Die heiligen Kühe werfen ihre Euter ab
publiziert: Freitag, 24. Okt 2003 / 11:10 Uhr / aktualisiert: Freitag, 24. Okt 2003 / 12:34 Uhr

655 Stellen will die Swisscom abbauen. Der erwartete Aufschrei der Gewerkschaften ist leiser, als man es sich hätte denken können: man will mit neuen Arbeitszeitmodellen versuchen, einige Stellen zu retten. Trotz allem bleibt ein bitterer Beigeschmack, reiht sich doch diese Abbauankündigung in die Stellenreduktionen der einstigen heiligen Arbeitgeberkühe SBB, Post und Swisscom.

Seit sich diese ehemaligen Staatsbetriebe dem rauen Wind der deregulierten Marktwirtschaft ausgesetzt sehen, sind sie eigentlich ohne Unterbruch damit beschäftigt, sich anzupassen. Dies heisst vor allem, Stellen zu reduzieren und Strukturen anzupassen.

Als die Post im Frühling einen Abbau von 3000 Stellen ankündigte, weil sie ihr Verteilkonzept den Möglichkeiten des 21. Jahrhundert anpassen wollte, wurden die Pläne in einem Sperrfeuer der Proteste niedergemacht. Dass der Abbau über 7 Jahre hätte gehen sollen, half da nichts. Die Zahlen waren einfach zu gross, die Veränderungen für Öffentlichkeit und Politik unverdaulich.

Die Post wird jetzt wohl, wie die Swisscom es schon erfolgreich vorexerziert, nur noch scheibchenweise ab- und umbauen. Ein paar Stellen hier, ein schmerzhafter aber erträglicher Abbau dort. Im Endresultat kosten diese Schonprogramme wahrscheinlich mehr Geld und Stellen, als langfristige Projekte, die ohne Umwege angegangen würden.

Das Ziel ist jedoch dasselbe: Die Monopolisten aus den Tiefen des zwanzigsten Jahrhunderts, wo sie ohne Druck schalten und walten konnten, an die heutigen Verhältnisse anpassen.

Verhältnisse, welche die bei jedem Stellenabbau und jedem Gebührenaufschlag aufschreiende Öffentlichkeit selbst gewünscht haben.

Wer beklagt sich denn schon darüber, heute für weniger als zehn Rappen in der Minute in ganz Europa rumtelefonieren zu können? Wer reklamiert denn nicht, wenn der Versand eines Briefes mehr als ein Bürli kostet aber heult andererseits auf, wenn es im hintersten Bündner Bergtal keine voll bediente Poststelle hat? Eben.

Am schlimmsten ist wohl die SBB dran. Sie hat - im Gegensatz zu Post und Swisscom - am wenigsten Möglichkeiten mit weniger Arbeitsstellen und höherer Automatisierung die Ertragskraft zu steigern. Der Abbau von Zugsbegleitern führte zu laut beklagten Sicherheitslücken. Egal wo neue Bahnlinien gebaut werden, scheinen Budgetüberschreitungen fast schon programmiert zu sein. Und diese führen mit Sicherheit zu höheren Betriebs- und Finanzierungskosten.

Doch das eigentliche Problem der heiligen Kühe ist nicht wirtschaftlicher Art sondern ein Schweizer Mythos: Der Schweizer erwartet sich eine infrastrukturelle Vollversorgung, die sympathisch, günstig, gut zu den Angestellten, höflich zu den Kunden und allgegenwärtig ist.

Doch als der Schweizer sah, dass das nicht mehr alles ging, wählte er günstigere Variante, nicht ohne den Verlust von all den anderen guten Dingen laut zu beklagen.

Soeben wurde ein stramm bürgerlich-kapitalistisches Parlament gewählt. Es wurde Marktwirtschaft gewählt. Realisieren wir also, dass wir mit unseren Entscheidungen zu leben haben. Die heiligen Kühe werden noch mehr abwerfen, denn wir fordern das von ihnen. Dafür Vorwürfe zu machen, ist Heuchelei. Es gibt ein Englisches Sprichwort: "You've made your bed, now you have to sleep in it!" (Wenn Du Dein eigenes Bett machst, musst Du auch selber darin schlafen) Na dann, gute Nacht!

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
«Hier hätte ich noch eine ...
In den USA ist bei einer Frau mit Harnwegsinfektion zum ersten mal ein Bakterium aufgetaucht, das gegen das letzte Reserve-Antibiotikum resistent ist. Wer Angst vor ISIS hat, sollte sich überlegen, ob er seinen Paranoia-Focus nicht neu einstellen will. Denn das hier ist jenseits aller im Alltag sonst verklickerten Gefahren anzusiedeln. mehr lesen 4
Durch ungeschickte Avancen von SBB- und Post-Chefs, droht die Service-Public-Initiative tatsächlich angenommen zu werden. Von bürgerlicher Seite her solle laut einem Geheimplan daher ein volksnaher Alternativvorschlag vor den Wahlen als Killer-Argument gegen die Initiative publik gemacht werden. Dass dieser noch nicht öffentlich ist, liegt mal wieder am Geld. mehr lesen  
Eine renommierte US-Kanzlei stellt einen neuen Anwalt Namens Ross ein. Die Aufgabe: Teil des Insolvenz-Teams zu sein und sich durch Millionen Seiten Unternehmensrecht kämpfen. Und ... mehr lesen  
Urversion von IBM's Supercomputer WATSON: Basis für 'ROSS'... und unsere zukünftigen Regierungen?
Sicherheitskontrolle in US-Airport: 95% Versagen, 100% nervig.
In letzter Zeit wurden aus Terrorangst zwei Flüge in den USA aufgehalten. Dies, weil Passagiere sich vor Mitreisenden wegen deren 'verdächtigen' Verhaltens bedroht fühlten. Die Bedrohungen: Differentialgleichungen und ein ... mehr lesen  
Typisch Schweiz Der Bernina Express Natürlich gibt es schnellere Bahnverbindungen in den Süden, aber wohl ...
saleduck.ch, Logo
Shopping «Wär hetts erfunde?» Zwei Jahre nach der Gründung erhält Saleduck.ch eine neue Plattform und wird zu einer Deal Community. Neben einem neuen Layout bieten sich auch für Netzwerke und Advertiser viele ...
Erstaunliche Pfingstrose.
Jürg Zentner gegen den Rest der Welt.
Jürg Zentner
Frauenrechtlerin Ada Wright in London, 1910: Alles könnte anders sein, aber nichts ändert sich.
Regula Stämpfli seziert jeden Mittwoch das politische und gesell- schaftliche Geschehen.
Regula Stämpfli
«Hier hätte ich noch eine Resistenz - gern geschehen!» Schematische Darstellung, wie ein Bakerium einen Plasmidring weiter gibt.
Patrik Etschmayers exklusive Kolumne mit bissiger Note.
Patrik Etschmayers
Obama in Hanoi mit der Präsidentin der Nationalversammlung, Nguyen Thi Kim Ngan auf einer Besichtigungstour: Willkommenes Gegengewicht zu China.
Peter Achten zu aktuellen Geschehnissen in China und Ostasien.
Peter Achten
Recep Tayyp Erdogan: Liefert Anstoss, Strafgesetzbücher zu entschlacken.
Skeptischer Blick auf organisierte und nicht organisierte Mythen.
Freidenker
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Mi Do
Zürich 11°C 15°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
Basel 11°C 17°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
St. Gallen 9°C 12°C anhaltender Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Bern 10°C 16°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Luzern 12°C 17°C bedeckt, wenig Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Genf 10°C 19°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Lugano 12°C 23°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten