Zum 25. Todestag von Serge Gainsbourg
Eine Hommage an den Prinz der untergehenden Sonne
publiziert: Montag, 29. Feb 2016 / 08:49 Uhr

Nichts ist oder war wie Serge Gainsbourg. Eigentlich hässlich, versoffen und versaut, legte der Franzose die schönsten Mädels der Welt flach. Es war die Magie in seiner Musik, die ihn so unwiderstehlich machte. Serge Gainsbourg starb am 2. März 1991.

1 Meldung im Zusammenhang
SHOPPINGShopping
Serge GainsbourgSerge Gainsbourg
Es war einmal. Irgendwo in Paris. Im Jahr 1928. Da lag das Kind russisch-jüdischer Emigranten in schmutzigen Lappen. Lucien Ginsburg hiess der Balg, den seine Kindheit mitten durch die Hölle des zweiten Weltkriegs schleifte. Die Nazis zwangen ihn und seine Familie, einen Stern am Arm zu tragen. Lucien Ginsburg begann irgendwann Lieder zu schreiben, für sich, für andere. Und wurde damit einer der begehrtesten Männer der Welt. Sein Bett war eine Art Bermuda-Dreieck für die Frauen, die anderen Männern höchstens in feuchten Träumen erscheinen.

Klein-Serge durchlief eine harte Kindheit. Und dass er ein Gesicht hatte wie der Glöckner von Notre-Dame machte die Sache auch nicht einfacher. Immerhin durfte er Klavierunterricht nehmen, da sich auch Daddy als Jazz-Pianist einen Zustupf verdiente. Wenigstens bis 1941: In letzter Sekunde rettete sich die Judenfamilie aus den Fängen der einmarschierenden Möchtegern-Ariern. Erst als Berlin in Trümmern lag, kehrten die Ginsburgs an den Fuss des Eiffelturms zurück.

Die Tage verbrachte der Kunstschüler Serge mit Pinsel und Leinwand, nachts jagte er im Pariser Rotlichtrevier Pigalle den Kätzchen nach. Irgendwann blieb er an den Lippen einer gewissen Elisabeth Levitsky hängen, schleppte sie mit nach Hause und 1951 vor den Traualtar. Der Maître zeugte eine Tochter und einige Bilder, die niemanden interessieren. Also klimperte er als Pianist durch die Bars und begann, unter dem Decknamen Julien Grix eigene Lieder zu basteln.

Der Bund fürs Leben hinderte den verkannten Maler nicht daran, sich kreuz und quer durch die Pariser Mädchenzimmer zu vögeln. 1958 setzte ihn seine Frau vor die Tür. Im gleichen Jahr tauchte erstmals der Name Serge Gainsbourg auf, als einer der ersten Europäer wagte er sich an die Reggae-Rhythmen aus Zentralamerika. Doch die selbst geröchelten Lieder erzielten nur Achtungserfolge. Da sich sein Aussehen nicht besonders verkaufsfördernd auswirkte, vertickte er Lieder an Chanson-Schnitte Juliette Gréco.

«Les Sucettes» ist der Wegweiser in Richtung Skandal-Karriere. Serge Gainsbourg liess das 16-jährige Blondie France Gall eine doppeldeutige Hommage an den Oral-Sex säuseln. Frankreich war empört, die Damenwelt entzückt. Mit Régine, Valérie Lagrange, Petula Clark, Marianne Faithfull und Brigitte Bardot machte Serge Gainsbourg Lieder und wohl noch einige andere Dinge. Erwartungsgemäss blieb auch des Meisters zweites Eheweib nur ein paar Nächte.



Die Tränen nach der Trennung wischte sich Serge Gainsbourg mit den blonden Locken von Sexbombe Brigitte Bardot ab. Er beschloss, die Konzerte sein zu lassen und zeigte sein Gesicht nur noch auf den Titelseiten der Boulevardblätter. Mit einigen Hits im Gepäck liess Brigitte Bardot ihren Serge bald wieder allein, weil dieser von Monogamie immer noch nichts hielt. Zum Abschied schrieb er «Initials B.B.»: «Elle ne porte rien d'autre qu'un peu d'essence de Guerlain dans les cheveux.»



