«Stromindustrie ist träge»
Doris Leuthard kontert
publiziert: Samstag, 28. Mai 2011 / 10:54 Uhr / aktualisiert: Samstag, 28. Mai 2011 / 13:17 Uhr
Doris Leuthard übt Kritik an der Strombranche.
Doris Leuthard übt Kritik an der Strombranche.

Bern - Energieministerin Doris Leuthard wehrt sich gegen die Kritik von Wirtschaft und Stromindustrie am Entscheid zum Atomausstieg. Sie wirft der Stromindustrie vor, träge zu sein. Economiesuisse-Präsident Gerold Bührer bleibt dabei: Leuthard habe den Entscheid «übers Knie gebrochen».

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Kaum hatte der Bundesrat den Entscheid zum Atomausstieg am Mittwoch kommuniziert, wurde neben Lob auch harsche Kritik laut. Der Wirtschaftsdachverband economiesuisse bezeichnete den Entscheid als "unseriös, widersprüchlich und unverantwortlich"; der Stromkonzern Axpo sprach von einem "schnellen, unter hohem politischen Druck gefällten Beschluss".

Nun kontert Energieministerin Doris Leuthard in einem Interview, das am Samstag in der "Aargauer Zeitung" und in der "Südostschweiz" erschienen ist. "Die Stromindustrie ist stark reguliert, mehrheitlich ist sie staatlich organisiert. Das macht sie träge", sagte Leuthard. Ganz anders sehe es etwa in der IT-Branche aus, wo Wettbewerb herrsche.

Die Trägheit der Strombranche rühre nicht zuletzt daher, dass sie vor allem möglichst viel Strom verkaufen wolle: "Wir möchten darum prüfen, mit welchen Anreizen das Erreichen von Effizienzzielen erreicht werden kann - die blosse Umsatzsteigerung in Kilowattstunden darf sich nicht mehr rechnen." Auch solche Fragen gehörten zur Einarbeit, die nun bevorstehe.

Bührer: Entscheid übers Knie gebrochen

Kritik übt Leuthard auch an den Netzeigentümern. Diese hätten "zu wenig investiert". In den letzten 15 Jahren seien lediglich 200 Kilometer Stromnetz gebaut worden - bei 1000 benötigten Kilometern. Der Strompreis werde daher ohnehin steigen, mit oder ohne Atomenergie.

Den Unmut von economiesuisse nehme sie zur Kenntnis, sagte die CVP-Bundesrätin. Sie habe allerdings auch viele Mails von Wirtschaftsvertretern erhalten, die ganz anders denken und die froh seien über einen klaren Entscheid. Auf die Frage, weshalb der Wirtschaftsdachverband derart dezidiert gegen den Atomausstieg sei, antwortete sie: "Das müssen Sie economiesuisse fragen."

Bei economiesuisse-Präsident Gerold Bührer nachgefragt hat die "Samstagsrundschau" von Schweizer Radio DRS. In der strategischen Ausrichtung gebe es "keinen grossen Graben" zwischen Bundesrat und Wirtschaft, sagte Bührer. Er störe sich vielmehr an der Art und Weise des bundesrätlichen Vorgehens und an den zeitlichen Vorgaben für den Ausstieg.

In Anbetracht des prognostizierten Bevölkerungswachstums sei es "unrealistisch", die für den Ausstieg notwendige Menge an Strom einzusparen. Er begreife nicht, weshalb Leuthard den Entscheid "übers Knie gebrochen" habe.

Economiesuisse wolle, dass die Option Kernenergie offen gehalten werde - unter der Bedingung, dass es gelinge, eine neue Generation von Reaktoren auf den Markt zu bringen. Die heutigen Schweizer AKW hält Bührer für "sehr sicher", das Restrisiko schätzt er als "minim" ein.

 

 

(fkl/sda)

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Lächerliche Aussage
Regulierte Märkte könnten schneller auf so etwas reagieren, hätte ich jetzt gesagt. Aber die Frage ist halt auch: wieso konnten denn nicht mehr als 200km Stromleitungen saniert werden? Und Frau Leuthard weiss das nur zu gut und genau deshalb ist dieser Ausstieg so unrealistisch und nichts anderes als lächerliche Wahlpropaganda.
alle Achtung!?
Frau 'Medienwirksam' brauchte also nur gut 4 Jahre, um aufzuwachen.

Ein Satz wie: «Die Stromindustrie ist stark reguliert, mehrheitlich ist sie staatlich organisiert. Das macht sie träge» aus ihrem Mund ... - ob da etwas aus der Zusammenarbeit mit ihrem Amtsvorgänger hängengeblieben ist?
Dieser hätte übrigens 15 Jahre Zeit gehabt, dieses noch nie so aktuelle Thema aufgrund seiner Überzeugung und politischen Ausrichtung wirksam anzugehen. Aber der - inzwischen als unbrauchbar entlarvte - 'Cisalpino' war halt sein Lieblingsspielzeug ...

DL begibt sich auf dünnes Eis - in high heels ein besonders gefährliches Unterfangen.
Hat sie ihren Geschmack etwa tatsächlich in Richtung rot und grün verändert?
Kaum - das ist wohl eher Wahltaktik!

Da wird vollmundig Vieles vor der Wahl gesagt und versprochen, das nachher oft sehr schnell relatviert wird - wie auch das Beispiel Kretschmann gezeigt hat ...
.
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