Einbalsamieren kommt in Mode
publiziert: Mittwoch, 2. Mrz 2005 / 13:53 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 2. Mrz 2005 / 15:07 Uhr

London - Immer mehr Deutsche machen es wie der ägyptische Pharao Tutanchamun und der sowjetrussische Revolutionär Lenin: Sie lassen sich nach dem Tod einbalsamieren.

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Ihre Körper werden allerdings nicht für die Ewigkeit konserviert, sondern nur bis zur Beerdigung. Auch wenn das Begräbnis erst Wochen nach dem Tod stattfindet, sieht die Leiche noch gut aus, riecht angenehm und überträgt keine Krankheitserreger.

Der Abschied am offenen Sarg werde für Verwandte und Freunde immer wichtiger, sagt der Bestatter Wolfgang Passmann aus dem nordrhein-westfälischen Marl. "Die Aufbahrung des Toten ist ein entscheidender Teil der Trauerarbeit." Meist werde man mit dem Verlust dann besser fertig.

Passmann ist Vorsitzender des Verbandes Dienstleistender Thanatologen (VDT). Die weitgehend unbekannte Berufgruppe ist auf die hygienische Totenversorgung spezialisiert. Bisher gibt es es in Deutschland etwa 30 professionelle Einbalsamierer. Um das Handwerk zu lernen, reisen viele deutsche Bestatter nach Grossbritannien, wo die Totenkonservierung Tradition hat.

Terminprobleme und Streitereien

"Obwohl das moderne Einbalsamieren in Deutschland keine Tradition hat, wird es in den letzten Jahren immer populärer", sagt Passmann. Denn Beerdigungen würden oft aufgeschoben und erst Wochen nach dem Tod stattfinden - wegen Terminschwierigkeiten der Angehörigen.

"Es kann aber auch andere Gründe haben", sagt Kevin Sinclaire, Chef-Einbalsamierer eines grossen Londoner Bestattungsunternehmens. "Wenn der Partner des Toten selbst todkrank ist, wartet man oft ab, bis beide zusammen begraben werden können." Es sei auch schon vorgekommen, dass sich die Familie des Toten über Monate nicht einigen konnte, wer die Beerdigung bezahlt.

Formaldehyd-Lösung statt Blut

Der Leichnam aber verfällt von Tag zu Tag und wird unansehnlich. Vor allem nach schweren Krankheiten muss der Sarg bereits zwei bis drei Tage nach dem Tod geschlossen werden. Die Thanatologen verzögern diesen natürlichen Prozess, indem sie das Blut durch eine Formaldehyd-Lösung ersetzen.

Das Desinfektions- und Konservierungsmittel tötet Keime und Bakterien ab, die die Leiche sonst zersetzen würden. "Je nach Stärke der Lösung können wir Körper für ein paar Tage, aber auch über Monate erhalten", erläutert Sinclair.

Schöne Haut

Der Chemie-Cocktail enthalte ausserdem einen Farbstoff, der "der Leiche eine schöne, rosafarbene Haut gibt. Der Tote soll aussehen, wie jemand, der sich ausruht oder schläft." In Grossbritannien hat das Einbalsamieren eine lange Tradition. Vor allem in den Städten würden 70 bis 80 Prozent der Leichen bis zur Beisetzung konserviert, schätzt Sinclaire, dessen Unternehmen 5000 Menschen im Jahr beerdigt und 16 Einbalsamierer beschäftigt.

"Störung der Totenruhe"

Kritiker sehen in der Prozedur eine Störung der Totenruhe und lehnen eine kosmetische Behandlung von Toten ab. Von einem Leichnam gehe nur in seltensten Fällen eine Infektionsgefahr aus. Bestatter und Einbalsamierer Passmann weist die Bedenken zurück: "Wir wollen nicht, dass der Tote zehn Jahre jünger aussieht. Wir wollen den Angehörigen einen würdigen Abschied ermöglichen."

(Michael Haselriede/dpa)

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