'Eine Medaille ist ein Riesentraum'
publiziert: Donnerstag, 12. Mai 2005 / 08:01 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 12. Mai 2005 / 08:36 Uhr

Die Schweiz steht im achten WM-Turnier unter Ralph Krueger zum sechsten Mal unter den Top 8 der Welt.

Fischer: "Ich bin zum Beispiel mit meinen 29 Jahren schon einer der ältesten Stürmer."
Fischer: "Ich bin zum Beispiel mit meinen 29 Jahren schon einer der ältesten Stürmer."
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Business as usual, könnte man meinen, es stimmt aber nicht: So gefestigt wie heuer war das Team unter dem Deutsch-Kanadier noch nie. Der Medaillentraum wird immer realistischer.

Vier Spiele an fünf Abenden oder 240 Netto-Eishockey-Minuten innerhalb von 98 Stunden gegen Deutschland, Russland, die Slowakei und Weissrussland inklusive zweier "Alles-oder-nichts-Spiele": Der absurde WM-Spielplan forderte dem Schweizer Team zwischen Donnerstag und Montag alles ab.

Rückschläge weggesteckt

Erschwerend hinzu kamen mehr oder minder gravierende Verletzungen von Leistungsträgern wie Severin Blindenbacher, Thomas Ziegler und Adrian Wichser, zudem fehlten ohnehin Martin Steinegger und Marcel Jenni. Das Krueger-Ensemble ging mit der Unbill aber sehr gut um und sicherte sich mit dem arg erzitterten 2:0 gegen Weissrussland den dritten Viertelfinalplatz hintereinander.

Stürmer Patrick Fischer freute sich am erholsamen ersten von zwei Ruhetagen vor dem Viertelfinal über die Reife der Mannschaft: "Es spricht für uns, dass wir all dies überwinden konnten." Früher hatten sich im helvetischen Lager Höhen und Tiefen in regelmässiger Reihenfolge abgewechselt, heute unterschreitet die defensiv grundsolid operierende SEHV-Auswahl selten mehr ein gewisses Grundniveau, auch dann nicht, wenn sie wie am Sonntag von einem (slowakischen) Wirbelsturm überrollt wird.

"Physisch hätten wir ein solches Pensum wohl auch früher schon durchgestanden, aber mental vermutlich nicht. Dass wir nicht mehr auseinander fallen, liegt auch daran, dass wir routinierter und älter geworden sind", so Fischer. "Ich bin zum Beispiel mit meinen 29 Jahren schon einer der ältesten Stürmer."

Die Wandlung zum Leader

Tatsächlich besteht das Gerippe der Mannschaft schon lange, fast zehn Spieler waren seit Beginn der Ära des Deutsch-Kanadiers praktisch immer dabei (Fischer, Mark Streit, Olivier Keller, Mathias Seger, Martin Plüss, Sandy Jeannin, Ivo Rüthemann sowie die derzeit verletzten Jenni und Steinegger).

Fischer selber gehört zu den Spielern, welche die jüngsten Fortschritte symbolisieren. In den Sturm-und-Drang-Jahren 1998 und 1999 bildete er zusammen mit Gian-Marco Crameri und Marcel Jenni die für die offensive Produktion verantwortliche Paradeformation.

Danach wurde es aber stiller um den polyvalenten Stürmer, der schon Meister mit Lugano und Davos geworden ist und seit zwei Jahren wieder an den Gestaden des Zugersees spielt. Gewohnt selbstkritisch blickt Fischer auf jene Zeit zurück: "Neben Crameri und Jenni war ich das dritte Rad am Wagen, sie haben die Musik gemacht." 2003 lief Fischer in Finnland primär neben Luca Cereda und Jenni auf. Er erinnert sich, dass "das gar nicht funktioniert hat".

Wichtige Treffer

Nach einer nicht reibungsfreien Akklimatisationszeit im lange kriselnden EVZ ist Fischer seit letztem Herbst das klare Aushängeschild in Sean Simpsons Ensemble. Und in diesem Turnier war er bisher auch (einer) der Leader im Schweizer Team: Fischer fordert den Puck, macht viel Druck, sucht den direkten Abschluss und hat auch schon zwei Tore und ein Assist beigesteuert.

Und beide Treffer waren wichtig: Gegen Kasachstan löste der 1:1-Ausgleich, aus spitzem Winkel erzielt, die mentale Blockade. Gegen Deutschland war das 3:1 elf Minuten vor Spielende gleichbedeutend mit der Entscheidung und der Verbannung des "Erzfeindes" in die Relegationsspiele.

Fischer ist sich seiner "Verwandlung" bewusst: "Ich habe mir jetzt die gleiche Rolle wie im Klub erkämpft. Ich bin ein offensiver Spieler und brauche die Scheibe." Gegen Weissrussland trug Fischer zum 160. Mal das Jersey mit dem Schweizer Kreuz, so erfolgreich wie in der letzten Zeit trat er aber noch selten auf. Er hat dafür eine einleuchtende Erklärung: "Ich habe meine Chance früher vielleicht auch nicht bekommen, habe mich aber auch nicht aufgedrängt."

Kruegers Wandlung

Gewandelt hat sich aber nicht nur das Team, sondern auch der Trainer. Fischer hat in Krueger Veränderungen ausgemacht: "Früher war er zum Teil pingeliger und auch mühsamer."

Der Ur-Zuger ist aber umgekehrt auch voll des Lobes über den dienstältesten Coach des WM-Turniers: "Er ist ein schlauer Mensch, der stark auf den Charakter schaut. In dieser WM-Vorbereitung sind wir sechs Wochen zusammen, da muss Harmonie da sein. Und wir haben wirklich viel Spass und einen sensationellen Teamgeist."

Grosse Bandbreite: von Medaille bis Platz 14

Die Schweizer Mannschaft hat sich zum dritten Mal hintereinander als erste Kraft neben den Top-7-Nationen etabliert und sich dabei ein Punktverhältnis von 7:5 erspielt. Logisch, dass die früher oft geäusserten Ansprüche auf den Gewinn einer Medaille nun wieder neue Nahrung erhalten.

Fischer will sich davon nicht blenden lassen: "Wir sind sicher so gut wie noch nie, aber alles ist so nahe zusammen. Wir können in den nächsten Jahren eine Medaille gewinnen, können aber auch wieder einmal auf Platz 14 abrutschen."

Fischer: "Alles ist möglich!"

Die starken Darbietungen des ganzen Winters inklusive der realisierten Olympia-Qualifikation lassen aber eher hoffen, dass die Schweizer in absehbarer Zukunft einmal am oberen Ende ankommen. Dies sieht auch die Nummer 21 so: "Es ist ein Riesentraum, mit diesem Team eine Medaille zu gewinnen. Möglich ist das schon. Mit den Goalies, dem Teamgeist und dem Glauben ist das Fundament jedenfalls gelegt."

Ein Sieg heute gegen Schweden, und die Schweiz wäre nur noch einen weiteren Erfolg vom historischen Medaillengewinn entfernt. Für Fischer kein Ding der Unmöglichkeit: "An einem Tag können wir alle schlagen." Also auch die Schweden, die am Dienstag beim 9:1-Schützenfest gegen Lettland noch einmal locker aufspielen konnten.

Fischer bleibt realistisch-zuversichtlich: "Sie haben trotz vieler Absenzen eine sehr schwere Gruppe gewonnen. Natürlich sind wir Aussenseiter, aber nicht mehr so krass wie früher. Wenn wir einen perfekten Match spielen, können wir sie schlagen."

(von Marco Keller, Wien/Si)

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