«Drei Viertel der Ski-Träume sind erfüllt»
publiziert: Montag, 13. Feb 2006 / 00:15 Uhr / aktualisiert: Montag, 13. Feb 2006 / 06:57 Uhr

«Wochenhochs», wie er sie nennt, prägten bisher Bruno Kernens Karriere. Immer wenn ihm ein Exploit gelang, doppelte er in der Regel kurz darauf nach.

« Ich bin einfach glücklich, dass ich diese Medaille habe.»
« Ich bin einfach glücklich, dass ich diese Medaille habe.»
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Das war in Veysonnaz so mit seinem Abfahrtsdoppelsieg 1996 innerhalb von 25 Stunden, bei seinem doppelten Medaillengewinn an der WM 1997 nichts anders. Und auch am Lauberhorn 2003 wurde er Erster und Dritter binnen zwei Tagen.

Ist die Bronzemedaille in der Abfahrt nur der Anfang eines neuen Kernen-Hochs? Aus Sestriere reisen Sie ja in der Regel nicht nur mit einer Medaille ab.

Bruno Kernen: Ich hätte kein Problem, wenn noch eine zweite Medaille dazu käme. Ich kann auf jeden Fall mit einem Felsbrocken weniger, der jetzt von meinem Herzen gestürzt ist, den Rest der Olympischen Spiele in Angriff nehmen. Jetzt gehen wir vorerst für zwei Tage nach Veysonnaz, kommen am Mittwoch oder Donnerstag zurück und bestreiten am Samstag den Super-G. In dieser Disziplin war ich x-mal nahe am Podest. Aufgrund meiner Wochenhochs, wie ich sie nenne, rechne ich mir auch im Super-G etwas aus.

Mit dieser Medaille ist ein weiterer sportlicher Traum in Erfüllung gegangen.

Kernen: Ich wünschte mir einst eine WM-Medaille, einen Lauberhorn-Sieg, einen Hahnenkamm-Sieg und eine Olympia-Medaille. Der Hahnenkamm-Sieg fehlt noch, aber drei Viertel meiner Ziele habe ich erreicht.

Wie erlebten Sie die Zeit vor dem Rennen?

Kernen: Ich war sehr nervös. Am Tag vor dem Rennen lag ich eine Stunde im Bett, hörte keine Musik, las nichts und liess mir mal alles durch den Kopf gehen. Da merkte ich plötzlich, wie angespannt ich wurde. Deshalb verliesss ich das Zimmer, ging hinaus und versuchte abzuschalten. Und als ich am Sonntagmorgen aufwachte, merkte ich, dass ich immer noch nervös war. Doch innerlich fühlte ich mich ruhig. Das ist der schmale Grat an einer Olympiade. Man gibt alles und will alles speziell gut machen. Da besteht die Gefahr der Übermotivation. Deshalb passierte mir im obersten Abschnitt beim ersten Sprung ein Fehler, wie er mir sonst selten unterläuft. Danach entschloss ich mich zu totalem Risiko.

Und dann kam noch eine halbe Stunde nervenaufreibendes Warten am Ziel.

Kernen: Ich bin fast drauf gegangen. Das Warten war unglaublich. Ich habe mir schon ein Szenario ausgemalt, dass ich wieder Vierter oder Fünfter werde -- wie in Bormio. Was ich mich gedacht habe, brauche ich jetzt ja nicht mehr zu sagen. Ich bin einfach glücklich, dass ich diese Medaille habe, auch wenn mir die goldene selbstverständlich lieber gewesen wäre. Aber ich bin mit dieser sehr zufrieden.

Silber oder Bronze machen ja keinen grossen Unterschied aus?

Kernen: Ich habe mal eine psychologische Studie gelesen, dass eine Bronzemedaille mehr wert ist als eine silberne. Der Silbermedaillengewinner sei der erste Verlierer. Der Bronzemedaillengewinner dagegen sei froh, dass es noch zu einer Medaille gereicht habe.

Nach drei WM-Auszeichnungen glückte Ihnen endlich der überfällige Medaillengewinn an Olympischen Spielen.

Kernen: Seit meiner letzten WM-Medaille ist viel Wasser die Aare runtergeflossen, und es ist auch viel passiert mit mir als Mensch. Und in der Zwischenzeit haben wir Skifahrer die eine oder andere Tracht Prügel gekriegt, manchmal zu Recht. Wenn es keine Podestplätze, Siege und Medaillen gibt, dann fehlt halt etwas. Ich sagte vor den Spielen: Ich hoffe, dass es in der Abfahrt eine Medaille gibt, am liebsten durch mich. Eine solche Medaille kann den Druck wegnehmen, und so hoffe ich, dass ich meinen Kolleginnen und Kollegen Team helfen konnte.

Vor einem Jahr dachten Sie ans Aufhören. Herrscht jetzt Open-end-Stimmung?

Kernen: Nein, doch schon vor Beginn dieser Saison sagte ich, dass ich mit 99-prozentiger Sicherheit bis 2007 weiterfahren werde. Dann schaue ich von Jahr zu Jahr weiter.

Im verletzten Knie spüren Sie keine Schmerzen mehr?

Kernen: Ohne Voltaren ging es nicht. Dass ist jetzt der vierte Tage in Folge, an dem ich Ski fuhr. Das spürte das Knie auch. Deshalb freue ich mich auf den Ruhetag am Montag.

(Interview: Richard Hegglin, Sestriere/Si)

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