Geldwäscherei in der Schweiz
Drei Milliarden verdächtige Vermögenswerte
publiziert: Dienstag, 14. Mai 2013 / 09:58 Uhr
Betrugsdelikte sind am häufigsten vermutete Vortat.
Betrugsdelikte sind am häufigsten vermutete Vortat.

Bern - In der Schweiz sind der Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) im vergangenen Jahr verdächtige Vermögenswerte im Betrag von über drei Milliarden Franken gemeldet worden. Mit 1585 Meldungen wurde praktisch das Niveau des Vorjahres erreicht.

5 Meldungen im Zusammenhang
2011 hatten tiefgreifende politische Ereignisse wie beispielsweise der Arabische Frühling zu zahlreichen Verdachtsmeldungen geführt und waren hauptsächlicher Grund für den starken Anstieg der Meldungen gewesen, wie die MROS bekannt gab. Gleichzeitig gab es 2012 weniger grosse Fallkomplexe mit zahlreichen zusammenhängenden Verdachtsmeldungen.

Die Zahl der Meldungen sank insgesamt um 40 auf 1585. Die Summe der in den Verdachtsmeldungen bezifferten Vermögenswerte belief sich im Berichtsjahr auf 3,15 Milliarden Franken gegenüber 3,28 Milliarden Franken im Vorjahr. Dabei vereinten alleine sechs Meldungen Vermögenswerte über ein Gesamtvolumen von 1,44 Milliarden Franken.

Drei dieser Meldungen standen in Zusammenhang mit einem Verdacht auf Veruntreuung von ausländischen Staatsgeldern, zwei mit mutmasslichen urkundenfälschungs- und Betrugsdelikten. Eine weitere Meldung betraf eine angeblich kriminelle Organisation mit Sitz in Asien.

Zwei Drittel der Meldungen von Banken

Erneut stammten zwei Drittel der Meldungen von Banken. 23 Prozent der Meldungen kamen von Zahlungsverkehrsdienstleistern, vier Prozent von Treuhändern und drei Prozent von Vermögensverwaltern. Bei der am häufigsten vermuteten Vortat handelte es sich mit knapp einem Drittel der Fälle unverändert um Betrugsdelikte.

Die grosse Mehrheit der Verdachtsmeldungen stammte erwartungsgemäss aus den Kantonen Zürich, Genf, Tessin und Bern, also aus Kantonen mit einem starken Finanzdienstleistungssektor beziehungsweise im Fall von Bern mit konzentrierten regionalen oder nationalen Compliance-Fachbereichen. So kamen knapp 86 Prozent der eingegangenen Verdachtsmeldungen von Finanzintermediären, die in diesen vier Kantonen domiziliert waren.

In 15 Fällen Verdacht auf Terrorismusfinanzierung

Im Berichtsjahr wurden 15 Meldungen wegen Verdachts auf Terrorismusfinanzierung eingereicht, fünf mehr als im Vorjahr. Darunter waren jedoch nur drei Einzelfallmeldungen, während die anderen zwölf sich als zwei Fallkomplexe von je sechs Meldungen mit demselben Sachverhalt befassten.

Ein einziger Fallkomplex machte 7,45 Millionen Franken und damit den Löwenanteil von 99,75 Prozent aus. Die übrigen Fälle umfassten gar keine Vermögenswerte oder nur einige Hundert oder Tausend Franken. Keine der Meldungen betraf Personen, die auf einer Liste im Zusammenhang mit der Embargogesetzgebung standen. Vielmehr waren Medienbericht oder Informationen Dritter Auslöser der Meldungen.

14 Fälle wurden einer Strafverfolgungsbehörde weitergeleitet. Bei einer Meldung erging ein Nichteintretensentscheid, weil sich der Anfangsverdacht nicht erhärtete. In den übrigen 13 Fällen wurde jeweils ein Verfahren wegen Geldwäscherei, Zugehörigkeit zu einer kriminellen Organisation oder anderen Delikten eröffnet, wovon eines sistiert wurde.

2012 sind den zuständigen Strafverfolgungsbehörden 85,5 Prozent der Fälle weitergeleitet worden gegenüber 90,5 Prozent im Vorjahr. Dieser hohe Wert zeugt nach Einschätzung der MROS von der weiterhin guten Qualität der aus dem Finanzplatz stammenden Verdachtsmeldungen.

42 Prozent der Fälle noch pendent

Knapp 42 Prozent der seit dem Jahr 2003 an die Strafverfolgungsbehörden des Bundes oder der Kantone weitergeleiteten Verdachtsmeldungen sind laut der MROS nach wie vor in Bearbeitung. Dies wird unter anderem darauf zurückgeführt, dass internationale Ermittlungen oft langwierig und erschwert sind.

Insgesamt sind seit Anfang 2003 8251 Verdachtsmeldungen an Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet worden. 58 Prozent oder 4823 Meldungen haben bis Ende 2012 zu einer Entscheidung geführt.

(bg/sda)

Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Rund 84 Prozent der eingegangenen Meldungen kamen aus Zürich, Genf, Bern und dem Tessin.
Bern - Der Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) sind im Jahr 2013 fast drei Milliarden Franken verdächtige Vermögenswerte gemeldet worden. Deutlich zugenommen haben als mutmassliche ... mehr lesen
Bern - In der Schweiz sind letztes Jahr viel mehr Fälle mutmasslicher Geldwäscherei gemeldet worden als im Vorjahr. Die Verdachtsfälle stiegen um 40 Prozent auf 1625. Ein grosser Teil der Zunahme steht im Zusammenhang mit dem arabischen Frühling. mehr lesen 
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Auf Social Media-Kanälen sind Schuldner nicht mehr vor Inkassobüros sicher.
Auf Social Media-Kanälen sind Schuldner nicht mehr ...
Social Media Schuldeintreiber in der USA dürfen seit kurzem auch säumige Schuldner per Social Media kontaktieren. Ein entsprechendes Gesetz des Consumer Financial Protection Bureau ist diese Woche in Kraft getreten. Betroffen sind Millionen US-Bürger, einer Umfrage zufolge sollen im Jahre 2017 über 70 Mio. US-Amerikaner von Inkassobüros kontaktiert worden sein. mehr lesen  
US-Regisseur Quentin Tarantino streitet sich derzeit mit Miramax, der Produktionsfirma seines Erfolgsfilms «Pulp Fiction», um Vermarktungsrechte ... mehr lesen  
Quentin Tarantino als Kopie, Madame Tussauds, Wien.
CBD-Konsum wirkt sich nicht auf die Fahrtüchtigkeit aus.
Versicherungen CBD-Produkte haben in den vergangenen Jahren die Erfolgsleiter kennengelernt. Sie sind nicht nur in Deutschland immer beliebter ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich 4°C 9°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer wolkig, wenig Schnee
Basel 6°C 10°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen Schneeregenschauer
St. Gallen 3°C 8°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer wolkig, wenig Schnee
Bern 1°C 8°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer wechselnd bewölkt
Luzern 2°C 9°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Schneeregenschauer wolkig, wenig Schnee
Genf 3°C 8°C anhaltender Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wolkig, aber kaum Regen wolkig, wenig Schnee
Lugano 2°C 7°C wechselnd bewölktleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten