Die tägliche Katastrophe
publiziert: Montag, 12. Dez 2005 / 10:34 Uhr / aktualisiert: Montag, 12. Dez 2005 / 15:44 Uhr

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Vermutlich waren ja nicht alle Tanks ganz voll. Aber auch wenn nicht die ganzen möglichen 272 Millionen Liter Treibstoff in Flammen aufgegangen sind – die Bilder sind erschreckend. Pechschwarze Rauchwolken steigen in den Himmel über Flammen, die bis zu hundert Meter hoch schlugen, während die Feuerwehrleute auf Grund der Hitze hilflos dem Brand zuschauen mussten. Schockierend, apokalyptisch, die Szenen, die wir am Fernseher verfolgen konnten.

Und doch alltäglich. Nur nicht in dieser Form. Aber machen wir uns nichts vor – genau jenes Zeug, dass momentan einen Teil von Hertfordshire zu einer apokalyptischen Szenerie verwandelt, füllen wir in unsere Tanks – sei dies nun Auto oder Zentralheizung - und verbrennen es. Der gleiche Saft, der im Süden Englands den Himmel verdunkelt, treibt die Flugzeuge an, mit denen wir in den Urlaub fliegen. Und die Quantitäten, die jeden Tag verbrannt werden, sind grösser, als jene die nun so öffentlich in Flammen und Rauch aufgegangen sind und immer noch aufgehen.

Aus dieser Sicht ist dieser Brand auch keine ökologische Katastrophe. Zumindest keine grössere, als die tägliche, die wir an Tankstellen und beim Heizöleinkauf anrichten. Sicher, viele der Schadstoffe, welche in Hemel Hempstead durch die niedrige Brandtemperatur und zu wenig Sauerstoff entstehen, entweichen modernen Verbrennungsmotoren und Heizbrennern nicht mehr. Aber die Treibhausgase, die unser Klima womöglich zum Kippen bringen werden, sind dieselben. Der Unterschied ist vor allem die Offensichtlichkeit, mit der sie hier frei gesetzt werden.

Gerade eben ist in Montréal ein Minimal-Beschluss zum Klimaschutz gefasst worden, bei dem – weil er eben so minimal ist – auch die USA mitmachen. Doch immerhin, ein Konsens besteht, dass etwas passieren muss. Aber scheinbar geht diese Botschaft immer noch an den Konsumenten und der Industrie mit Vollgas – um es mal so zu sagen – vorbei.

Zwar klagen immer mehr Leute über die hohen Benzinpreise, aber das scheint immer noch kaum jemanden davon abzuhalten, dumme Autos zu kaufen oder Energie zu Hause zu verschwenden. Daimler Benz hat soeben in den USA die GL-Klasse vorgestellt, eine Art geländegängiger Bungalow mit Leder bezogenem Armaturenbrett und über 5 Meter Länge. Sie folgt unmittelbar auf die R-Klasse, ein anderes Monstrum der Landstrassen.

Doch auch Audi lässt sich nicht lumpen, und stellt den Q-7 auf die Räder, für alle, die glauben, dass Einfamilienhäuser auch Räder brauchen. Die Verkaufsprognosen für diese und andere Monster auf Breitreifen sind durchaus gut, was einem am Verstand der Konsumenten zweifeln lässt.

Doch auch unsere Gier auf Luftreisen ist scheinbar unersättlich. Ob in London oder Zürich, ob in Frankfurt oder New York. Überall stossen die Flughäfen an ihre Kapazitätsgrenzen und bauen, wenn sie können, weiter aus. Dabei lassen wir Konsumenten uns auch nicht durch Treibstoffzuschläge vom Fliegen abhalten. Es mag hier zwar wärmer werden, aber schnell mal Thailand und zurück muss schon drinliegen.

Jeden Tag gehen mehrere dieser Tanklager, wie es momentan am Brennen ist, in die Luft. Kontrollierter, unauffälliger – aber genau so verheerend für die Umwelt. Die Konsequenzen sind schon jetzt nicht mehr zu ignorieren. Der Golfstrom ist am versiegen, die Hurrikane sind häufig wie noch nie, der Bodensee verliert an Pegel, die iberische Halbinsel erlebt Rekorddürren und unsere Gletscher verschwinden in Rekordgeschwindigkeit.

Doch die Blicke richten sich gebannt auf die schwarzen Wolken über Hertfordshire. Währenddessen findet die echte Katastrophe jeden morgen statt, wenn wir unser Auto starten...

(Patrik Etschmayer/sda)

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