Ende der 60er landete Jane Birkin auf der Matratze von Serge Gainsbourg. Sie könnte seine Tochter sein. Während sie sich gegenseitig vernudelten, entstand die Stöhn-Hymne «Je t'aime ... moi non plus». Die Sittenwächter rund um den Globus protestieren, der Boss der Plattenfirma wanderte hinter Gitter. Jane Birkin steckte ihrem Mentor den dritten Ehering an den Finger, liess sich von ihm nackt Fotografieren und schenkte ihm Tochter Charlotte. Der Schnaps schwemmte Serge Gainsbourg immer weiter in die dunklen Abgründe seiner Person, mit «Rock around the Bunker» widmete er dem Nazi-Regime ein ganzes Album. Dem Personenkult tat das keinen Abbruch.



Musikalisch neue Wege beschritt Gaisnbourg 1979 mit seiner Hinwendung zum Reggae. Als «Skandal» empfanden viele Franzosen dabei seine Reggae-Version ihrer Nationalhymne La Marseillaise, die er 1979 als Single «Aux armes et cætera» veröffentlichte. Ebenfalls 1979 ging Serge Gainsbourg erstmals seit 1963 wieder auf Tour, um seine Lieder live zu präsentieren. Berühmtheit erlangte sein Auftritt in Strasbourg 1980, bei dem zahlreiche Fallschirmjäger der französischen Armee ihn davon abhalten wollten, die «Marseillaise» als Reggae zu spielen. Gainsbourg trat ohne seine Musiker auf die Bühne und sang mit dem Publikum a-capella das Original.



Ab Ende der 70er-Jahre schuf und perfektionierte Gainsbourg sein Alter-Ego Gainsbarre, den dauerrauchenden Kampftrinker und Nachtclub-König, den er in seinem Lied Ecce Homo (1981) in allen Einzelheiten beschrieb. Er war der Gegenpart des zeitlebens von Selbstzweifeln geprägten Gainsbourg. Gainsbarre ergriff jedoch im Laufe der 80er-Jahre zunehmend Besitz von Gainsbourg, der nun mehrfach wegen der Folgen seines Alkoholismus im Krankenhaus behandelt werden musste. Gainsbarre war es auch, der 1984 in einer Talkshow einen 500-Francs-Schein verbrannte oder die junge Whitney Houston in einer anderen Talkshow fragte, ob sie mit ihm bumsen will.



Obwohl es vielleicht eine andere Persönlichkeit war, die soff und rauchte, so war es immer noch Gainsbourg Körper, der die Folgen des Saufens und Kettenrauchens zu tragen hatte. Am 2. März 1991 starb Gainsbourg an einem Herzinfarkt. Er wurde neben seinen Eltern auf dem Friedhof Montparnasse in Paris unter grosser öffentlicher Anteilnahme beigesetzt. Sein Grab zählt zu den meistbesuchten und wird regelmässig mit Blumen, Gedichten und Bildern geschmückt. Daneben dekorieren seine Fans das Grab auch mit Zigaretten, Métro-Fahrkarten und Whiskey-Gläsern.

Im Shop von Klang & Kleid gibt es den einen oder anderen Film mit Serge Gainsbourg zu kaufen.

