Ein Sieg für Familie und Team
publiziert: Montag, 9. Jul 2012 / 22:45 Uhr / aktualisiert: Montag, 9. Jul 2012 / 23:09 Uhr
Die Zwillinge Charlene Riva und Myla Rose erleben zusammen mit ihrer Mutter Mirka und Grossmutter Lynette den Sieg ihres Vaters Roger Federer.
Die Zwillinge Charlene Riva und Myla Rose erleben zusammen mit ihrer Mutter Mirka und Grossmutter Lynette den Sieg ihres Vaters Roger Federer.

Roger Federer liess nach drei Jahren eine lieb gewonnene Tradition aufleben. Als Wimbledon-Champion hielt er am Montagmorgen Hof. Müde, aber überglücklich.

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Roger FedererRoger Federer
Auch der Medientermin am Montagvormittag begann positiv. Vor der ersten Frage eröffnete der ATP-Kommunikationsbeauftragte den Journalisten und Roger Federer, dass dieser nicht nur diese Woche die Anzahl Wochen von Pete Sampras als Weltnummer 1 egalisieren, sondern nächste Woche auch «garantiert» übertreffen werde. Zudem werde Federer auch im November nach London zurückkehren, da er sich als erster Spieler für das ATP-Masters in der O2-Arena qualifiziert habe. «Das sind positive Nachrichten am Morgen», so Federer.

Allen Grund zum Strahlen hatte er bereits am Vorabend gehabt, als er durch den Finalsieg gegen Andy Murray wieder einmal mehrere Rekorde gleichzeitig gebrochen hatte. Er hatte am Sonntagabend zu Protokoll gegeben, dass «alles so schnell gegangen ist», dass er es noch gar nicht realisiert habe. Auch gestern war die Freude noch deutlich sichtbar, diesen magischen Moment erlebt zu haben und mit seinem engsten Umfeld teilen zu dürfen, inklusive der beiden Zwillingstöchter.

Charlene Riva und Myla Rose nahmen aber nicht genau wahr, was ihr Daddy geleistet hatte. «Heute Morgen waren sie am Spielen», sagte Federer lachend, «und ich habe sie gefragt: erinnert ihr euch an gestern? Eine sagte dann, nein und ich sagte ok, ok. Die andere sagte dann aber, ja, ich erinnere mich, dass ich geklatscht habe.»

Was sie alles realisiert haben, ist für den stolzen Familienvater nicht so wichtig: «Es war ein grossartiger Moment für Mirka, für unsere Kinder und für mich, dass wir dies erleben durften», so Federer, der dann noch den Vergleich zu seinem ersten Titelgewinn vor neun Jahren zog: «Damals hätte ich nicht in meinen wildesten Träumen gedacht, dass meine Kinder einst sehen, wie ich in Wimbledon die Trophäe in den Händen halte. Das ist irgendwie surreal.»

Champions Dinner und Medienmarathon

Am Sonntagabend hatte die übliche Verrücktheit eingesetzt, nachdem er sich als Spielverderber der königreichweiten «Murray-Festspiele» betätigt hatte. Federer hatte im All England Club einen rund dreistündigen Medienmarathon absolviert, dann einen Kleiderwechsel vorgenommen und war mit einer Entourage von 25 Personen ans Champions Dinner ins noble Hotel Intercontinental gewechselt. Federer erschien dort um 23.56 Uhr und verliess den Anlass gut eineinhalb Stunden später wieder. Geschlafen hatte er nur wenig, aber das ist für ihn in solchen Situationen normal: «Nach grossen Spielen habe ich immer Mühe zu schlafen.»

Gestern Morgen war er dann um zehn Uhr schon wieder an der für ihn so einzigartigen Stätte, welche die Tennis-Welt bedeutet und stand TV-Stationen, britischen Medien, der Schweizer Presse und internationalen Agenturen Red und Antwort. «Es ist ja selten, dass ich zwölf Stunden danach schon wieder Pressekonferenzen gebe», sagte er mit einem Lächeln und einem Blick auf die Schlagzeilen in den internationalen Medien, welche fast ausnahmslos ihm gewidmet waren, «aber das geht gut. Jetzt bin ich dann aber froh um die Pause, denn ich habe doch lange am Limit gespielt. Im Moment fühlt es sich aber mit der Müdigkeit sehr speziell an.»

Die grosse Zahl von Federer-Gästen am Champions Dinner symbolisiert es: Es war ein Sieg für das ganze Umfeld, dem er grosse Bedeutung zumisst. «Wir haben sehr grosse Harmonie im Team, es gibt nie ein Gefühl der Panik, wir haben eine sehr gute Routine entwickelt.»

Grosse Herausforderungen in 2012

Das Tennisjahr 2012 bietet vor allem wegen des Wimbledon-Doubles (The Championships/Olympische Spiele) mehr Herausforderungen als wohl jede andere Tennissaison. Federer und sein Umfeld haben diesem Umstand Rechnung getragen: «Wir haben uns entschlossen, die Zeit vom French Open bis zum US Open quasi permanent zusammen zu verbringen, egal, ob wir gewinnen oder verlieren. Es ist nun so schön, als Team zu gewinnen, denn manchmal ist man auf der Tour schon etwas einsam.»

Die nächsten Tage bieten nun die wohl verdiente Pause. Am meisten geniessen wird sie wohl Physiotherapeut Stéphane Vivier, der in den letzten 90 Tagen ununterbrochen bei Federer war. Federer selber wird mit seiner Familie einige Tage «irgendwo, wo es warm ist», verbringen, um die Batterien wieder aufzuladen. Spätestens in zweieinhalb Wochen wird dann Federer in London die nächste Pressekonferenz geben. Als siebenfacher Champion, mit der Möglichkeit ein Double zu schaffen, welches es im Tennis nie mehr geben wird.

Der Hunger wird ihm trotz des schon errungenen Sieges nicht fehlen: «Im Gegenteil. Ich habe zwar vielleicht etwas weniger Druck und muss nicht unbedingt gewinnen, aber ich werde alles machen, damit ich es schaffe.»

(fest/Si)

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