Eichhörnchen, Erdbeben und andere Erkenntnisse
publiziert: Donnerstag, 9. Sep 2010 / 10:33 Uhr

San Diego ist farbig, hoch, freundlich, ungesund, aufdringlich, fordernd, lebendig, kontrastreich, riesig, intensiv. Klischees werden bestätigt, neue Erkenntnisse werden gewonnen. San Diego ist nicht einfach zu beschreiben. Versuchen wir es trotzdem mal.

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Eichhörnchen im Balboa Park.
Eichhörnchen im Balboa Park.

Lange Sandstrände, hohe Berge, bunte Parks, grosse Wälder und trockene Wüsten findet man im drittgrössten Bundesstaat der USA, in Kalifornien. Vielfältigkeit, Biodiversität und viel Sonne sind die Markenzeichen Kaliforniens. Neben etwa 50 Nationalparks befinden sich über 300 weitere Naturschutzgebiete in dieser Gegend. In San Diego versuche ich mich zwischen den Bäumen des einen Parks möglichst geräuschlos an ein Eichhörnchen anzuschleichen, um ein schönes Foto zu schiessen. Im Balboa Park hüpfen mir diese Tiere mir fast von alleine vor die Linse.

Über Smalltalk hinaus

Auch bei den Bewohnern findet man die typische Vielfältigkeit des Bundesstaates wieder. Der Goldrausch ab ungefähr 1848 brachte Kalifornien eine Einwanderungswelle von 300 000 Menschen in wenigen Jahren. Heute wohnt mehr als jeder zehnte der amerikanischen Bevölkerung im «Golden State», im goldenen Staat. Doch etwa ein Drittel der kalifornischen Einwohner spricht zu Hause eine andere Sprache als Englisch. Viele Einwanderer stammen aus Mexiko, so wird vor allem auch Spanisch gesprochen.

Sie sind locker drauf, die Amerikaner. Noch nie wurde ich in den Ferien von so vielen Menschen, die ich nicht kannte und die mir nichts verkaufen wollten, angesprochen. Die Leute sind neugierig, woher man kommt, was man denn in den USA macht, wie es einem so gefällt. Und sie sind stolz, wenn sie erzählen, dass sie auch schon mal in Europa waren. Manchmal bleibt es aber nicht nur beim Smalltalk. So rät mir ein Familienvater aus Pittsburgh, später einmal einen reichen Mann zu heiraten. Ich schaue ihn verdutzt an, so hatte er mir doch gerade vorher noch vom Legoland Besuch mit seinen Kindern erzählt. «Das ist viel einfacher», sagt er. Provozierend antworte ich: «Aber vielleicht weniger lustig». «Ja», meint er nachdenklich, «…aber einfacher.»

Bilderbuchamerikaner

Das Klischee, dass Amerikaner nur ungerne zu Fuss gehen und lieber auch kleine Strecken mit dem Auto bewältigen, stimmt tatsächlich. Während meine amerikanische Gastgeberin und ich auf dem Weg zu einem riesigen Einkaufszentrum sind, erklärt uns ein Mann, dass diese Eingangstüre geschlossen sei und wir jene gleich um die Ecke des grossen Gebäudes benützen sollten. Wir spazieren los und ich erzähle ihr gerade von meiner Erkenntnis, dass Amerikaner meinem Klischee von Faulheit tatsächlich entsprächen, als uns ein Mann entgegen kommt. Wir sagen ihm, dass er in die andere Richtung gehen müsse, dieser Eingang hier sei zu. «Oh man!», flucht er, «Ich nehme das Auto und fahre.» Meine Freundin und ich lachen los. Das war die Probe aufs Exempel.

Erdbeben spielen

Was seine Bewohner angeht, gefällt mir Kalifornien sehr, so habe ich die Amerikaner doch schon ins Herz geschlossen. Allerdings bin ich in San Diego von den Wolkenkratzern etwas enttäuscht, hatte ich mir diese doch viel höher vorgestellt. Der Grund dafür erkärt mir meine Gastgeberin. Die Häuser sind erdbebensicher gebaut und deshalb nicht so hoch. Entlang dem San-Andreas-Graben, der von Mexiko bis nach San Francisco verläuft, verschieben sich Erdkrustenplatten von kontinentaler Grösse. So kommt es in Kalifornien mehrmals pro Tag zu Erdbeben, die meisten sind allerdings so schwach, dass man sie gar nicht wahrnimmt.

Das letzte grosse Erdbeben fand im Juli 2008 statt. Mit einer Stärke von fast fünfeinhalb auf der Richterskala verursachte es grosse Sachschäden. Trotzdem haben die meisten Amerikaner, mit denen ich ins Gespräch komme, keine Angst vor dem nächsten grossen Erdbeben. Sie sind sich zwar der Gefahr bewusst, doch kennen sie auch die Sicherheitsvorkehrungen, wie zum Beispiel den Standort des nächsten Luftschutzbunkers. Selbst Kinder scheinen keine Angst zu haben, so ertappe ich in einem Tram einen Jungen und ein Mädchen tatsächlich beim «Erdbeben» Spielen. Sie schwanken und rufen «Earthquake, earthquake». Trotz oder wegen der Absurdität muss ich lachen.

Abschied

Auch wenn zwei Wochen eigentlich viel zu wenig Zeit sind, um ganz Kalifornien zu entdecken, so sehe und erlebe ich doch eine Menge. Die Gelassenheit der Amerikaner steckt an und auch die stetig strahlende Sonne trägt viel zum gemütlichen Lebensstil bei. Ich bin traurig, als es dann Zeit wird, mich zu verabschieden. Oder wie meine Gastgeberin und inzwischen gute Freundin meint: «Ich weigere mich, Goodbye zu sagen. See you passt viel besser!» Man sieht sich.

Mehr Couches und Klischees

(Eva Hirschi / Tink.ch/)

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