Greenpeace reagiart empört
Efsa erlaubt Pestizid Glyphosat - Kniefall vor der Pestindustrie?
publiziert: Donnerstag, 12. Nov 2015 / 12:56 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 12. Nov 2015 / 13:43 Uhr

Brüssel - Das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat ist der EU-Behörde Efsa zufolge wahrscheinlich nicht krebserregend. Glyphosat schädige wahrscheinlich auch nicht die menschliche DNA, teilte die Behörde für Lebensmittelsicherheit am Donnerstag im italienischen Parma mit. Greenpeace zeigt sich empört darüber und hat nun eine Petition gestartet.

5 Meldungen im Zusammenhang
Der Efsa-Bericht mit diesen Schlussfolgerungen dient als Grundlage im Verfahren der Neuzulassung von Glyphosat, gegen die sich zahlreiche Kritiker stellen.

«Den Schlussfolgerungen des Berichts zufolge ist es unwahrscheinlich, dass Glyphosat eine krebserregende Gefahr für den Menschen darstellt, heisst es in einer Mitteilung der Behörde. Die Efsa stellt sich damit gegen ein Urteil der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC).

Die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehörende Agentur hatte im März geurteilt, dass Glyphosat «wahrscheinlich krebserzeugend bei Menschen» sei. Die Efsa greift die IARC indirekt an: Zum einen habe sie nicht nur Glyphosat allein, sondern auch in Zusammensetzungen mit anderen Stoffen bewertet und die Ergebnisse davon in das Gesamturteil einfliessen lassen. Darüber hinaus berücksichtige die Efsa «mehr wissenschaftliche Erkenntnisse» als die IARC.

Abgesehen davon fordert die Efsa, die Giftigkeit von Glyphosat neu zu definieren. In dem Zusammenhang schlägt sie einen Grenzwert für die Aufnahme von 0,5 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht täglich vor.

Die Stellungnahme der Efsa ist Grundlage für die EU-Kommission. Diese muss in den kommenden Monaten zusammen mit den EU-Mitgliedstaaten über die Neuzulassung von Glyphosat entscheiden.

In der Schweiz separate Untersuchung verlangt

In der Schweiz möchte die Wissenschaftskommission (WBK) des Nationalrats möchte die Verbreitung von Glyphosat im Land klären. Sie hat am 6. November ein Postulat beschlossen, das den Bundesrat mit einer Untersuchung beauftragt.

Untersucht werden sollen unter anderem die Glyphosatrückstände in Lebensmitteln, im Tierfutter und im Gewebe von Nutztieren. Auch die Bevölkerung soll getestet werden.

Die WBK will den Bundesrat zudem mit einem Überblick über den Glyphosateinsatz in der Schweiz und der Ausarbeitung von Alternativen beauftragen. In den Diskussionen um das Unkrautvertilgungsmittel hat sich dieser bisher zurückhaltend geäussert.

Kritik von Greenpeace

In einem Medienkommentar äussert sich Greenpeace Schweiz äusserst Kritisch zum Efsa-Bericht: «Obwohl Glyphosat laut der Weltgesundheitsorganisation «wahrscheinlich krebserregend» ist, hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) heute die Empfehlung veröffentlich, Glyphosat weiter zuzulassen.» Greenpeace verurteilt dieses Einknicken vor der Industrielobby und fordert eine Abkehr von der Pestizid-Landwirtschaft.»

Weiter kommentiert sie: «Wieder einmal ist eine Behörde vor der Pestizidindustrie in die Knie gegangen. Der Entscheid der EFSA ist unverständlich, und ihre Unabhängigkeit muss angezweifelt werden. Ein grosser Teil ihres Berichtes scheint aus unveröffentlichten Studien der Hersteller kopiert worden zu sein. Unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen machen jedoch deutlich, dass glyphosathaltige Produkte alles andere als ungefährlich sind. Weitere Bewilligungen auf Basis von unvollständigen Hersteller-Angaben sind ein unverantwortliches Experiment an Umwelt, Mensch und Tier. Deren Gesundheit muss endlich stärker geschützt werden als die finanziellen Interessen der Agrochemiekonzerne. Glyphosat muss europaweit - auch in der Schweiz - verboten werden.»

Petition eingereicht

Greenpeace, die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU) sowie die Stiftung für Konsumentenschutz SKS fordern mit der Petition «Glyphosat verbieten - jetzt!» ein Verbot von Glyphosat. Zudem fordern die Organisationen im Sinne des Vorsorgeprinzips konkrete Reduktionsmassnahmen für alle Pestizide im Rahmen des nationalen Aktionsplanes Pestizide. Statt weiterhin in eine Intensiv-Landwirtschaft zu investieren, braucht es die Förderung und Weiterentwicklung ökologischer, chemiefreier Anbaumethoden, die Menschen und Tiere nicht krank machen, sondern schützen. 

