Duell ohne Sieger?
publiziert: Freitag, 1. Okt 2004 / 11:17 Uhr

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Treffender wäre vielleicht: Duell, dessen Sieger noch nicht feststeht. Nach John Kerrys und George W. Bushs erstem direkten Fernsehduell lässt sich noch nicht so genau sagen, wer denn nun gewonnen hat. Keiner machte offensichtlich katastrophale Fehler oder auch nur schwere Schnitzer. So wird der Sieger eben erst später – in den Meinungsumfragen – erkürt.

Bereits am Freitag werden Meinungsforscher ausschwärmen und im ganzen Land Bürger dazu befragen, wen sie im ersten TV-Duell als überlegenen Kämpfer gesehen haben und in spätestens drei Tagen sollten die Resultate drin sein. Eine solche Bewertung des Duells scheint auch logisch zu sein, geht es doch bei einer solchen Begegnung darum, die Gunst des Wählers zu ergattern.

Mit den Fakten gingen beide Debattierer ziemlich locker um. Kerry blies die Kosten des Krieges um 80 Milliarden Dollar auf. Bush tat so, als hätte er drei Viertel der El Kaida Führung bereits ausgeschaltet. Kerry behauptete, Bin Laden sei in Tora Bora entkommen, weil die USA nicht entschieden genug gehandelt hätten. Bislang steht nicht mal feststeht, ob Bin Laden überhaupt dort war. Bush wiederum sagte, Kerry würde innert eines halben Jahres alle US-Truppen aus dem Irak abziehen, wo dieser lediglich den Plan bekannt gegeben hatte, innerhalb von sechs Monaten nach dem Amtsantritt mit dem Abzug zu beginnen.

Es ist nun interessant, zu sehen, wie diese Faktenverdreherei angekommen ist. Doch vermutlich wird, wie üblich bei Fernsehdebatten, weniger der Inhalt als die Präsentation die Hauptrolle spielen. Auch hier gehen die Meinungen auseinander. Manche bewerten Kerrys kühlen aber souveränen Auftritt gegenüber Bushs anbiederndem Verhalten überlegen. Andere finden wiederum, dass Bush die Verbindung zum Zuschauer gesucht und gefunden habe – ganz im Gegensatz zum aristokratisch wirkenden Kerry.

Doch Kerry hat vermieden, der von den Republikanern propagierten Karikatur zu entsprechen. Er antwortete klar, kurz und ohne sich irgendwo hinaus zu winden. Er überzog nie seine Zeit und langweilte nicht. Bush hingegen war nicht ganz so sicher wie auch schon – vielleicht überraschte ihn, dass Kerry sich nicht selbst fertig machte. Stattdessen scheint der auf Bushs Argument, mit Festigkeit auf einer Position zu beruhen einen guten Konter gefunden: "Es ist eine Sache, sicher zu sein. Es ist eine andere Sache, sicher zu sein und falsch zu liegen."

Erste Umfragen deuten darauf hin, dass Kerry eher als Bush von dieser Debatte profitiert hat. Bei einer Differenz von zwei bis acht Punkten in den Umfragen und einem unentschiedenen Wählerpotential zwischen 20 und 35% könnte dies ein wichtiger Moment gewesen sein, Kerry zurück ins Rennen zu bringen.

Die Wahl ist also noch nicht entschieden. Sollte sich der erste Trend bestätigen, kann es für Bush nochmals eng werden. Besonders wenn Kerry bei der Innenpolitik-Debatte auch punkten kann.

(von Patrik Etschmayer/news.ch mit Agenturen)

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