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Drogenkasko
publiziert: Donnerstag, 8. Nov 2007 / 12:30 Uhr

1 Meldung im Zusammenhang
In letzter Zeit ist immer wieder die Rede davon, die Drogenpolitik der effektiven Gefährlichkeit von Suchtmitteln anzupassen. In einem Ranking der Universität Bristol, in das verschiedenste Faktoren wie lang- und kurzfristige körperliche sowie seelische Folgen, der psychische und physische Suchteffekt sowie die sozialen Schäden, welche von den Substanzen verursacht werden, berücksichtigt wurden, kamen die Experten zu teils erwarteten, teils auch überraschenden Ergebnissen.

Dass nach Heroin, Koks, Barbituraten und Methadon als fünft-gefährlichste Droge schon Alkohol kommt, stimmt nachdenklich. Auch dass Tabak auf Rang neun rangiert und an jedem Kiosk gekauft werden kann, während Cannabis und LSD erst in der zweiten Hälfte der Top-20 vorkommen und trotzdem als strafbare Substanzen gelten, zeigt, wie absurd die Drogengesetzgebung gegenwärtig noch ist und wie wenig diese zum Teil auf der Realität sondern subjektiven Eindrücken beruht.

Es wird darum auch gefordert, dass Drogen wie Cannabis, LSD oder Ecstasy frei gehandelt und an Volljährige abgegeben werden dürfen, also ähnliche Abgabenormen wie derzeit für Alkohol gelten sollten. Natürlich werden bei diesem Thema wieder die Emotionen hoch gehen und Sachargumente sehr wenig zählen: Das Diskussionsniveau in rauchverhangenen Gaststuben an gut geölten Stammtischen ist in dieser Hinsicht ja sattsam bekannt.

Betrachtet man Drogen und das ganze problematische Umfeld ohne grosse Gefühlsregungen, findet man schnell heraus, dass Suchtmittel zur Menschheitsgeschichte gehören und sogar Tiere sich gerne berauschen. Ebenso wird klar, dass manche Menschen besser mit Drogen umzugehen vermögen als andere, die Suchtgefährdung individuell verschieden ist. Verbote bringen wenig bis gar nichts: Die Alkohol-Prohibition in den USA der 1920er Jahre schaffte es lediglich, die Mafia gross zu machen, Schmuggelbanden zu etablieren und den Alkoholkonsum im Endeffekt sogar zu vergrössern.

Für den Staat sind legale Drogen sehr reizvoll, sind dies doch Substanzen (fast wie Benzin), die man beinahe beliebig besteuern kann und die trotzdem konsumiert werden. Doch diese Einnahmen kommen mit einer moralischen und möglichen finanziellen Bürde: denn es stellt jede Droge ein Risiko für den Anwender dar: Für seine Gesundheit in psychischer und physischer Hinsicht, für seine Finanzen – sollte er süchtig werden – und für die Gesellschaft, wenn er zum Pflegefall verkommen sollte.

Und genau diese Risiken werden bei einer möglichen Legalisierungsdebatte – neben Druck aus dem Ausland, es sein zu lassen – ein grosser Kontrapunkt sein, ein Argument gegen legale Drogen für mündige Bürger.

Es ist in der Schweiz üblich, dass alle möglichen und unmöglichen Risiken versichert werden, zum Teil sogar versichert werden müssen. Ob nun jemand Bungee-Jumping veranstaltet, ein Auto fährt, ein Haus besitzt oder einfach einer Erwerbsarbeit nachgeht: Er muss versichert sein. Es wäre nun vermutlich nicht allzu schwer, die Risiken, welche mit den einzelnen Drogen zusammenhängen, zu gewichten und mit einer Summe zu belegen.

Diese Risikoprämie würde auf die verschiedenen Drogen – egal ob Alkohol, Tabak, Cannabis oder LSD – aufgeschlagen. Mit jeder Stange die jemand tränke, jedem Joint der geraucht würde, jeder Zigarette und jedem Trip würde so das Risiko, dass daraus der Gesellschaft entsteht, abgedeckt. Suchtkliniken und Entzugsstationen würden damit ebenso finanziert wie Polizeieinsätze gegen alkoholisierte Vandalen. Vor allem würden so die Kosten, welche durch einzelne Substanzen der Gesellschaft entstehen, endlich mit einem Preisschild versehen.

Natürlich werden nun viele Leute – sogar zu recht – sagen, dass sie trotz Alkohol- oder Cannabiskonsum noch nie irgendwelche Schäden angerichtet oder selbst suchtkrank geworden sind. Doch dies ist mal so bei Versicherungen: Das Risiko besteht und es ist nicht einzusehen, warum nicht jene, die es auf sich nehmen, auch die Folgen tragen sollten.

Eine Drogenkasko wäre heute schon angebracht – eine allfällige Legalisierung von weiteren Suchtmitteln würde endlich die Gelegenheit dazu bringen, diese auch einzuführen.

(von Patrik Etschmayer /news.ch)

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