EU bestraft Microsoft mit 497 Millionen Euro
publiziert: Mittwoch, 24. Mrz 2004 / 17:39 Uhr

Brüssel - Teurer Tag für Bill Gates: Die EU-Kommission bestraft den Microsoft-Konzern wegen Markt-Missbrauch mit einem Rekord-Bussgeld von fast einer halben Milliarde Euro. Zudem muss das Unternehmen Teile seiner Software offenlegen.

Microsoft muss zum Ärgernis von Bill Gates Rekord-Bussgeld bezahlen.
Microsoft muss zum Ärgernis von Bill Gates Rekord-Bussgeld bezahlen.
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Der weltgrösste Softwarekonzern habe seine dominierende Marktstellung bei Betriebssystemen für Personalcomputer ausgenutzt und damit EU-Wettbewerbsrecht verletzt, entschied die EU-Kommission. Mit diesem Bussgeld verhängte Brüssel die bis anhin höchste Geldstrafe gegen ein einzelnes Unternehmen.

Bussgeld mit abschreckender Wirkung

Laut Monti soll das Rekord-Bussgeld von 497,2 Mio. Euro (773 Mio. Fr.) eine abschreckende Wirkung haben. Der Betrag mache 1,62 Prozent des weltweiten Vorjahres-Umsatzes von Microsoft und 8 Prozent des Microsoft-Umsatzes im Gebiet Europa/Afrika/Nahost aus, sagte Monti.

Konkret geht es um das Multimediaprogramm Windows Media Player. So klagen etwa die US-Firmen Apple und RealNetworks, ihre Software zum Abspielen von Audio- und Videodateien habe wegen der Verknüpfung des Media Player mit Windows auf dem Markt keine Chance.

Microsoft muss Geschäftspraktiken ändern

Da die Verstösse laut Kommission andauern, muss Microsoft Geschäftspraktiken ändern. Brüssel gab dem Konzern 90 Tage Zeit, Computerherstellern auch eine Windows-Version anzubieten, die nicht mit dem Windows-Mediaplayer gekoppelt ist.

Entscheid wird nicht akzeptiert

Microsoft akzeptiert den EU-Entscheid nicht. Die Sanktion hänge mit der Unfähigkeit zu einer Einigung in einem einzigen Streitpunkt zusammen, erklärte ein Microsoft-Sprecher. Der Konzern will gegen die Busse vor dem Europäischen Gerichtshof klagen.

In der Schweiz wurde gegen Microsoft noch nie ein formelles Verfahren geführt, wie Weko-Vizedirektor Patrik Ducrey gegenüber der Nachrichtenagentur sda erklärte. Das bedauert die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Sie hatte bereits im August 2003 eine Untersuchung verlangt.

Nun könnte Microsoft doch noch ins Visier der Weko geraten. Die Weko wird den Entscheid aus Brüssel analysieren. Wenn Microsoft sich kartellgesetzwidrig verhält, muss der Konzern damit rechnen, auch hier in der Schweiz gebüsst zu werden, sagte Ducrey.

(pt/sda)

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