Durchschnittliche Schweizer Bilanz in Athen
publiziert: Freitag, 25. Jul 2008 / 09:24 Uhr / aktualisiert: Freitag, 25. Jul 2008 / 10:07 Uhr

Die Schweizer Bilanz an den Olympischen Sommerspielen in Athen löste hierzulande nach der Medaillenflut von Sydney keine grosse Euphorie aus. Mit fünf Medaillen, davon einer goldenen durch den Degenfechter Marcel Fischer, war aber das Abschneiden gewiss nicht ganz schlecht.

In den Tagen der Rückkehr an die Olympia-Geburtsstätte wurde aus Schweizer Sicht alles von Marcel Fischers Goldmedaille überstrahlt. Der damals gerade 26 Jahre alt gewordene Bieler Degenfechter sprang just am Tag, an dem die hauptsächliche Schweizer Goldhoffnung Roger Federer überraschend früh ausschied, in die Bresche.

Fischer wurde in überzeugender Manier als erster Schweizer Fechter überhaupt Olympiasieger. Nach Pflichterfolgen in den ersten drei Gefechten erreichte er in den wichtigsten Duellen die Hochform. Dem Franzosen Eric Boisse und dem Chinesen Wang Lei liess er im Halbfinal und im Final (jeweils 15:9) keine Chance. «Ich kann gar nicht fassen, was geschehen ist», stammelte der Blondschopf.

«Moderne» Disziplinen

Im Übrigen zeigte sich die Stärke der Schweizer einmal mehr in «neuen» Sportarten; die weiteren Medaillen resultierten allesamt aus «modernen» Disziplinen, die erst seit kurzer Zeit im Olympia-Programm figurierten. Beachvolleyball (Bronze für Patrick Heuscher/Stefan Kobel) und das Strassen-Zeitfahren der Frauen (Bronze für Karin Thürig) sind seit 1996 olympisch, Madison (Silber für Bruno Risi/Franco Marvulli) und Triathlon (Bronze für Sven Riederer) sogar erst seit 2000.

Fünf Medaillen waren kein schlechter Wert, denn seit 1956 waren die Schweizer nur viermal mit mehr Auszeichnungen heimgekehrt. In Athen fehlte nur wenig zu mehr Medaillen (13 Diplomplätze). Haarscharf daran vorbei schlitterten der Greco-Ringer Reto Bucher und die Starboot-Segler Flavio Marazzi/Enrico De Maria als jeweilige Vierte.

Sydney 2000: Medaillen wie fast 50 Jahre lang nicht mehr

Das Jahr 2000 ging als eines der erfolgreichsten Schweizer Sportjahre in die Geschichte ein. Die Olympischen Spiele in Sydney brachten neun Medaillen in sechs Sportarten ein - so viele wie nie mehr seit 1952 in Helsinki.

Die erste Auszeichnung durch die fünf Jahre später mit EPO-Doping erwischte Triathletin Brigitte McMahon blieb zwar die einzige goldene, aber dazu gabs gleich sechs silberne und zwei bronzene. Im Medaillenspiegel figurierte die Schweiz auf Platz 36 unter 200 Nationen.

McMahons Sturmlauf

Erfolgreich waren die Schweizer auch damals in jungen olympischen Disziplinen: Brigitte McMahon und Magali Messmer holten bei der Triathlon-Premiere Gold und Bronze. Die Sparten Mountainbike (2. Platz für Barbara Blatter und 3. Christoph Sauser) sowie Degenfechten der Frauen (mit Gianna Hablützel, Diana Romagnoli und Sophie Lamon) gehören ebenfalls erst seit 1996 zum olympischen Programm.

Einige Medaillen besassen historische Dimensionen. Die silberne Auszeichnung von Michel Ansermet war die erste im Schiessen seit 1984, jene der Reiter im Nationenpreis die erste seit 1924. Und mit Xeno Müller holte erstmals seit den Kunstturnern im Jahre 1952 wieder ein Schweizer an zwei aufeinanderfolgenden Olympischen Spielen eine Medaille in einer athletischen Disziplin.