(jz/news.ch)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Es war am 2. März 1991 als Serge Gainsbourg seine glasigen Glubschaugen für immer schloss. Berühmt wurde Serge Gainsbourg ... mehr lesen

Serge Gainsbourg

Diverse Produkte rund um den legendären Musiker & Filmemacher
DVD - Unterhaltung
SLOGAN - DVD - Unterhaltung
Regisseur: Pierre Gimblat - Actors: Serge Gainsbourg, Jane Birkin, And ...
29.-
DVD - World Cinema Drama
JE T'AIME MOI NON PLUS - DVD - World Cinema Drama
Regisseur: Serge Gainsbourg - Actors: Jane Birkin, Joe Dallesandro, Hu ...
37.-
Nach weiteren Produkten zu "Serge Gainsbourg" suchen
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 20
Der Umsatz mit fair gehandelten Produkten hat zugenommen.
Der Umsatz mit fair gehandelten Produkten hat zugenommen.
Umsatzplus bei Max Havelaar  Zürich - Schweizerinnen und Schweizer haben 2015 für 520 Millionen Franken fair gehandelte Produkte mit dem Label Max Havelaar eingekauft. Den Löwenanteil davon machten Bananen und Blumen aus, teilte die Fairtrade Organisation am Mittwoch mit. mehr lesen 
Nur noch Convenient-Shops sollen die Plastiksäcke anbieten  Bern - Wegwerf-Plastiksäcke sollen in der Schweiz doch nicht verboten werden. Die Branche hat offenbar ... mehr lesen  
Zur Debatte stehen die weissen Säckchen, die an den Kassen der Detailhändler gratis abgegeben werden.
Posters, Vinyls und vieles mehr  Wer hätte gedacht, dass man mit einer näselnden Nuschelstimme und einer nervigen Mundharmonika Abermillionen Platten verkaufen kann. Bob Dylan ist nach bald 60 Jahren Showbiz und mehr als 4'000 Konzerten die grösste noch lebende Folk-Legende. mehr lesen  
Bald im Manor erhältlich  Bern - Die französische Kosmetikkette Sephora will dank Manor in der Schweiz Fuss fassen. Die beiden Unternehmen setzen auf ein Shop-in-Shop-Konzept für die Manor-Warenhäuser. mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • Kassandra aus Frauenfeld 1780
    Motor hinten oder vorne war dem Tram in Basel völlig egal! Ob ein Auto über- oder untersteuert, ist nicht von der Lage des Motors ... Mi, 01.06.16 10:54
  • Mashiach aus Basel 57
    Wo bleibt das gute Beispiel? Anstatt sichere, ÜBERSTEUERNDE Heckmotorwagen zu fahren, fahren sie ... Mo, 30.05.16 11:56
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Zugang "Das sunnitische Saudi-Arabien, das auch im Jemen-Konflikt verstrickt ... So, 29.05.16 22:06
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Pink Phanter-Bande? Am 25. 7. 2013 hat eine Befreiung von Pink Panther-Mitglied Milan ... So, 29.05.16 15:38
  • Kassandra aus Frauenfeld 1780
    ja, weshalb sollte man solches tun? Ist doch krank, Gott zu beschimpfen! Das hat etwas, ... So, 29.05.16 12:12
  • Gargamel aus Galmiz 10
    Warum sollte man überhaupt den Glauben an Gott beschimpfen oder verspotteten? Wie krank ... So, 29.05.16 10:11
  • Kassandra aus Frauenfeld 1780
    Wir sind ja alle so anders als diese "Flüchtlinge". Warum sind auch nicht alle so edel, wie ... Sa, 28.05.16 20:25
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Es... ist ja noch nicht so lange her, als dass einem das alternde aber gut ... Fr, 27.05.16 21:37
Unglücksfälle Zorn über Tötung von Gorilla in US-Zoo Cincinnati - Die Tötung eines Gorillas im Zoo der ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute So Mo
Zürich 11°C 20°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bewölkt, etwas Regen recht sonnig
Basel 13°C 18°C stark bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
St. Gallen 13°C 19°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig stark bewölkt, Regen freundlich
Bern 12°C 18°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bewölkt, etwas Regen recht sonnig
Luzern 12°C 20°C Wolkenfelder, kaum Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig bewölkt, etwas Regen freundlich
Genf 13°C 17°C wechselnd bewölkt, Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich recht sonnig
Lugano 15°C 17°C bewölkt, etwas Regenleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten