«Ein schwarzer Tag für MS- und Krebspatienten»
publiziert: Dienstag, 11. Mrz 2008 / 18:56 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 11. Mrz 2008 / 20:49 Uhr

St. Gallen/Bern - Der Cannabis-Konsum soll nicht straffrei werden. Ohne Legalisierung ist aber in der Medizin keine vernünftige Anwendung möglich, sagt der Onkologe Thomas Cerny vom Kantonsspital St. Gallen.

Der Wirkstoff THC, der sich auch in Haschisch befindet, hat eine positive Wirkung auf Patienten.
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Cerny hatte am Kantonsspital St. Gallen (KSSG) das Cannabispräparat Dronabinol zu Studienzwecken verwendet. Mit der Abgabe der Tropfen an 250 Krebspatienten ist es seit 2006 aber wieder vorbei. Verschriebe Cerny Dronabinol weiterhin, würde er seine Patienten kriminalisieren, wie er sagt.

Dienstagabend stand am KSSG eine öffentlichen Veranstaltung über rechtliche und medizinische Aspekte der Legalisierung von Cannabis auf dem Programm. Mit der Veranstaltung wollen Cerny und sein Kollege, der Neurologe Markus Weber, «einen Beitrag zur Versachlichung der Hanfdebatte» leisten.

«Die politische Diskussion wurde nicht sachlich geführt», sagte Cerny auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Er sei für Jugendschutz, aber auch für mehr Eigenverantwortung.

Straffreier Konsum für Erwachsene

Der Gegenvorschlag der Gesundheitskommission des Ständerats (SGK) und des Zürcher FDP-Ständerates und Arzt Felix Gutzwiller wäre ein echter Fortschritt gewesen, sagt Cerny.

Die SGK wollte Anbau, Besitz und Konsum von Cannabis bei über 18-Jährigen straffrei erklären. Voraussetzung wäre gewesen, dass es nur um den Eigenkonsum geht und Dritte nicht geschädigt würden. Weiterhin nicht erlaubt wäre der Verkauf von Cannabis.

Der Entscheid des Ständerates vom Dienstag, die Hanf-Initiative zur Ablehnung zu empfehlen, sei ein schwarzer Tag für die Medizin. «Hanftropfen sind nur noch illegal zu bekommen und dürfen in Apotheken nicht mehr abgegeben werden», sagt Cerny. Ohne Legalisierung von Cannabis werde auch die Forschung behindert.

Positive Wirkung auf Kranke belegt

Die positive Wirkung von Cannabis sei durch mehrere Studien belegt, sagt Cerny. Tetrahydrocannabinol (THC) helfe nicht nur bei Muskelkrämpfen und Übelkeit. Cannabis sei bislang das beste Mittel gegen Appetitlosigkeit, unter der viele Krebspatienten litten.

Der Onkologe kritisiert, dass Hanf als Medikament verteufelt werde, während Opiate in unlimitierter Dosis abgegeben werden dürften. Beide Medikamente seien natürliche Substanzen, und der menschliche Körper sei seit jeher damit vertraut.

Cannabis sei ausserdem günstig und einfach anzuwenden. Das synthetische THC-Medikament Marinol koste aber je nach Dosis bis zu 100 Franken pro Tag.

Unterstützung vom Ersten Staatsanwalt

Cerny steht mit seinen Argumenten nicht alleine da. Thomas Hansjakob, der Erste Staatsanwalt im Kanton St. Gallen, hält das Verbot für wenig effizient.

«Es geht im Grunde um den Jugendschutz. Wenn man Jugendschutz betreiben will, könnte man das in einem kontrollierten Markt besser als in einem illegalen Markt, den wir - was wir einräumen müssen - nicht unter Kontrolle haben», erklärte er kürzlich in der «Rundschau».

(Nathalie Grand/sda)

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