Drei Schweizer MedaillentrümpfeMit Olivia Nobs, Mellie Francon und Tanja Frieden starten heute alle drei Schweizer Frauen mit berechtigten Hoffnungen auf einen Podestplatz ins olympische Snowboardcrossrennen von Bardonecchia.
(Stefan Baumgartner, Bardonecchia/Si)
«Wir sind in der glücklichen Lage, über fünf Medaillenhoffnungen zu verfügen», frohlockte Snowboard-Leistungssportchef Franco Giovanoli vor den beiden SBX-Wettkämpfen. In eine Favoritenrolle wollte sich aber keine Schweizerin drängen lassen.
«Je näher es ans Rennen geht, desto höher wird der Spassfaktor», umschrieb Draufgängerin Mellie Francon ihre Einstellung passend, um dann doch noch eine (bescheidene) Zielsetzung zu nennen. «Das Überstehen der Qualifikation wäre schön. Alles, was folgen würde, wäre Zugabe.»
Erwartungen steigen
Der Blick auf die bisherigen Saisonresultate der Neuenburger Lebefrau und ihre ausgezeichnet verlaufenen Trainingsfahrten steigern allerdings die Erwartungen. Neben der nicht selektionierten Sandra Frei, die im letzten Rennen vor Olympia in Kronplatz gewonnen hatte, realisierte Francon in Bad Gastein (Ö) den einzigen Schweizer Frauensieg der Saison; sie nimmt im Weltcup-Klassement Rang 6 ein. Besser platziert ist aus dem eigenen Team nur ihre gleichaltrige und langjährige Weggefährtin Olivia Nobs (24).
Die ebenfalls aus La Chaux-de-Fonds stammende Nobs meisterte die Schweizer Selektionshürden für Turin als erste Snowboardcross-Fahrerin und belegte in Whistler und Bad Gastein zweimal Rang 2. In ihrer ersten Saison seit Jahren, in der sie von schweren Verletzungen verschont blieb, fand sie wieder zu Selbstvertrauen und Motivation.
Mentalse Training als Hilfe
Zusätzlich nahm Nobs in Biel mentales Training in Anspruch, was die lange Zeit zerbrechlich wirkende Athletin weiter nach vorne brachte. Deshalb erstaunt ihre Aussage auch nicht, dass «das Rennen praktisch ausschliesslich im Kopf entschieden wird», auch wenn sie aufgrund der ungewöhnlich langen Strecke mit Krafttraining in der Olympiavorbereitung einen zweiten Schwerpunkt setzte.
Dritter Trumpf in Harald Benselins Team ist die routinierte Tanja Frieden. Die 30-jährige Berner Oberländerin war bislang die Konstanz in Person, zumal sie in allen acht Weltcup-Rennen der Saison stets die Qualifikation überstanden hat. Wie kaum eine andere Fahrerin war Frieden aber vom Pech geradezu verfolgt.
Mal war es eine Gegnerin, die der schweizerisch-norwegischen Doppelbürgerin einen ungewollten Abgang bereitete, mal zwangen sie Materialschäden oder Krankheiten zur Improvisation. Aus der Ruhe bringen liess sich die eloquente Lehrerin aber nie. «Wer weiss, vielleicht wandelt sich das ganze Pech genau bei Olympia in Glück um... Mein Ziel ist jedenfalls immer der Sieg, egal ob es um WM-Titel, Weltcup oder Olympia geht.»
Rubys Derniere
Derweil die Schweizer Frauen die Favoritenrolle bewusst anderen Fahrerinnen wie den Kanadierinnen Dominique Maltais und Maëlle Ricker oder der jungen Amerikanerin Lindsey Jacobellis zuschoben, geht es für andere Spitzenfahrerinnen in Bardonecchia letztmals um den Gewinn von Edelmetall.
Karine Ruby, die 28-jährige «Grande Dame» des Snowboard-Sports, wird ihre grossartige Karriere mit dem ersten olympischen Snowboardcrossrennen beschliessen. Seit 1994 erreichte die aus Chamonix stammende Französin sagenhafte 122 Weltcup-Podestplätze, davon 68 Siege in verschiedenen Disziplinen (ausser im Freestyle), war 1998 erste Alpin-Olympiasiegerin und holte vor vier Jahren Bronze.
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