Brigitte McMahons Sturmlauf am ersten Olympiatag überstrahlte 2000 alles. Den 100'000 «Aussies» in der Innenstadt und am Hafen stockte der Atem, als um «high noon» die Lokalmatadorin und Favoritin Michellie Jones Seite an Seite mit der Aussenseiterin McMahon auf die Zielgerade einbog. Die 33-jährige Biochemikerin aus Baar konnte nach zwei Stunden Laufzeit noch zulegen, wogegen Jones keine Reserven mehr besass.

Quäntchen Glück fehlte

Zu mehr Olympia-Gold fehlte den Schweizern in Sydney oft nur ein Quäntchen Glück. Gianna Bürki führte im Degen-Final gegen die Ungarin Timea Nagy nach drei Minuten 6:3, am Schluss hiess es aber 11:15. Wie Bürki im Einzelfinal stand auch das Team mit Bürki, Sophie Lamon und Diana Romagnoli der Goldmedaille näher als es das klare Finalergebnis von 35:45 gegen Russland vermuten liess.

Im Skiff-Final musste sich Xeno Müller, der Olympiasieger von Atlanta, dem favorisierten Neuseeländer Bob Waddell geschlagen geben. Müller hatte auf der nach drei Vierteln der 2000-m-Strecke noch geführt. Auch Barbara Blatter befand sich mit dem Mountainbike auf Goldkurs, ehe sie sich von der Italienerin Paola Pezzo überholen lassen musste.

Der Alpnacher Michel Ansermet, der dank einer Wildcard in Sydney zugegen war, führte das Feld bei Halbzeit der Qualifikation an. Von den Schweizer Silbermedaillengewinnern lag lediglich die Springreiter-Equipe, die von Deutschland auf Platz 2 verwiesen wurde, nie in Führung.

Auch Atlanta 1996 ein Höhepunkt

Die Spiele des Jahres 1996 in der US-Drehscheibe Atlanta waren mit vier Gold- und drei Silbermedaillen ebenfalls zu einem Höhepunkt für den Schweizer Sport geraten. Im Medaillenspiegel der «Centennial Games» nahm die Schweiz den gloriosen 18. Rang unter 197 Nationen ein.

Xeno Müller eröffnete am Ende der ersten Wettkampfwoche den Medaillensegen. Der damals schon in Kalifornien lebende Zürcher siegte im Skiff überlegen vor dem Favoriten Derek Porter aus Kanada und dem Deutschen Thomas Lange. Der Weltbürger Müller freute sich: «Ich habe unsere Nationalhymne zum ersten Mal in voller Länge gehört. Sie ist sehr schön.»

Nur 24 Stunden später doppelten die Brüder Markus und Michael Gier auf dem Lake Lanier nach. Die beiden Rorschacher siegten im Leichtgewichts-Doppelzweier unangefochten mit drei Sekunden Vorsprung vor den Holländern Van der Linden/Ardewijn.

Li nach 44 Jahren erfolgreich

Am Abend des gleichen Tags sorgte der Kunstturner Donghua Li mit dem Sieg am Pferdpauschen für ein wahrlich goldenes Wochenende für die Schweiz. Alle sechs Kampfrichter gaben dem aus China stammenden Innerschweizer die höchste Note. Li war der erste Schweizer Turn-Olympiasieger seit 44 Jahren.

Der vierte Goldmedaillen-Gewinner war der Westschweizer Pascal Richard. Er entschied das olympische Strassenrennen, in dem sich erstmals die weltbesten Profis versammelt hatten, für sich. In einem mitreissenden Dreierspurt siegte Richard vor Rolf Sörensen (Dä) sowie Maximilian Sciandri (Gb) und wurde als erster Schweizer überhaupt Olympiasieger in dieser Disziplin.

Silber gewannen Thomas Frischknecht im Mountainbike-Rennen der Männer, das überraschende Kanuteam mit Ingrid Haralamov, Daniela Baumer, Sabine Eichenberger und Gaby Müller im Kajak sowie der Springreiter Willi Melliger mit Calvaro am Schlusstag.

(Peter A. Frei und Marco Keller/Si)

 
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