Die ungleichen Medaillenhamsterer
publiziert: Sonntag, 13. Feb 2005 / 15:43 Uhr

Parallelen zwischen Benjamin Raich und Janica Kostelic lassen sich kaum finden. Gemeinsam war dem Österreicher und der Kroatin dieser Tage nur eines: Sie sind die Superstars der WM 2005 und haben in Bormio Skigeschichte geschrieben.

Sie liessen keine Gelegenheit aus: Benjamin Raich bestritt fünf Wettkäpmfe und war bei jeder Siegerehrung dabei, Janica Kostelic war sogar "Miss 100 Prozent" -- drei Starts, drei Siege. Die Medaillenhamsterei bringt es mit sich, dass die WM-Rekordbücher überarbeitet werden müssen.

Raich steht mit je zwei Goldenen und Silbernen sowie einer Bronzenen fast auf der Höhe von Lasse Kjus, der sich 1999 in Vail/Beaver Creek (USA) zweimal Gold und dreimal Silber umhängen liess. Kostelic ist erst die fünfte Fahrerin, die an einer WM drei Titel holte. Das letzte Triple hatte 1982 Erika Hess in Haus im Ennstal (Ö) realisiert. Die weiteren "Dreifachen" gehen in die Dreissigerjahre und damit in die Anfangszeiten des Skirennsports zurück.

"Schweizer" Parallelen

Weit zurückblicken muss auch, wer im sportlichen Bereich Gemeinsamkeiten von Raich und Kostelic ausmachen will. Die wenigen parallelen Spuren hinterliess das WM-Topduo ausgerechnet in der Schweiz; beide hatten in unserem Land auf ihr immenses Talent aufmerksam gemacht, bevor sie im Weltcup Fuss fassten.

Raich gewann vor neun Jahren in Hoch-Ybrig im Slalom den ersten seiner insgesamt vier WM-Titel bei den Junioren, Janica Kostelic verblüffte im März 1998 als 16-Jährige an den Schweizer Meisterschaften in Obersaxen im Super-G und in der Abfahrt mit den Rängen 2 und 3. Dazu entschied sie gleichenorts die FIS-Abfahrt für sich -- mit 1,26 Vorsprung vor Sylviane Berthod.

Schweizer Knowhow

Beide vertrauen ausserdem auf helvetisches Schaffen in den Bereichen Medizin und Gesundheit. Janica Kostelic wurde in der Basler Bruderholz-Klinik unter anderem im Dezember 1999 nach ihrem Sturz im Abfahrtstraining in St. Moritz am schwerst verletzten rechten Knie operiert.

Mittlerweile zählt sie in Bad Ragaz zu den Stammgästen; im Sarganserländer Kurort lässt sie sich regelmässig von Dr. Rolf Hohmeister auf ähnliche Weise wie Sonja Nef mit Injektionen behandeln. Von Schweizer Knowhow profitiert auch Benjamin Raich. Seit er zu Beginn dieser Saison von Rückenproblemen geplagt wurde, schwört er auf die vom Thurgauer Karl Müller erfundenen MBT-Freizeitschuhe. Die Treter mit der "Masai Barefoot Technology" brachten Raich die erhoffte Hilfe, die Beschwerden sind weg.

Davon kann Janica Kostelic nur träumen. In den vergangenen sechs Jahren verbrachte sie in Operationssälen und Spitälern fast ebenso viel Zeit wie auf den Skipisten und wird nie mehr ohne Schmerzen Rennen fahren können. Raich seinerseits darf sich glücklich schätzen, vor Verletzungen bisher verschont geblieben zu sein -- abgesehen von den zwei Hirnerschütterungen, die er vor fünf Jahren in Kranjska Gora (Sln) und im letzten Winter in Garmisch erlitten hatte.

Raichs "klassischer Weg", Kostelics "Überfälle"

Raichs Karriere verlief ohnehin gradliniger als jene von Janica Kostelic; er ging den "klassischen Weg". Nach seinen Junioren-WM-Titeln folgten Siege im Europacup und schliesslich die ersten Erfolge im Weltcup. Im Januar 1999 schaffte er endgültig den Durchbruch, als er innert zehn Tagen gleich dreimal zuoberst auf dem Podest stand. In Schladming und in Wengen siegte er im Slalom, dazwischen in Flachau im Riesenslalom.

Janica Kostelic schlug auf jeder Stufe überfallartig zu. Noch nicht ganz 16-jährig, gewann sie im Dezember 1997 ihr erstes FIS-Rennen -- mit der Startnummer 83 einen Super-G in Gerlitzen (Ö). Im folgenden Winter lehrte sie bereits im Weltcup die Favoritinnen das Fürchten.

Ihre Premiere im Riesenslalom in Sölden beendete sie als Zwölfte, steigerte sich einen Monat später in Park City (USA) in den 4. Rang und liess zwei Tage danach im Olympiaort von 2002 mit der Nummer 53 in ihrem allerersten Weltcup-Slalom Platz 3 folgen. Die Überraschungen machten selbst vor Grossveranstaltungen nicht Halt. Bei den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City holte sie unter anderem im Riesenslalom Gold, ohne vorher im Weltcup unter die ersten drei gefahren zu sein. In Bormio sparte sie sich den "Überfall" für die Abfahrt auf.

Wer den Namen Janica Kostelic hört, denkt ungeachtet ihrer Erfolge an Grossanlässen primär an den Slalom. Dabei lagen die Stärken der 23-Jährigen einst in der Abfahrt und im Super-G. Umgekehrt verhielt es sich bei Benjamin Raich. Als reiner Techniker wurde er in der Weltcup-Gruppe 4 des ÖSV, der auch Hermann Maier, Michael Walchhofer, Christoph Gruber und Mario Scheiber angehören, Schritt für Schritt an die Speedrennen herangeführt und zum Allrounder "umfunktioniert". Das Ergebnis ist freilich das gleiche wie bei Janica Kostelic: Superstar der WM 2005 in Bormio.

(von David Bernold, Bormio/Si)

 
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