Einbürgerungen: Emmen kämpft ums Image
publiziert: Montag, 28. Apr 2008 / 09:05 Uhr / aktualisiert: Montag, 28. Apr 2008 / 09:49 Uhr

Emmen LU - Mit Schlagworten wie «urbanes Wohnen» will die wegen ihrer früheren Einbürgerungspraxis gerügte Gemeinde Emmen ihr angekratztes Image aufpolieren. Zahlreiche Projekte signalisieren Aufbruch. Die Angst der Emmer vor Überfremdung ist aber geblieben.

Mit Bauprojekten soll die Bevölkerungsstruktur geändert werden.
Mit Bauprojekten soll die Bevölkerungsstruktur geändert werden.
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Es regnet in Strömen. Thomas Willi stoppt sein Auto am rechten Strassenrand. «Hier wird ein Projekt für urbanes Wohnen entstehen.» Der Präsident der zweitgrössten Gemeinde der Zentralschweiz zeigt durch die Frontscheibe. Die Scheibenwischer machen den Blick frei auf hellgelbe Einfamilienhäuschen mit Spitzdach, Veranda und Garten.

Rund 30 der bis auf die Farbe der Fensterläden identischen Gebäude säumen beide Seiten der Mooshüslistrasse. Die ehemaligen Arbeiterhäuser aus der Zeit der Industrialisierung lagen einst am Rande des Siedlungsgebietes. Heute liegt das Quartier Feldbreite mitten in Emmenbrücke, im Dreieck zwischen dem Schwimmbad Mooshüsli und den modernen Einkaufszentren Wohncenter Emmen und Emmen Center und in der Nähe der Autobahn. An einem Ort, den man besser nutzen könnte, findet die Gemeinde.

«Zentrumsnah mit Qualität»

Der Grossteil der Häuschen soll deshalb innerhalb der nächsten 15 Jahre einer neuen Überbauung weichen. Einem Quartier, das «ideal ist für junge mobile Leute, die zentrumsnah, aber mit hoher Lebensqualität wohnen wollen», erklärt der CVP-Politiker. Kurz: Ideal für «urbanes Wohnen». Mit solchen Wohnprojekten will Emmen seine Bevölkerungsstruktur verändern und gute Steuerzahler in die Gemeinde locken. «Ein Problem von Emmen ist, dass zuviel günstiger Wohnraum vorhanden ist», erklärt Willi. Das ziehe vor allem Leute mit tiefem Einkommen an. Und das drückt auf die Gemeindefinanzen.

Emmen konnte seine Bilanz zwar verbessern. Schulden hat die Stadt nach wie vor. Die Finanzprobleme sind aber nur ein Grund für die Projekte, wie Willi erklärt. Ein anderer ist das Image der Gemeinde, das unter dem Debakel mit den an der Urne verweigerten Einbürgerungen Anfang Jahrtausend gelitten hat. «Der Imageschaden hat uns aufgerüttelt.»

Vertrauen wieder hergestellt

Angst vor Überfremdung und Arbeitslosigkeit, aber auch Probleme mit Leuten vorab aus dem ehemaligen Jugoslawien hätten zum damaligen Abstimmungsverhalten geführt, sagt Willi. Der Ausländeranteil war seit den 1990er Jahren rasant gestiegen, ebenso die Arbeitslosigkeit. Stärkste Partei in Emmen ist die SVP.

Der Ausländeranteil sei mit 30 Prozent heute zwar sogar ein wenig höher als damals. «Wir konnten aber einiges gut machen in der Wahrnehmung der Bevölkerung und in der Integration.» Geholfen habe beispielsweise die seit 2005 tätige Bürgerrechtskommission.

Integration geschehe aber vor allem auch in der Schule und im Sport. Die Gemeinde fördert deshalb die zahlreichen Sportvereine. Zentral ist für Willi aber auch die Sprache. Vor einem Jahr lancierte der ebenfalls im Zuge der Imagepflege gegründete «Verein Zukunftsgestaltung Emmen» Deutschkurse für Migrantinnen.

Trotz allem bleibe die Integration eine Herausforderung. Willi: «Natürlich könnte man noch viel mehr machen. Alles können wir aber auch nicht finanzieren.»

SP: Klima unverändert

Die Bürgerrechtskommission leiste zwar gute Arbeit und habe die Einbürgerungsthematik entschärft. «Das Klima in Emmen hat sich aber nicht verändert», sagt Hanspeter Herger, Präsident der SP Emmen. «Die Angst vor Überfremdung ist immer noch da.» Nur spreche niemand darüber. Seit Emmen ins Kreuzfeuer der Kritik geraten sei, hüte man sich, etwas Schlechtes über die Gemeinde oder zum Thema Ausländer zu sagen. Anstatt das Multikulturelle der Gemeinde positiv zu nutzen, spreche der Gemeinderat lieber von Imageförderung.

Es sei schon nicht so, dass die Gemeinde nichts mache für die Integration, betont der Sozialarbeiter. «Für eine Stadt mit 27'000 Einwohnern und verglichen mit anderen Gemeinden ist es aber nicht genug.»

(ht/sda)

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