Die verzweifelte Suche nach dem Erfolg
publiziert: Dienstag, 3. Mai 2005 / 07:45 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 3. Mai 2005 / 11:19 Uhr

Es ist in Wien nicht anders an an den letzten WM: die Russen zählen zum engsten Favoritenkreis - Fans und Bewunderer des russischen Hockeys hoffen auf den Gewinn der Goldmedaille.

Gute Torhüter sind in Russland Mangelware.
Gute Torhüter sind in Russland Mangelware.
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Die Realität sah zuletzt aber stets anders aus. Seit dem letzten Titelgewinn 1993 sicherte sich die "Sbornaja" bloss noch eine WM-Medaille: Silber vor drei Jahren. Der damalige Erfolg wurde zudem auf unrussische Art erreicht; denn Boris Michailow liess 2002 in Schweden unattraktives Defensivhockey zelebrieren (was ihn den Job als Nationaltrainer kostete).

Das russische Hockey produziert zwar weiterhin zahlreich Rohdiamanten für die NHL; die guten, alten, erfolgreichen Zeiten mit 27 Titelgewinnen zwischen 1963 und 1990 (WM und Olympia) sind jedoch vorbei. In der Weltrangliste belegen die Russen noch Platz 7 -- mit magerem Vorsprung auf Deutschland, die Schweiz und Lettland.

Kontinuität fehlt

Die Krise erklärt sich von selbst: Den russischen Funktionären fehlt der Realitätssinn, ähnlich wie den russophilen Fans. Deshalb wird auch nach jedem Turnier und jeder Enttäuschung sofort der Nationalcoach ausgewechselt.

Kontinuität wurde zum Fremdwort. Auf Slawa Fetisow (Olympia 2002) folgte Boris Michailow (WM 2002), dann Wladmir Pljuschew (WM 2003), schliesslich wurde in der Verzweiflung der 73-jährige Viktor Tichonow aus der Pensionierung zurückgeholt.

Neue Trainer

Doch das "Väterchen" musste nach Platz 10 an der WM 2004 einsehen, dass sich das Nationalteam mit Methoden von früher nicht mehr zum Erfolg peitschen lässt -- und ging wieder.

Diese Saison steht mit Wladimir Krikunow nach Sinetula Biljaletdinow (ex-Lugano) und Wladimir Jursinow (ex-Kloten während der Euro-Hockey-Tour) bereits der dritte Chef an der Bande. Krikunow coachte vor drei Jahren Weissrussland bei Olympia in Salt Lake City zum Sensationssieg gegen Schweden und in die Halbfinals.

Das jetzige Team, so Krikunow, sei "wieder eine Sbornaja, die diesen Namen verdient". Die Russen gewannen kurz vor dem WM-Start die Euro-Hockey-Tour, den saisonlangen Vergleich gegen Schweden, Finnland und Tschechien.

Mit Charakter

In Wien folgte auf ein glückhaftes 4:2 gegen Gastgeber Österreich ein erkämpftes 3:3 gegen die Slowakei im bislang mit Abstand besten WM-Spiel. Krikunow: "Die Mannschaft zeigte Charakter. Wir lagen 0:2 und 2:3 zurück und hätten dennoch beinahe gewonnen. Diese Mannschaft kann Weltmeister werden."

Kann sie es wirklich? Maxim Sokolow startete als Nummer-1-Torhüter ins Turnier und kassierte sowohl gegen Österreich (das 2:2) und gegen die Slowakei (das 2:3) haltbare Gegentore zur Unzeit.

Starker Rückhalt fehlt

Die besten russischen Keeper (derzeit Chabibulin und Nabokow) spielen selten bis nie in der Sbornaja; seit Tretjak warten die Russen vergeblich auf eine überragende Nummer 1. Ein starker Rückhalt wäre wichtig für die Russen, denn die Defensive zählte mit Ausnahme von 2002 noch nie zu den Stärken der Sbornaja. Und im Sturm starteten Stars wie Alexej Jaschin wie schon so oft verhalten ins Turnier.

Für die Russen spricht, dass sie diesmal dank einer günstigeren Auslosung die Viertelfinals sicher erreichen sollten. Kanada, die USA, Schweden und Finnland duellieren sich alle in Innsbruck.

Krikunow: "Torhüter Sokolow wird sich steigern, er ist ein Mann für die wichtigen Spiele. Ausserdem haben wir die Mannschaft jetzt schon seit zwei Wochen beisammen. Die Automatismen werden sich verbessern. Und auch das Eis sollte von Tag zu Tag besser werden..."

(Rolf Bichsel, Wien/Si)

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