Rebound-Effekt
Ein Argument für oder gegen die Förderung von Energieeffizienz?
publiziert: Donnerstag, 14. Mrz 2013 / 15:05 Uhr / aktualisiert: Freitag, 5. Apr 2013 / 15:49 Uhr
Dr. Markus Ohndorf ist Oberassistent und Dozent an der Professur für Nationalökonomie am Institut für Umweltentscheidungen (IED) der ETH
Dr. Markus Ohndorf ist Oberassistent und Dozent an der Professur für Nationalökonomie am Institut für Umweltentscheidungen (IED) der ETH

Als Argument gegen die Förderung von energieeffizienten Technologien wird häufig der sogenannte Rebound-Effekt angeführt. Aber führt eine Erhöhung der Energieeffizienz wirklich zu einer Steigerung des globalen Energieverbrauchs? Tatsächlich liefert die Existenz von Rebound-Effekten eher Argumente für eine staatliche Förderung von Energieeffizienz über alle Sektoren, als dagegen.

1 Meldung im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

Rebound-Effekt
Das unterschätzte Paradoxon der Klimapolitik
zeit.de

Modellvergleiche
RECIPE Project - Synthesis Report and Background Papers
pik-potsdam.de

Gillingham
The rebound effect is overplayed.
environment.yale.edu

Interessanterweise haben viele Käufer sparsamerer Autos die Tendenz, öfter damit zu fahren, und den alten Spritschlucker als Zweitwagen zu behalten. Dies mindert natürlich die möglichen Einsparungen durch effizientere Motoren. Solche Zusammenhänge, in denen die theoretisch möglichen Einsparungen durch effizientere Technologien praktisch nicht erreicht werden, werden auch als Rebound-Effekte bezeichnet. Rebound-Effekte werden häufig als Argument gegen eine staatliche Förderung von Energieeffizienz angeführt, da ja Investitionen in energieeffiziente Technologien sogar zu einem Anstieg von Ressourcenverbrauch und Emissionen führten, wie manche Kritiker behaupten. (Siehe weiterführende Links zur Meldung: «Rebound-Effekt»)

Die Existenz von Rebound-Effekten ist unbestritten. Dabei beschränken sich die Gründe für diesen Effekt nicht nur auf Verhaltensänderungen, wie im Beispiel des sparsameren Autos. Denn die Einsparungen in den Energiekosten setzen immer auch Kaufkraft für andere, potentiell emissionsintensive Aktivitäten frei. Wer zum Beispiel durch den Einbau einer effizienteren Heizanlage seine Heizkosten senkt, kann im Prinzip mit dem nun zur Verfügung stehenden Geld in den Urlaub fliegen. Dies hätte einen negativen Effekt auf den globalen Energieverbrauch und damit auf den globalen CO₂-Ausstoss .

Erhöhter Ressourcenverbrauch durch Wachstum

Gesamtwirtschaftlich gesehen führt mehr Effizienz in der Regel zu mehr Wachstum. Nach einer Steigerung der Energieeffizienz kann mit dem gleichen Einsatz an Ressourcen ein höherer Output erzeugt werden, also ein höheres Bruttoinlandsprodukt (BIP). Ein höheres BIP wiederum bedeutet aber gleichzeitig auch einen höheren Konsum, was wiederum einen erhöhten Energieverbrauch zur Folge hat. Somit existiert auch ein gesamtwirtschaftlicher Rebound-Effekt. Dies ist die grundlegende Überlegung hinter der häufig vorgebrachten Hypothese, dass ein ressourcenschonendes Wachstum nicht möglich ist. Somit stehen Rebound-Effekte auch hinter der These, dass das Wachstum durch die Knappheit von (Umwelt-)Ressourcen beschränkt ist.

Rebound-Effekte und die Förderung von Energieeffizienz

Es ist allerdings nicht so, dass Rebound-Effekte die Effizienzgewinne vollständig auffressen. Nach neueren Schätzungen bleiben nach Berücksichtigung der Rebound-Effekte 40 bis 80 Prozent der ursprünglichen Reduktion im Energie- bzw. Ressourcenverbrauch erhalten. (Siehe weiterführende Links zur Meldung: «Gillingham») Die tatsächliche Höhe eines Rebound-Effekts hängt davon ab, wie emissionsintensiv der Konsum ist, der durch die Einsparung finanziert wird. Wenn eine Volkswirtschaft also in der Lage ist, Energienachfrage und Emissionen über alle Sektoren hinweg gleichermassen zu senken, wird auch der Rebound-Effekt eher gering ausfallen. Ergo: Die Existenz von Rebound-Effekten liefert eher Argumente für eine staatliche Förderung von Energieeffizienz über alle Sektoren, nicht dagegen.

Die Förderung der Energieeffizienz müsste weltweit sogar noch massiv gesteigert werden und mit sehr viel stärkeren Anreizen zur Nutzung von erneuerbaren Energien einhergehen, um die Emissionsintensität der Energieproduktion zu senken. Für einen solchen Fall zeigen Modellvergleiche (Siehe weiterführende Links zur Meldung: «Modellvergleiche»), dass auch bei durchschnittlichen langfristigen Wachstumsraten des globalen BIP von rund zwei Prozent ein Erreichen des 2-Grad-Ziels - trotz Rebound-Effekts - prinzipiell möglich ist.

(Dr. Markus Ohndorf/ETH-Zukunftsblog)

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