Eine Beziehungshilfe namens «Krokodile küsst man nicht»
publiziert: Samstag, 7. Jul 2007 / 14:41 Uhr / aktualisiert: Samstag, 7. Jul 2007 / 15:03 Uhr

San Francisco/Düsseldorf - Rezension: Streiten folgt dem Prinzip des primitivsten Teil des Gehirns. In jedem Menschen ist die Kampf- und Fluchtreaktion angelegt.

Folgt man den Ausführungen des US-Paar-Psychologen Don Ferguson, so gründet dieses Verhalten im primitiven Teil unseres Gehirns, dem Reptilienhirn. Wenn es uns gelingt, dieses Reptilienhirn zu überlisten, also Nörgeln, abfälligen Bemerkungen und Aggressivität zu unterlassen, findet man leichter in eine harmonische Partnerschaft. Im Ratgeber «Krokodile küsst man nicht», das beim Patmos-Verlag erschienen ist, geht Ferguson mit viel Humor an das Thema heran.

Ohne Beispiele geht es wahrscheinlich nicht, dieses primitive Denken an die Oberfläche zu bringen und es zu erklären. Ferguson weiss wovon er spricht, denn schon in den ersten Zeilen des Buches schreibt er von den vielen guten Ratschlägen, die es für Partner in der Krise gibt. Die Umsetzung der guten Ratschläge sei allerdings das Schwierigste. Ein Grund des Scheiterns ist für Ferguson das immer wieder durchdringende «Reptilienverhalten». Das Scheitern so vieler Paare sei auch auf den selbst auferlegten Druck zurückzuführen.

Nicht voreilig handeln

«Wenn Sie und Ihr Partner in einer Liebesbeziehung schon einige Fehlschläge erlebt haben, dann werden Sie zunächst einmal verschiedene Hindernisse aus dem Weg räumen müssen, ehe Sie sich sicher genug fühlen, um mehr Intimität wagen zu können. Verfrühte Anläufe, einander in die Augen zu schauen oder mehr Zeit miteinander zu verbringen, werden aber die Spannungen zwischen Ihnen nur weiter verschärfen», schreibt der Autor.

Es gelte zunächst, die emotionale Intensität und die Ängste zu dämpfen. Ferguson zieht den Schluss, dass an eine solche Liebesbeziehung zunächst ähnlich wie an eine Geschäftsbeziehung herangegangen werden müsse.

Eine Voraussetzung dafür, dass man bei der Arbeit der Paarbeziehung vorankommt, ist die Schaffung des Gefühls der Sicherheit und Gemeinsamkeit. Dabei betont Ferguson auch manche «Stolpersteine» in der Evolution einer «schief laufenden» Beziehung.

«Konzentrieren sie sich, wenn sie in Ihrer Paarbeziehung etwas bewegen möchten, nicht darauf den Partner zu ändern - was unmöglich ist -, sondern auf sich selbst. Sie sind der einzige Mensch, den sie verändern können, und deshalb stehen sie bei diesem ersten Schritt im Blickpunkt», schreibt Ferguson.

Das eigene Ich kritisch betrachten

Die kritische Auseinandersetzung des eigenen Ichs, ist für den Autor jedenfalls ein wesentlicher Bestandteil der Therapie. Dabei beginnt diese Selbstanalyse beim eigenen Wohlergehen, der Frage nach den Reaktionen auf Stress, dem Muster der Paarbeziehung sowie der Analyse der eigenen familiären Vorgeschichte.

«Wenn Sie sich mit der Geschichte Ihrer Herkunftsfamilie befassen, werden Ihnen vielleicht einige interessante Ideen zu ihrem Denken, Fühlen und Handeln innerhalb ihrer eigenen Paarbeziehung kommen.» Schlussendlich geht es in der Selbstanalyse aber auch darum, Rituale und Traditionen der Herkunftsfamilien beider Partner und auch der Beziehungen zwischen den beiden Familien zu erkennen und zu besprechen.

Ferguson lässt den Leser auch kritisch den so genannten «psychologischen Kontrakt» - das sind die realistischen wie auch die realitätsfernen Erwartungen von zwei Menschen in einer Beziehung - hinterfragen. «Der grösste Teil des Kontrakts wird niemals in Worte gefasst, vor allem weil er eine Vielzahl bewusster und unbewusster Annahmen einschliesst. Liebende, die eine feste Beziehung eingehen, reden gewöhnlich nur über die grossen offensichtlichen Themen, doch dabei bleiben sie selbst oft an der Oberfläche.» Auch hier verweist der Autor auf ein Defizit im Informationsaustausch. Und dieser bietet einen guten Nährboden für eine Vielzahl von Konflikten.

In den wirklich gut recherchierten und plausibel dargebrachten Fallbeispielen werden die Defizite deutlich und offensichtlich gebracht. Ferguson bleibt dabei ernst, unterstreicht seine nachvollziehbaren Theorien allerdings immer mit einem Funken Humor. Damit bekommt das 5-Stufen-Deeskalationsprogramm zum reiferen Konfliktverhalten auch eine tiefe Spur der Menschlichkeit.

(dl/pte)

 
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