ETH-Studis geben Vollgas – bald auch im Rennwagen
publiziert: Montag, 14. Mai 2007 / 16:00 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 17. Mai 2007 / 14:12 Uhr

Die Zukunft des Schweizer Formel 1 studiert an der ETH. 17 Maschinenbaustudenten fertigen derzeit einen Boliden, der im Sommer an der internationalen Formula Student in Deutschland eingesetzt wird. Das Ziel der jungen Schumis: Best Newcomer!

Dass Michael Schumacher seit einigen Jahren in der Schweiz lebt, scheint sich auszuwirken – und zwar weit mehr in sportlicher als in fiskalischer Hinsicht.

Der Vorschlag des Aargauer Nationalrats Ulrich Giezendanger von 2003, in der Schweiz Formel-1-Rennen wieder zuzulassen und im Rüebli-Kanton gleich eine ganze Formel-1 Piste aus dem Boden zu stampfen, erfuhr zwar wenig Gegenliebe.

Wenn die Boliden schon nicht gefahren werden dürfen, konzentriert man sich halt auf die Konstruktion der schnellen Flitzer – neuerdings auch in der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH in Zürich.

Studentisches Gemeinschaftsprodukt

Zusammen mit Kommilitonen der Hochschule St. Gallen, der Fachhochschule Luzern und der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich bauen 25 Studierende dieser Tage ein Rennauto. Zwar wird es kein waschechter Formel-1-Wagen, aber immerhin 100 Kilometer soll der Wagen in der Stunde zurücklegen können. Die Mühe nehmen die Studis natürlich nicht nur aus Spass auf sich – im Spätsommer muss sich das Team und ihr Bolide am Wettkampf der Student Formula Germany im deutschen Hockenheim-Ring behaupten.

Internationales Studi-Rennen

Die Anfänge des Rennens reichen ins Jahr 1981 und in die USA zurück, dort wird der Event Formula SAE genannt. Ein Vierteljahrhundert brauchte es, bis die Idee über den grossen Teich gelangte. Letztes Jahr fand im deutschen Hockenheim die erste europäische und reglementarisch gegenüber der US-amerikanischen leicht abgeänderte Version des Rennens statt. Die Formula Student Germany ist kein gewöhnliches Rennen, Geschwindigkeit ist nicht alles.

Prämiert wird die Gesamtleistung

Den Auftrag, den die Teams aus diversen europäischen Hochschulen im Rahmen des Wettkampfes erhalten, ist folgender: Es soll ein Rennauto gebaut werden mit guter Beschleunigung, Bremskraft und Steuerung. Die Zielgruppe ist der nicht-professionelle Wochenendrennfahrer. Der Bolide soll zudem einfach zu warten sein und deshalb möglichst aus handelsüblichen Serieteilen zusammengesetzt sein. Schlussendlich sollte der Wagen in der – natürlich fiktiven – Serienproduktion nicht mehr als 25 000 Dollar kosten. Bewertet werden schlussendlich alle diese Leistungen – das Team, das die beste Gesamtperformance von Fahrleistung, Konstruktion und Projektmanagement aufweist, wird zum Sieger gekürt.

Organisiert wie eine Firma

Zu diesem Zweck hat sich das 25-köpfige Formula-Team aus der Schweiz, das im Akademischen Motorsportvereins Zürich institutionalisiert ist, wie eine kleine Autofirma organisiert. Das Kernteam besteht aus 17 Maschinenbaustudenten im sechsten Semester. Sie haben sich in Unterabteilungen aufgeteilt, welche für den Motor, das Fahrwerk und das Chassis zuständig sind. Unterstützt werden sie dabei von drei Elektroingenieurstudenten von der Fachhochschule Luzern. Die Konstruktion des Design übernehmen fünf Industriedesign der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich. Künftige Betriebswissenschaftler der Hochschule St. Gallen sind für das Projektmanagement – Finanzen, Controlling, Sponsoring und Marketing zuständig. Ein Publizistikstudent, der für Public Relations zuständig ist, vervollständigt die interdisziplinäre Mannschaft.

Bleistift gegen Schraubenschlüssel

Die Teilnahme am Projekt verlangt zwar einen gewissen Idealismus – wenn es eng mit dem Zeitplan wird, muss auch mal eine Nacht durchgearbeitet werden. Durch die vielfältigen Kontakte, welche sich für die 25 Studierenden mit den vielen Firmen ergeben, die sich am Projekt mit Geldbeträgen, Know-How oder Material beteiligen, kann der eine oder andere bereits in der Privatwirtschaft Fuss fassen. Auf jeden Fall bietet sich für die Studis mit der Teilnahme an der Formula die Gelegenheit, das bisher Gelernte in die Praxis einfliessen zu lassen, den Bleistift gegen den Schraubenschlüssel zu tauschen.

Ehrgeizige Zielsetzung

Inzwischen wird in den Räumlichkeiten in der ETH noch fleissig getüftelt, geschraubt – und bisweilen auch mal geflucht. Der Terminplan sitzt den Studierenden, welche neben dem Projekt natürlich ihr Studium weiterführen müssen, im Nacken. Der Bolide – getauft wird er auf den Namen Albula - sollte gemäss Businessplan Ende Mai fertig gestellt werden, damit sich die Fahrer seriös auf den Wettkampf, der vom 8.-12. August stattfindet, vorbereiten können. Da Ziel ist klar: «Wir wollen an der diesjährigen Formula Student in der Kategorie Best Newcomer abräumen», sagt Kevon Sartori Projektleiter und Maschinenbaustudent an der ETH. «Im Jahr 2009 wollen wir dann mit den besten Teams um den ersten Platz fahren!»

(von Joel Bedetti/)

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