Forscher sammeln Informationen
Ein genaueres Bild von «Planet 9»
publiziert: Donnerstag, 7. Apr 2016 / 09:56 Uhr
Simulation der Struktur von Planeten-Kandidat 9.
Simulation der Struktur von Planeten-Kandidat 9.

Bern - Er wirkt nahezu mystisch, der bisher unbekannte Planet, der Berechnungen zufolge weit jenseits des Neptun seine Bahn zieht. Gesehen hat ihn noch niemand. Astrophysiker der Universität Bern haben nun mithilfe eines Computermodells bestimmt, wie er aussehen könnte.

1 Meldung im Zusammenhang
Demnach hat dieser neunte Planet einen Radius, der 3,7 Mal demjenigen der Erde entspricht. Seine Temperatur liege bei minus 226 Grad Celsius, wie die Universität Bern am Donnerstag mitteilte.

Anfang des Jahres versetzte die Meldung zweier Forscher vom California Institute of Technology die Fachwelt in Aufruhr: Aus der Bewegung von Objekten im sogenannten Kuiper-Gürtel hatten sie die Existenz eines bisher unbekannten Planeten berechnet. Seither sammeln Forschende weltweit Informationen, um ihn auf seiner weitläufigen Umlaufbahn zu lokalisieren.

Unter ihnen auch Esther Linder und Christoph Mordasini von der Universität Bern, die mittels Computermodellen simulierten, wie sich «Planet 9» seit der Geburt des Sonnensystems vor 4,6 Milliarden Jahren entwickelt haben müsste. Von ihren Erkenntnissen berichten sie im Fachjournal «Astronomy & Astrophysics».

Himmelskörper mit Eigenwärme

Die beiden Berner Astrophysiker vermuten, dass der mysteriöse Himmelskörper ein kleiner Eisriese mit einer Hülle aus Wasserstoff und Helium ist - quasi eine kleinere Version von Uranus und Neptun. Die von ihnen berechnete Temperatur von minus 226 Grad Celsius deute darauf hin, dass der Planet selbst Wärme abstrahlt, schrieb die Uni Bern.

Wenn der Planet selbst keine innere Energie hätte, läge seine Temperatur bei nur minus 263 Grad Celsius, erklärte Linder. «Denn dann würde die Strahlung lediglich aus dem reflektierten Sonnenlicht bestehen.»

Dieser innere Energiefluss, der vom Abkühlen des Planeteninneren herrühre, bedeute auch, dass der Himmelskörper im Infrarot-Bereich viel heller strahlt als im sichtbaren Wellenlängenbereich. Denn aufgrund seiner grossen Entfernung zur Sonne reflektiert «Planet 9» das Sonnenlicht nur schwach.

Mehr als bloss ein Massepunkt

«Aufgrund unserer Studie ist der neunte Planet jetzt mehr als bloss ein Massepunkt, durch diese physikalischen Eigenschaften nimmt er Gestalt an», liess sich Christoph Mordasini in der Mitteilung zitieren.

Gemäss weiteren Berechnungen der beiden Forschenden hatten bisherige Himmelsdurchmusterungen nur eine geringe Chance, ein Objekt mit weniger als 20 Erdmassen zu entdecken. Einen Himmelskörper mit mehr als 50 Erdmassen hätte jedoch die NASA-Sonde «Wide-field Infrared Survey Explorer» aufspüren müssen. Damit ergebe sich eine interessante obere Massegrenze für «Planet 9», so Linder.

Künftige Teleskope wie das «Large Synoptic Survey Telescope», das derzeit in Chile gebaut wird, oder spezielle Suchaktionen werden den neunten Planeten aufspüren können, sind die beiden Forschenden überzeugt. Oder seine Existenz ausschliessen.

(arc/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Lesen Sie hier mehr zum Thema
New York - Zwei US-Astronomen haben nach eigenen Angaben Hinweise auf die ... mehr lesen 2
Entfernte Ansicht von Planet 9 Richtung Sonne. Es wird angenommen, dass das Objekt gasförmig ist, ähnlich wie bei Uranus oder Neptun. Blitze durchzucken die Nachtseite des Planeten. (Illustration)
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Sieben Stunden lang pumpte Astronaut Jeff Williams das Modul «Beam» in kleinen Schüben auf, bis es am Samstag um 16.00 Uhr (22.00 Uhr MESZ) ganz entfaltet war.
Sieben Stunden lang pumpte Astronaut Jeff Williams das Modul «Beam» in ...
Raumfahrt-Experiment zu guter Letzt erfolgreich  Washington - Im zweiten Anlauf hat es geklappt: Zwei Tage nach dem abgebrochenen Versuch, die Internationale Raumstation ISS durch ein aufblasbares Modul zu erweitern, ist der US-Weltraumbehörde NASA das Experiment doch noch gelungen. mehr lesen 
Raumsonde Rosetta  Bern - Die Raumsonde Rosetta hat eine Aminosäure und Phosphor in den Ausgasungen des Kometen Tschuri gefunden. Beides sind wichtige Bestandteile für die Entstehung von Leben. mehr lesen
Die hellen Strahlen rund um den Kometen Tschuri nennt man Koma.
Modul gerade einmal ein paar Zentimeter aufgeblasen  Miami - Ein Experiment mit einem aufblasbaren Wohnraum-Modul an der Internationalen Raumstation ... mehr lesen  
Ungewöhnlicher Vorgang  Winterthur ZH - Im südwestlichen Quadranten der Sonne zeigt sich derzeit ein ungewöhnlich grosser Sonnenfleck. Mit 25'000 Kilometern entspricht sein Durchmesser rund dem doppelten der Erde. mehr lesen  
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 8°C 11°C bewölkt, etwas Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Basel 7°C 12°C bedeckt, wenig Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
St. Gallen 4°C 7°C bewölkt, etwas Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen recht sonnig
Bern 5°C 10°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen Nebel
Luzern 8°C 10°C trüb und nassleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig Wolkenfelder, kaum Regen Nebel
Genf 6°C 11°C bedeckt, wenig Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
Lugano 14°C 19°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten