EU und Lateinamerika wollen enger zusammenarbeiten
publiziert: Samstag, 13. Mai 2006 / 00:25 Uhr

Wien - Der EU-Lateinamerika-Gipfel ist in Wien mit einem Bekenntnis zu einer engeren Zusammenarbeit vor allem im Kampf gegen die Armut zu Ende gegangen.

Barroso mahnte die Partner vom anderen Kontinent, ihre politischen Gräben zu überwinden.
Barroso mahnte die Partner vom anderen Kontinent, ihre politischen Gräben zu überwinden.
Die 62 Staats- und Regierungschefs verabschiedeten zum Abschluss des Treffens eine Erklärung, die unter anderem eine engere Zusammenarbeit bei der Entwicklungshilfe, den Menschenrechten, dem Umweltschutz sowie im Kampf gegen Drogen festschreibt.

Der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier wertete es schliesslich als Erfolg, dass die EU wenigstens mit den zentralamerikanischen Staaten weitere Verhandlungen über eine Marktöffnung führen werde.

Im Gegensatz zu Ländern wie Mexiko wandten sich Venezuela und Bolivien gegen die weitere Öffnung ihrer Märkte. In Lateinamerika habe eine neue Ära begonnen, sagte der venezolanische Staatschef Hugo Chávez. «Der Neoliberalismus geht unter und ist am Ende.»

Vorwürfe von Evo Morales

Der neue bolivianische Präsident Evo Morales warf den früheren Kolonialmächten vor, sein Land mehr als 500 Jahre ausgebeutet zu haben. Er hat die Rohstoffe seines Landes verstaatlicht, um die Armut in Bolivien zu bekämpfen. Bolivien verfügt über die zweitgrössten Erdgasvorkommen in Südamerika. Venezuela ist der fünftgrösste Ölexporteur der Welt.

Chávez ist aus Protest gegen Freihandelsabkommen von Peru, Ecuador und Kolumbien mit den USA aus der Gemeinschaft der Anden-Staaten (CAN) ausgeschert, mit der die EU die Handelsbeziehungen vertiefen wollte. Auch Bolivien erwägt den Ausstieg aus der Gruppe.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso mahnte die Partner vom anderen Kontinent, ihre politischen Gräben zu überwinden. «Wenn wir wirklich das ganze Potenzial unserer Partnerschaft entwickeln wollen, müssen wir Ihre strategische Vision kennen», sagte Barroso.

Die EU sei besorgt über den neuen Kurs Boliviens, wolle aber keinen Streit mit dem Land, sagten Diplomaten aus der EU. UNO-Generalsekretär Kofi Annan erinnerte die Lateinamerikaner daran, dass Investoren langfristige Garantien für die Stabilität eines Landes bräuchten.

(smw/sda)

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