Eine Partei - zwei Modelle: Menem und Kirchner verfolgen verschiedene Wege aus der Krise
publiziert: Dienstag, 29. Apr 2003 / 10:10 Uhr

Buenos Aires - Die Peronisten haben die Wahl in Argentinien gewonnen - das steht nach der ersten Runde vom Sonntag fest. Wie das südamerikanische Land in den kommenden vier Jahren regiert wird, ist aber bis zur Stichwahl am 18. Mai völlig offen.

Dann treten der umstrittene Ex-Präsident Carlos Menem und der Provinzgouverneur Néstor Kirchner gegeneinander an. Beide gehören zur traditionellen Gerechtigskeitspartei (PJ), die sich auf den legendären früheren Präsidenten Juan Domingo Perón beruft. Sie sind sich nicht nur spinnefeind, sondern verfolgen auch völlig unterschiedliche Strategien.

Pfau gegen Oberlehrer

Argentinien werde zwischen zwei Modellen wählen müssen, sagte Kirchner in der Wahlnacht. Das eine verkörpert Menem, der mit gestrafften Falten und einer jungen Ex-Schönheitskönigin an seiner Seite im Alter von 72 Jahren auf ein Comeback hofft.

Für das andere steht der 19 Jahre jüngere Kirchner, der zwar als etwas farblos und oberlehrerhaft, dafür aber auch als seriös und solide gilt.

Die Aufgabe, der sich beide stellen wollen, ist immens: 57 Prozent der Menschen in dem einst so wohlhabenden Land lebt inzwischen in Armut und die Schuldenlast ist erdrückend.

Zudem haben die Argentinier genug von der etablierten Politikerklasse und inzwischen jedes Vertrauen in die Regierenden verloren. Nachdem sie Ende 2001 den damaligen Präsidenten Fernando de la Rúa mit Massenprotesten aus dem Amt getrieben hatten, werden sie auch dem neuen Staatschef mit Kochtopfgeschepper das Leben zur Hölle zu machen, sollte er nicht schnell eine Wende einleiten.

Liberalisierung

Menems Zauberwort für einen Ausweg aus der Misere heisst nach wie vor Liberalisierung. Während seinen ersten beiden Amtszeiten von 1989 bis 1999 erzielte er mit rücksichtslosen Privatisierungen und der Anbindung der Landeswährung Peso an den Dollar kurzfristige wirtschaftliche Erfolge.

Viele machen Menems Politik aber auch für die schwerste Wirtschaftskrise Argentiniens verantwortlich, von der sich das Land nach fünf Jahren erst jetzt allmählich zu erholen beginnt.

Gegen die Kriminalität, die in den vergangenen Jahren mit wachsender Armut zunahm, will Menem hart vorgehen, indem er notfalls das Militär auf die Strasse schickt. Aussenpolitisch will er sich an die USA anlehnen.

Arbeit, Produktion und Würde

Kirchner hat sich "Arbeit, Produktion und Würde" auf die Fahne geschrieben. Nach der Wahl rief er alle Teile der Gesellschaft auf, eine "Nationale Volksfront für den Fortschritt" zu bilden. Kirchner will den Einfluss des Staates wieder stärken, um die negativen Folgen des Neoliberalismus für die Bevölkerung abzumildern.

Dass er eine solide Wirtschaftspolitik betreiben kann, hat Kirchner in zwölf Jahren als Gouverneur der Provinz Santa Cruz in Patagonien unter Beweis gestellt. Die Arbeitslosenquote beträgt dort nur 2 Prozent, im gesamten Land dagegen fast 20.

Entscheidend für den Wahlausgang wird sein, auf welche Seite sich die unterlegenen Kandidaten schlagen. Die Wähler des Rechtsliberalen Ricardo López Murphy, der in Buenos Aires die grösste Zustimmung erhielt, werden sich vermutlich für Menem entscheiden, die der Linken Elisa Carrió voraussichtlich eher für Kirchner.

(Daniel Merolla/afp)

 
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