Medizinische Onlineforen werden immer wichtiger
Dr. Google hilft zur Selbsthilfe
publiziert: Montag, 16. Mai 2011 / 14:44 Uhr
Dr. Google hilft: Online-Selbsthilfe wird wichtiger.
Dr. Google hilft: Online-Selbsthilfe wird wichtiger.

Heidelberg - Onlineforen zu Gesundheitsthemen haben längst ihren festen Platz in der Selbsthilfe eingenommen. Ihre reger Zulauf erfordert, dass die Ärzte stärker als bisher auf die vom Patienten eingeholten Informationen eingehen.

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Zu diesem Schluss kommen Urologen der Universitätsklinik Heidelberg. In ihrer im «British Journal of Urology International» veröffentlichten Studie zeigen sie, welche Besserungen das Web 2.0 für Patienten bringt und inwiefern dies die Arzt-Patienten-Kommunikation verändert.

Bessere Bewältigung der Krankheit

Selbsthilfeforen im Internet sind für die meisten Patienten sehr hilfreich, so das überaus positive Resümee des Studienleiters Johannes Huber. «Sie verschaffen einen sehr niederschwelligen Zugang zu vielfältigen Meinungen und Ratschlägen und liefern emotionale Unterstützung. Patienten werden dadurch beruhigter oder zum Einholen weiterer Informationen ermuntert. Das hilft ihnen, sich aktiv mit der Krankheit auseinander zu setzen und sie auch besser zu bewältigen», so der Experte.

Das Team um Huber analysierte Beiträge im Internetforum der Online-Selbsthilfegruppe für Prostatakrebs. Für dieses Leiden, an dem in Deutschland jährlich 40.000 Männer neu erkranken, reicht das Behandlungsspektrum heute vom aktiven Beobachten über Strahlentherapie bis hin zur Operation. In der Studie untersuchten die Forscher, was in den Foren die Patienten für ihre jeweilige Behandlungsentscheidung unterstützt. 1.630 Postings aus einem Zeitraum von zweieinhalb Jahren wurden dabei analysiert.

Empfehlungs-Plattform und emotionale Hilfe

Die meisten Forumsbeiträge enthalten Empfehlungen bestimmter Ärzte (57 Prozent), Krankenhäuser (36 Prozent) oder Therapieformen, wobei häufiger zur Strahlentherapie als zur OP geraten wird. Oft wird eine Zweitmeinung zum Biopsieresultat oder weitere bildgebende Untersuchungen empfohlen, was laut Huber aus medizinischer Sicht nicht immer sinnvoll ist. Die Nutzer unterstützen sich emotional, wahren aber Distanz und bieten im Forum nur selten E-Mail-Adresse oder Telefonnummer, nie aber persönliche Treffen an. Die Beiträge sind vorsichtig formuliert und meiden stets das Wort «Krebs», zeigte die linguistische Analyse.

«Für die Ärzte haben die Selbsthilfeforen positive wie auch negative Effekte», betont Huber. Erschwert sei die Situation, wenn Patienten mit Fehlinformationen oder extremen Meinungen kommen, was Ärzten viel Offenheit, Zuhören und ein behutsames Eingehen darauf abverlangt. «Das Internet kann jedoch das Arzt-Patienten-Gespräch auch verbessern - etwa wenn sich Ärzte in den Foren selbst ein Bild machen, welche Bedürfnisse und Sorgen ihre Patienten besonders bewegen.» Manche Fachkollegen sind zudem auch ehrenamtlich als Experten in diversen Online-Foren unterwegs.

Verunsicherung möglich

Patienten sollten vorsichtig mit der weithin als «Dr. Google» bekannten Krankheits-Onlinerecherche umgehen, räumt Huber ein. «Das Internet bringt vielen Erleichterung, kann jedoch auch verunsichern.» Das Extrembeispiel dafür sind Menschen mit Krankheitsangst, deren Leidensdruck durch das Internet häufig wächst. Ein Gegenrezept haben die Heidelberger Mediziner mit dem 2009 gestarteten Projekt «Patienten beraten Patienten» gefunden, bei dem behandelte Prostatakrebs-Patienten ihre Erfahrungen an Neuerkrankte weitergeben.

(fkl/pte)

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