Eine Triple-Jagd und ein Abschied
publiziert: Samstag, 26. Aug 2006 / 00:05 Uhr

Ein mögliches erneutes Finalduell zwischen Roger Federer und Rafael Nadal, der Abschied von Legende Andre Agassi und ein offenes Frauen-Tableau mit prominenter Schweizer Beteiligung: Das US Open verspricht viel Spektakel.

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Viele Augen werden im New Yorker Stadtteil Queens ab Montag auf die Schweizer Vertretung gerichtet sein, die (auch) aufgrund des Rankings zu so grossen Hoffnungen Anlass gibt wie noch nie.

Seit der Rückkehr von Martina Hingis in den erlauchten Kreis der Top 10 stellt unser kleines Land drei von insgesamt 20 Top-10-Spieler(inne)n weltweit, mehr weist derzeit nur Russland auf (5), weniger aber unter anderem die Grossmächte USA, Spanien (je 2) oder Frankreich (1).

Federer mit guter Auslosung

Nachdem er bei den ersten vier Starts im «Big Apple» nie die Achtelfinals überstanden hatte, konnte Roger Federer auch in New York den Schalter umlegen. 2004 und 2005 gewann er den Titel mit beeindruckendem Tennis und schaltete dabei zweimal (im Viertelfinal, respektive Endspiel) Agassi aus, der im Zenit seines Könnens stand.

Der Finalsieg im Vorjahr in der elektrisierend-emotionalen Atmosphäre des 11. Septembers wird dabei eine der unauslöschlichsten Erinnerungen in der Karriere des Baselbieters bleiben.

Trotz der Niederlage gegen Andy Murray in Cincinnati konnte Federer beruhigt nach New York reisen. Mit dem Turniersieg in Toronto im Gepäck bewies er, dass er einmal mehr «the man to beat» ist. In Flushing Meadows dürfte er auch nach dem Start gegen den Taiwanesen Yeu-Tzuoo Wang eine eher geruhsame Anfangsphase verbringen.

Erstmals Gefahr drohen könnte im Achtelfinal von der zuletzt erstarkten ehemaligen Weltnummer 1 Juan Carlos Ferrero. Mögliche Viertelfinalgegner wären der in seiner Heimatstadt stets besonders gefährliche Publikumsliebling James Blake (USA/5) oder Tomas Berdych (Tsch/12), eventuelle Halbfinalgegner könnten David Nalbandian (Arg/4), Fernando Gonzalez (Chile/10), Nikolai Dawydenko (Russ/7) oder Andy Murray (Eng/17) sein.

Nadals schwieriger Weg

Nadal, der in New York noch nie über die 3. Runde hinausgekommen ist, steht vor einem sehr schwierigen Parcours, der gegen den unberechenbaren Mark Philippoussis (ATP 113) beginnt. In den Sechzehntelfinals würde wohl Gael Monfils (Fr/31) warten, in den nächsten Runden möglicherweise Jarkko Nieminen (Fi/13) und Tommy Robredo (Sp/6). Ebenfalls in diesem Tableauviertel befindet sich Stanislas Wawrinka, der gegen Juan Ignacio Chela startet.

Der Mallorquiner strahlte zuletzt nicht so viel Selbstvertrauen aus wie gewohnt: Er wartet seit dem French Open auf einen Turniersieg und unterlag in den beiden letzten Turnieren Berdych und Ferrero. Immerhin machte er nach dem Viertelfinal-Out in Cincinnati nicht den Fehler der Vorjahre. Nadal reiste diesmal nicht nach Mallorca zurück, sondern bereitete sich in New Haven vor.

Agassi überstrahlt alles

In der Anfangsphase werden aber fast alle Scheinwerfer auf einen Mann gerichtet sein. Der mittlerweile 36-jährige Andre Agassi bittet zu seiner letzten grossen Gala. Der einzige Mann der Open Ära, der alle vier Grand-Slam-Turniere gewann, hatte zuletzt allerdings viele Probleme und musste für Toronto und Cincinnati wegen Rückenproblemen absagen.

Agassi spielt ununterbrochen zum 21. Mal seit 1986 (Startniederlage gegen Jeremy Bates) bei seinem Heim-Major, das er zweimal (1994 und 1999) gewonnen hat.

Jedermann würde dem einstigen Paradiesvogel einen perfekten Abschied (und viele auch den Turniersieg) wünschen, aber das Los hat es mit der auf Weltranglistenplatz 37 zurückgefallenen Ikone nicht gut gemeint. Nach dem Startspiel gegen Alexander Waske käme es schon in der 2. Runde zum ersten ´Schocker´ gegen Melbourne-Finalist Marcos Baghdatis (Zyp/8).