(cam/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Brüssel - Die EU vertagt den Entscheid über den künftigen Einsatz von Glyphosat erneut. Da das Unkrautgift im Verdacht steht, Krebs ... mehr lesen
Glyphosat steht im Verdacht, Krebs zu erregen.
Glyphosat ist einer der weltweit am meisten eingesetzten Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln.
Lyon - Der Kontroverse um das Unkrautvertilgungsmittel Glyphosat geht in eine neue Runde. Die ... mehr lesen
Bern - Eine neue Studie einer WHO-Agentur stuft das Unkrautvertilgungsmittel Glyphosat als «wahrscheinliche krebserregend» ... mehr lesen
Eine neue Studie einer WHO-Agentur stuft das Unkrautvertilgungsmittel Glyphosat als «wahrscheinliche krebserregend» ein.
Hochaktuell und super brisant: Diese Doku zeigt dramatisch, wie Herbizide mit Glyphosat die Umwelt vergiften. Die beiden ... mehr lesen
Bogotá - Die kolumbianische Regierung will künftig im Drogenkampf auf den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat verzichten. Kolumbien benutzt das Mittel im Kampf gegen den illegalen Koka-Anbau seit den 1990er Jahren. mehr lesen 
Elektrosmog Messung und Lösungen
Wir unterstützen Sie bei der Entwicklung Ihrer Klimastrategie und zeichn ...
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 16
Ein männliches und ein weibliches Tier wurden bereits im vergangenen Jahr in dieser Gegend registriert.
Ein männliches und ein weibliches Tier wurden ...
Abschuss noch kein Thema  Sitten - Seit Anfang Jahr wurden im Oberwallis mehrere Schafe von Wölfen gerissen. Zur letzten Attacke kam es in der Nacht auf Montag. Das Rissmuster deutet auf einen Wolf hin. mehr lesen 
Walliser Initiative will den Wolf verbieten Brig - CVP-Kreise haben am Dienstag eine Initiative «Für einen Kanton Wallis ...
Ständerat schwenkt auf Linie des Nationalrats  Bern - Grosswasserkraftwerke sollen Subventionen erhalten, wenn sie den Strom zu tiefen Preisen ... mehr lesen  
Finanzhilfen für bestehende Grosswasserkraftwerke waren im ersten Massnahmenpaket zur Energiestrategie ursprünglich nicht vorgesehen.
Alpiq verkauft seine Beteiligung an AEK an den Berner Energiekonzern BKW.
Alpiq verkauft AEK-Beteiligung Olten/Bern - Der wankende Stromriese Alpiq will weiter Schulden abbauen. Er verkauft seine 38,7-Prozent-Beteiligung an der Solothurner ...
Titel Forum Teaser
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    würde, wäre, falls usw. Die Amis wählen sich doch keinen Irren als Präsident! Oder doch? Mi, 18.05.16 08:54
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Die... Erde steckt das CO2 schon weg. Da gibts keine Bedenken. Hoffentlich ... Sa, 12.12.15 15:15
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Auf... die immer gestellte Frage, wo denn die "Erderwärmung" geblieben sei, ... Mi, 09.12.15 19:13
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Es... wurde vier Jahre verhandelt, nun liegt ein Vertrags-Entwurf auf dem ... Mo, 07.12.15 14:50
  • HeinrichFrei aus Zürich 431
    Investitionen in Solarzellen statt in die Rüstung Das Parlament empfiehlt dem Stimmvolk, die Initiative «Grüne ... Di, 01.12.15 15:04
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Man... braucht sich nur an die Heizkraftwerke in Peking vor 20 Jahren ... Mo, 30.11.15 09:59
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Das... Klima verändert sich. Das tut es seit über 2 Milliarden Jahren. Und ... So, 29.11.15 19:18
  • keinschaf aus Wladiwostok 2820
    Ja der Staatssender halt Der Staatssender mit seinen vom Staat via überrissener Zwangsgebühr ... Sa, 17.10.15 03:22
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 18°C 25°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Basel 20°C 25°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
St. Gallen 17°C 24°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Bern 18°C 24°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Luzern 18°C 24°C vereinzelte Gewitterleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig wechselnd bewölkt, Regen Wolkenfelder, kaum Regen
Genf 20°C 24°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft Wolkenfelder, kaum Regen
Lugano 21°C 27°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft vereinzelte Gewitter
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten