
First Lady wird Michelle Obama zärtlich genannt. Première Dame säuseln die Franzosen, wenn sie von der Journalistin Valérie Trierweiler reden. Da lob ich mir die deutsche Sprache: «Frau des Bundespräsidenten» heisst das Plus1 in Deutschland. Mit Ausnahme englischer Hochglanzblätter gibt es wenigstens sprachlich keine erste, die schliesslich das Letzte ist.
Valérie Trierweiler hat studiert. Valérie Trierweiler ist Journalistin. Valérie Trierweiler ist alleinerziehende Mutter. In ihrer Freizeit geht Valérie Trierweiler ab und an (so nehmen wir mal an) mit François Hollande ins Bett, deshalb nennt man sie Lebensgefährtin, Partnerin oder Freundin des bis vor kurzem brav agierenden Parteisoldaten.
Seit der Wahl ihres Liebsten hat Valérie Trierweiler eigentlich alles verloren. Sie ist, ohne dass dies irgendwo rechtlich festgelegt wurde, in Staatsbesitz übergegangen. Sie darf nicht mal mehr irgendwelche Meldungen tweeten, schon wird sie zum staatspolitischen Ereignis. Deshalb ist Frankreich seit gestern in Aufruhr. Denn Valérie Trierweiler hat das getan, was normale Frauen, die noch nicht hundertprozentig Eigentum ihres Bettgefährten sind, noch dürfen: Sie wünschte ihrem Lieblingskandidaten in La Rochelle, Olivier Faroni, alles Gute für den Wahlkampf. Wo liegt das Problem? Ahhh, ganz vergessen. Faroni ist der Gegenkandidat von Ségolène Royal, ehemalige Lebensgefährtin des jetzigen Präsidenten, Mutter «seiner» vier Kinder, vor fünf Jahren sozialistische Herausforderin von Nicolas Sarkozy.
Womit die klassische Häme der Nach- auf die Vorfrau zur Staatsaffäre wird.
«Malaise existentiel» nennt die Le Monde die Tatsache, dass «erste Frauen» eigentlich nicht mehr politisch, beruflich oder sonst wie unabhängig tätig sein sollten. Die «ersten» Frauen haben mit der Wahl ihres Partners in einer der höheren Sphären alle ihre klassischen bürgerlichen Rechte verwirkt. Nicht formell natürlich, sondern informell. Wie alle Entrechtlichungen westlicher Frauen kaum mehr formell, dafür umso effizienter informell passieren. Was bedauerlicherweise dann dazu führen kann, dass Frauen sich lieber gegenseitig die Augen auskratzen, statt die entwürdigenden Klischees der existentiellen Malaise, dass Frauen nach wie vor keine Subjekte sind, zu bekämpfen - siehe Trierweiler, die wahrscheinlich Besseres zu tun hätte, als die schon am Boden liegende Ségolène Royal noch zu treten.
Sie könnte sich ja ein Beispiel an Michelle Obama nehmen. Die ehemalige Klassenbeste, Princeton- und Harvardstudentin, äusserst erfolgreiche Juristin tut das, was studierten westlichen Ehefrauen und Müttern früher oder später normalerweise blüht: Sie pflegt den ehelichen Garten. Schön, dass sie darüber immerhin ein Buch schreiben darf! Denn die «ersten Damen» im Staat sind, realistisch gesehen, das Letzte.
(Regula Stämpfli/news.ch)
Erwähnt? Gesichtet? Bei Michelle Obama weiss man wenigsten, dass sie gern gärtnert, dass sie gerne Mutter ist, dass ihr nicht verwehrt wurde, ein Buch zu schreiben. Also, WO sind unsere Partner/Innen der Regierenden? Was tun denn sie? Nichts? Und, weshalb diese Kolumne, die überhaupt nicht interessiert.
Aber vermutlich sind die Annehmlichkeiten, die man als First Lady geniessen darf, doch zu verführerisch, als dass man in klassenkämpferischer Manie(r) à la Stämpfli darauf verzichten würde!
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