Ein Jahr nach dem Hurrikan «Katrina»
publiziert: Dienstag, 22. Aug 2006 / 16:43 Uhr

New Orleans - Noch vor einem Jahr stand New Orleans für Grössen wie Louis Armstrong, Mahalia Jackson, Fats Domino oder die Marsalis-Brüder, für den Jubel und Trubel von Mardi Gras, für Gumbo und Jambolaya. Wer heute an New Orleans denkt, denkt an den Hurrikan «Katrina».

Heute gilt eine neue Zeiteinteilung: vor «Katrina» und nach «Katrina».
Heute gilt eine neue Zeiteinteilung: vor «Katrina» und nach «Katrina».
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Der fürchterliche Sturm vom 29. August 2005 hat alles geändert, eine neue Zeiteinteilung geschaffen: vor «Katrina» und nach «Katrina». Schon Jahre vor «Katrina» hatten Experten davor gewarnt, dass die Dämme der zum grössten Teil unterhalb des Meeresspiegels liegenden Stadt einem schweren Hurrikan der Kategorie 3 und darüber nicht standhalten würden.

Trotzdem ist New Orleans erschreckend wenig vorbereitet, als «Katrina» vorübergehend gar als Sturm der stärksten Kategorie 5 heranzieht und schliesslich am 29. August mit Windgeschwindigkeiten von gut 200 Stundenkilometern auf das Festland prallt.

Wie heute - nach vielen Untersuchungen und noch mehr gegenseitigen Schuldzuweisungen - feststeht, haben US-Stellen auf allen Ebenen versagt.

Zu spät evakuiert

Bürgermeister Ray Nagin lässt die Stadt zu spät evakuieren, Menschen in den ärmeren Gebieten wie der Lower Ninth Ward oder auch im Bezirk St. Bernard vor den Toren der Stadt, die kein Auto haben, bleiben zurück, rufen auf ihren Hausdächern um Hilfe, viele ertrinken.

Das Stadion der Stadt wird zur letzten möglichen Zufluchtstätte für 30 000 Menschen - und zu einem Symbol der Schande. Es dauert Tage, bis Nahrung angeliefert wird, die unter unerträglichen sanitären Bedingungen lebenden Menschen ein anderes Obdach finden.

Washington hilflos

Washington, allen voran die Behörde für Katastrophenmanagement (Fema), scheint hilflos, gelähmt oder chaotisch. Erst hat man den Hurrikan unterschätzt, dann dauert die Koordination der Hilfsmassnahmen Tage. Dann die Versprechen: «New Orleans wird wieder in voller Grösse auferstehen», versichert Präsident George W. Bush, und der Kongress sagt rasche finanzielle Hilfen zu.

Heute, zwölf Monate später, ist die Stadt Lichtjahre von der Normalität entfernt, und in manchen scheint es fast, als habe die Zeit nach «Katrina» stillgestanden.

Zwar hat wieder das traditionelle Mardi Gras stattgefunden und auch das Jazzfestival, begleitet von Transparenten mit der stolzen und tapferen Aufschrift «we are back», Touristen füllen wieder die Bourbon Street mit Lärm und Abfällen. Aber es sind andere Bilder und Zahlen, die die Realität widerspiegeln.

Erst die Hälfte zurück

Nur die Hälfte der vor «Katrina» in New Orleans lebenden 450 000 Einwohner ist bisher zurückgekehrt, und die meisten von ihnen sind wohlhabend und weiss, während vor dem Sturm zwei Drittel der Bürger in der Stadt Schwarze waren. Nach «Katrina» bestimmt noch stärker als vorher das Geld, wer sich in dieser Stadt das Leben in einem flutsicheren Viertel leisten kann oder nicht.

Nur knapp 60 der 125 öffentlichen Schulen werden zu Beginn des neuen Schuljahres im September wieder in Betrieb sein, nur die Hälfte der Schulbusse fahren, und lediglich drei von elf Spitälern nehmen wieder Patienten auf.

Auf vielen öffentlichen Plätzen stehen Wohnwagen, dort leben tausende Menschen. Sind mittlerweile auch über acht Millionen Kilogramm Schutt abgetragen worden, türmen sich Trümmer an Nebenstrassen und auf Mittelstreifen vielerorts weiter teils meterhoch auf. Und immer noch werden Tote in leer stehenden Häusern gefunden.

(Von Gabriele Chwallek, dpa/sda)

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