Auch anschliessend könnte der Ehemann von Steffi Graf nicht aufatmen. Er ist in eines der stärksten Tableau-Viertel aller Zeiten eingeteilt, dem auch der seit kurzem von Jimmy Connors betreute und wieder deutlich verbesserte Andy Roddick (USA/9), Lleyton Hewitt (Au/15), die Aufsteiger Novak Djokovic (Ser/20) und Richard Gasquet (Fr/25) sowie Ivan Ljubicic (Kro/3) angehören.

Hingis und Schnyder im erweiterten Favoritenkreis

Wie eigentlich immer wird das Frauentableau am Anfang im Schatten des Männerevents stehen. In Absenz der verletzten Titelhalterin Kim Clijsters (Handgelenk) liegt die Favoritenrolle bei den Frauen bei Wimbledon-Siegerin Amélie Mauresmo (Fr/1), Paris-Championne Justine Henin-Hardenne (Be/2) und Maria Scharapowa (Russ/4). Dahinter folgt etwa ein weiteres halbes Dutzend Spielerinnen mit Siegchancen, darunter auch die beiden Schweizerinnen.

Die als Nummer 7 gesetzte Patty Schnyder, die bis auf New Haven eine gelungene US-Tour hinter sich hat, bestreitet ihr 40. Major-Turnier in Folge und damit ein schönes Jubiläum. Ihr erklärtes Ziel ist es, «möglichst weit zu kommen», allerdings hat auch sie keine einfache Auslosung. In den Achtelfinals könnte sie auf Lindsay Davenport treffen, im Viertelfinal auf Henin.

Auch der Montreal-Finalistin Hingis stellen sich ab den Achtelfinals (Dinara Safina) Stolpersteine in den Weg. In der Runde der letzten Acht, die sie heuer bei den Majors noch nie überstanden hat, würde es schwierig (Mauresmo, Ana Ivanovic oder Serena Wiliams), in den Halbfinals nicht einfacher (Scharapowa).

Einzel-Finals seit 1990

Männer-Einzel
1990: Pete Sampras s. Andre Agassi 6:4, 6:3, 6:2.
1991: Stefan Edberg s. Jim Courier 6:2, 6:4, 6:0.
1992: Stefan Edberg s. Pete Sampras 3:6, 6:4, 7:6, 6:2.
1993: Pete Sampras s. Cédric Pioline 6:4, 6:4, 6:3.
1994: Andre Agassi s. Michael Stich 6:1, 7:6, 7:5.
1995: Pete Sampras s. Andre Agassi 6:4, 6:3, 4:6, 7:5.
1996: Pete Sampras s. Michael Chang 6:1, 6:4, 7:6.
1997: Patrick Rafter s. Greg Rusedski 6:3, 6:2, 4:6, 7:5.
1998: Patrick Rafter s. Mark Philippoussis 6:3, 3:6, 6:2, 6:0.
1999: Andre Agassi s. Todd Martin 6:4, 6:7, 6:7, 6:3, 6:2.
2000: Marat Safin s. Pete Sampras 6:4, 6:3, 6:3.
2001: Lleyton Hewitt s. Pete Sampras 7:6, 6:1, 6:1.
2002: Pete Sampras s. Andre Agassi 6:3, 6:4, 5:7, 6:4.
2003: Andy Roddick s. Juan Carlos Ferrero 6:3, 7:6, 6:3.
2004: Roger Federer s. Lleyton Hewitt 6:0, 7:6, 6:0.
2005: Roger Federer s. Andre Agassi 6:3, 2:6, 7:6, 6:1.

Frauen-Einzel
1990: Gabriela Sabatini s. Steffi Graf 6:2, 7:6.
1991: Monica Seles s. Martina Navratilova 7:6, 6:1.
1992: Monica Seles s. Arantxa Sanchez 6:3, 6:3.
1993: Steffi Graf s. Helena Sukova 6:3, 6:3.
1994: Arantxa Sanchez s. Steffi Graf 1:6, 7:6, 6:4.
1995: Steffi Graf s. Monica Seles 7:6, 0:6, 6:3.
1996: Steffi Graf s. Monica Seles 7:5, 6:4.
1997: Martina Hingis s. Venus Williams 6:0, 6:4.
1998: Lindsay Davenport s. Martina Hingis 6:3, 7:5.
1999: Serena Williams s. Martina Hingis 6:3, 7:6.
2000: Venus Williams s. Lindsay Davenport 6:4, 7:5.
2001: Venus Williams s. Serena Williams 6:2, 6:4.
2002: Serena Williams s. Venus Williams 6:4, 6:3.
2003: Justine Henin-Hardenne s. Kim Clijsters 7:5, 6:1.
2004: Swetlana Kusnezowa s. Jelena Dementjewa 6:3, 7:5. -
2005: Kim Clijsters s. Mary Pierce 6:3, 6:1.

(von Marco Keller/Si)

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