes Meisterwerk, das nach einer fast 15-jährigen Renovierung seit 1994 in neuer Farbenpracht erstrahlt.

Allein das Deckengewölbe mit der berühmten «Erschaffung Adams» und den Sibyllen - den schönen Prophetinnen - umfasst 800 Quadratmeter.

(Carola Frentzen/sda)

 
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