Drittes Spiel der Challenge-League unter Verdacht
publiziert: Montag, 23. Nov 2009 / 22:00 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 24. Nov 2009 / 07:42 Uhr

Der Wettskandal in Europa weitet sich auch in der Schweiz immer weiter aus. Nach dem FC Thun (Pape Omar Faye) hat am Wochenende auch der FC Gossau mit Mario Bigoni einen Spieler suspendiert.

16 Meldungen im Zusammenhang
Thun und Gossau stehen aus Schweizer Sicht weiterhin im Zentrum der Betrügereien. Wie die Thuner am Montag mitteilten, soll auch das Direktduell zwischen den beiden Klubs am 17. April 2009 (4:3 für Gossau) Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen sein. Damit erhöhte sich die Anzahl der bekannten Partien auf drei: nebst Gossau - Thun die Partien Yverdon - Thun (26. April/5:1) und Gossau - Locarno (24. Mai/0:4).

Gemäss dem «Blick» hat Gossaus Mittelfeldspieler Mario Bigoni (25) seinem Präsidenten Unregelmässigkeiten gestanden. Bigoni sei bereits von der Polizei einvernommen worden, sagte Gossau-Präsident Roland Gnägi. Beim Spiel gegen Locarno sei nicht alles sauber gewesen. «Einer seiner Mitspieler habe ihn angegangen mit den Worten: 'Du, da ist Geld zu verdienen'», wird Gnägi im Blick zitiert. «Bigoni sagte mir aber nicht, ob er auf das Angebot eingegangen sei.» Insgesamt seien von der Wettmafia für diese Resultatmanipulation 31'000 Franken an Gossau-Spieler bezahlt worden.

Damjanovic als Komplize?

Beim Mitspieler, den Bigoni ansprach, soll es sich offenbar um den letztjährigen Gossauer Goalie Darko Damjanovic handeln. Der Serbe hatte in den letzten sechs Spielen der vergangenen Saison 22 Tore einkassieren müssen. Inzwischen hat er den Verein - wie 13 andere Spieler - verlassen und ist diese Saison für den FC Linth 04 in der 2. Liga interregional aktiv. Damjanovic sei von der Polizei am Freitagmorgen an seinem Wohnort aufgesucht, dort aber nicht angetroffen worden, weiss der Blick. Möglicherweise habe er sich in seine Heimat abgesetzt.

Die Gossauer wären am Ende der letzten Saison eigentlich in die 1. Liga abgestiegen. Weil aber Concordia Basel und La Chaux-de-Fonds keine neue Lizenz erhalten hatten, verblieben die Ostschweizer in der Challenge League, wo sie momentan erneut am Tabellenende liegen.

Drei Trainerwechsel in Gossau

Angesichts der misslichen sportlichen Lage hatten die Gossauer im Frühling gleich dreimal den Trainer gewechselt. Für den zurückgetretenen Erfolgscoach Vlado Nogic folgte Ende März der frühere FCZ-Coach Hans Kodric. Dieser blieb jedoch nur einen Monat im Amt, ehe er seinen Platz für Co-Trainer Miro Caktas und Teammanager Werner Zünd räumen musste. Mitte Mai dann wurde das Interims-Duo durch Alex Kern ersetzt, der das Team auch jetzt noch trainiert. Kern zeigte sich nun im Blick bestürzt: «Wir haben letzte Saison oft hoch verloren. Aber Gedanken, dass etwas geschoben sein könnte, sind mir nie gekommen.»

Ebenfalls am Sonntag hatte der FC Thun seinen Stürmer Pape Omar Faye für das Cupspiel in Winterthur suspendiert. Diese Sperre wird nun -- gemäss dem FC Thun «um den Spieler zu schützen» -- auch für die restlichen drei Partien dieses Jahres gegen Wohlen, Gossau und Kriens (Cup) aufrecht erhalten. Am Mittwoch werden die Berner Oberländer jedem Kaderspieler eine schriftliche Erklärung aushändigen, mit deren Unterzeichnung die Spieler eine Beteiligung an den illegalen Wettmachenschaften verneinen können. Die Thuner bildeten zudem einen internen Ausschuss mit Präsident Markus Stähli, Verwaltungsrats-Mitglied Markus Walther und Sportchef Andres Gerber. Das Trio will sich intensiv mit den Vorkommnissen beschäftigen.

Faye auch in Sexskandal verwickelt

Als erstes befragte der Ausschuss am Montag Pape Omar Faye. Der 22-jährige Senegalese war am Freitag von der Polizei als Zeuge befragt worden und gab nun bekannt, dass er von der Polizei zu den zwei Partien Gossau - Thun und Yverdon - Thun befragt worden sei. Der erfolgreichste Thuner Torschütze in dieser Saison, der vor zwei Jahren auch in die Sex-Affäre beim FC Thun involviert gewesen war, erzählte offenbar weitere Details. Diese wollen die Thuner gemäss dem Communiqué der Öffentlichkeit mit Rücksicht auf das laufende Verfahren und gestützt auf den gesetzlichen Schutz des Spielers (noch) nicht bekannt geben. Der ermittelnden Bundesanwaltschaft und dem Schweizerischen Fussballverband (SFV) sollen die Informationen aber zur Verfügung gestellt werden.

Der SFV und die Swiss Football League (SFL) werden in diesen Tagen durch die Bundesanwaltschaft mit weiteren Informationen beliefert. Für Mittwoch sind die Verbandsverantwortlichen zudem durch die UEFA zu einem Krisentreffen nach Nyon geladen. Für SFL-Präsident Thomas Grimm kommen nur drakonische Strafen in Betracht, wie er der «Neuen Zürcher Zeitung» sagte. Er gehe davon aus, dass die SFL nicht auf die Urteile von öffentlichrechtlichen Verfahren warten werde.

Noch weitere Überraschungen erwartet

Grimm habe vor zwei, drei Monaten erste Signale erhalten, dass der europäische Fussball und auch die Challenge League von einem riesigen Wettskandal betroffen sei. Bereits im Frühling hat Sion-Präsident Christian Constantin von Ermittlungen erfahren. Als es konkret wurde, hätte er Grimm und die Präsidenten der anderen Vereine vor einem Monat darüber in Kenntnis gesetzt. «Soviel ich weiss, wird es noch einige Überraschungen geben», berichtet Constantin gegenüber dem «Tages Anzeiger», «angeblich sind Spieler, Trainer und auch Schiedsrichter involviert.»

Sion soll wie Neuchâtel Xamax im Zusammenhang mit Testspielen gegen den bosnischen Verein NK Travnik involviert sein. Die «Süddeutsche Zeitung» enthüllte, dass die Wettmafia womöglich zwei von ihr angeheuerte Spieler als Gastkicker bei Travnik installiert haben. Dies habe dazu geführt, dass der Verein die Testspiele gegen Sion (1:4) und Xamax (2:3) absichtlich verloren habe. Dabei habe die von Deutschland aus operierende Bande Wettgewinne von über 150'000 Euro erzielt.

(fest/Si)

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