Die skiverrückte Familie Fanchini
publiziert: Montag, 7. Feb 2005 / 15:38 Uhr

Die Silbermedaille, die Elena Fanchini am Sonntag in der WM-Abfahrt gewonnen hat, ist der bisherige Höhepunkt für eine skiverrückte Familie aus Italien. Dem Erfolg opferte der Vater einst seine letzte Lira.

Elena Fanchini ist die älteste von den drei Fanchini-Schwestern.
Elena Fanchini ist die älteste von den drei Fanchini-Schwestern.
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Fanchini, Elena Fanchini? Das ist doch die, die schon im Super-G zuvor stark gefahren war und Bronze nur um drei Hundertstel verpasst hatte. Das war sie eben nicht. Eine Woche zuvor hatte Nadia, die um ein Jahr jüngere Schwester, die italienischen Zuschauer verzückt. Die Verwechslung war verständlich, zumal der Name Fanchini vor den WM nur Insidern bekannt war.

Seit Sonntag ist allen bekannt, dass es noch eine dritte Skirennfahrerin namens Fanchini gibt: Sabrina, 16-jährig und ebenso talentiert wie ihre Schwestern. Die Jüngste des Trios fährt zur Zeit noch vorwiegend FIS-Rennen; dieser Tage gab sie in Reinswald im Sarntal (It) ihren Einstand im Europacup.

Vater sparte für das Hobby seiner Töchter

Drei skirennfahrende Kinder kann sich normalerweise nur leisten, wer über erhebliche finanzielle Mittel verfügt. Nicht so die Fanchinis. Der Vater sparte sich jede Lira ab, um seinen Töchtern ihr Hobby ermöglichen zu können. "Insgesamt habe ich dafür rund 150 Millionen Lire aufgewendet", rechnet Vater Sandro vor. Das sind umgerechnet 120 000 Franken - für einen wie ihn, der als Skilift-Angestellter in Monte Campione bei Brescia arbeitet, eine exorbitante Summe.

"Auf weitere Vergnügen mussten wir verzichten, auch die Kinder. Oft waren wir in finanziellen Schwierigkeiten und wussten nicht mehr ein und aus. Dass es Elena und Nadia unter diesen Umständen an die Weltspitze geschafft haben, macht mich besonders stolz", sagte Papa Fanchini.

Mamma Giusi ging für ihre Kinder putzen

Mitfinanziert werden die Töchter von Mamma Giusi, die ihr Geld in einem Putzinstitut verdient. Diese Anstellung bringt der Familie indes nicht nur ein zusätzliches Einkommen; sie ist auch mit ein Grund, weshalb Nadia, Elena und Sabrina ihre Vorliebe für den Skisport entdeckten. "Weil meine Frau praktisch den ganzen Tag arbeitete, habe ich die Kinder mit an die Skipiste genommen und habe ihnen das Skifahren beigebracht", klärt der Papa auf.

Mamma Giusi ist nie selber Ski gefahren; in einer Familie mit neun Kindern war dies schlicht nicht möglich. "Interessiert für den Sport habe ich mich aber schon früher. Vor allem Deborah Compagnoni und Katja Seizinger habe ich bewundert. Wenn ich sie fahren sah, wusste ich, dass es unsere Töchter eines Tages auch schaffen werden. Wenige Tage vor WM-Beginn habe ich sogar von einem Medaillengewinn geträumt." Der Traum wurde Wirklichkeit. Die Fanchinis habens geschafft. Der finanzielle Kraftakt hat sich gelohnt. Und Verwechslungen zwischen Elena und Nadia dürfen ab sofort ausgeschlossen werden.

(fest/Si)

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