Bacsinszky bestklassierte Schweizerin
Eine neue alte Schweizer Nummer 1
publiziert: Donnerstag, 22. Jan 2015 / 12:11 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 22. Jan 2015 / 15:24 Uhr
Bacsinszky ist die neue Schweizer Nummer eins.
Bacsinszky ist die neue Schweizer Nummer eins.

Nach Roger Federer trotzten auch Timea Bacsinszky und Stan Wawrinka der australischen Sommerhitze und zogen in Melbourne in die Sechzehntelfinals ein. Timea Bacsinszky ist nach dem Australian Open wieder die am besten klassierte Schweizer Spielerin.

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Timea Bacsinszky (WTA 41) besiegte auf Court Nummer 19, einem der entlegensten Aussenplätze im Melbourne Park, die für die USA spielende Georgierin Anna Tatishvili (WTA 141) nach 140-minütigem Abnützungskampf 6:7 (5:7), 6:3, 6:2. Die 25-jährige Lausannerin liess sich nach dem verwandelten Matchball rücklings auf den Platz fallen und feierte den Sieg ähnlich enthusiastisch wie 16 Stunden vorher Rafael Nadal jenen über Tim Smyczek. Wer Bacsinszkys Vorgeschichte nicht kennt, der hätte sich über diese ausgelassene Freude nach einem Sieg gegen eine 100 Plätze schlechter klassierte Gegnerin wundern können. Allerdings standen auch nicht viele Kiebitze rund um den Court, die sich wundern wollten.

Vor dem Spiel hatte sich Bacsinszky gewundert - über Westschweizer Chronisten. Die hatten sie nach dem Erfolg vom Dienstag über Jelena Jankovic und vor dem Zweitrundenspiel gegen Tatishvili schon im Achtelfinal gegen Serena Williams gesehen. «Ihr seid schon witzig», hielt sie ihnen später vor. «Ich habe bis heute einmal in meinem Leben an einem Grand-Slam-Turnier ein Zweitrundenspiel gewonnen. Und ihr seht mich nach dem Startsieg schon gegen Serena...»

Kann über Kritik lachen

Aber selbst diese «Kritik» brachte Bacsinszky mit einem Lachen vor. Diese bis gestern einzige Drittrundenqualifikation an einem Grand-Slam-Turnier geht ans US Open 2008 zurück. Und in den sechseinhalb Jahren seither ist viel passiert. Timea brach mit ihrem Vater, der während ihrer «ersten Karriere» die Fäden gezogen hatte. Sie war an den Knöcheln lange verletzt; die Zukunftspläne gingen Richtung Hotelfachschule und nicht mehr in Richtung Spitzensport. Seit fast zwei Jahren ist das aber wieder anders. Und Bacsinszky nähert sich nach Siegen über Scharapowa, Kvitova und Jankovic in den vergangenen dreieinhalb Monaten der besten Klassierung ihrer ersten Karriere (Platz 37 im Juni 2010) wieder an.

Bacsinszky, die 2013 und 2014 die unbedeutenden Schweizer Meisterschaften bestritten und gewonnen hat, behauptet, es spiele ihr keine Rolle, ob sie oder Belinda (Bencic) die beste Schweizerin im Ranking sei. «Solange ich im Turnier bleibe, interessiert mich nichts anderes. Und wenn ich Belinda überhole, dann hoffe ich, dass sie mich später auch wieder überholt und wir uns so gegenseitig in die Höhe treiben.» Das sind nicht einfach nur Floskeln der Lausannerin. Für Heinz Günthardt, den Schweizer Fedcup-Captain, ist Timea Bacsinszky mittlerweile das Vorbild für die Jungen schlechthin. «Sie macht den Jungen vor, wie man sich nach oben durchschlägt», sagt Günthardt. Und wo sieht der langjährige Coach von Steffi Graf die Grenzen für Bacsinszky? «Schwer zu sagen. Sie war vor fünf Jahren schon die Nummer 37 der Welt, ohne wirklich fit gewesen zu sein. Jetzt ist sie topfit. Und alleine mit dieser Qualität sind die Top 20 bei den Frauen möglich. Danach werden Fortschritte schwieriger.»

Trainer als Beobachter

Den nächsten Gradmesser stellt am Samstag die 21-jährige Garbine Muguruza aus Madrid dar. Die Spanierin belegt in der Weltrangliste Platz 24, Tendenz ebenfalls steigend, besiegte letzten Frühling in Roland-Garros die Weltranglistenerste Serena Williams 6:2, 6:2 und letzte Woche am Turnier in Sydney Agnieszka Radwanska (WTA 6). Weil Bacsinszky von Muguruza nichts wusste, schickte sie Dimitri Zvialoff, ihren Coach («Meiner Meinung nach einer der weltweit besten fünf Trainer») auf Beobachtungsposten, obwohl ihr eigenes Spiel gegen Tatishvili gleichzeitig stattfand.

Zavialoff, der einst Stan Wawrinka vom Nachwuchsspieler zum Top-10-Akteur formte, verpasste so Teile der Partie gegen Tatishvili, in der Bacsinszky nach einem Breakvorsprung und einem 3:0 im Tiebreak den ersten Satz verlor, dennoch nie die Ruhe verlor und sich noch in drei Sätzen durchsetzte. «Ich war eigentlich immer überzeugt, dass ich besser spiele als Tatishvili», sagte Bacsinszky. Im dritten Satz gönnte sich die müde Amerikanerin bei 0:3 eine mehrminütige Verletzungspause. «Aber selbst als sie danach zwei Spiele hintereinander gewann, blieb ich ruhig und positiv.»

Wawrinkas Ruhe im Sturm

Derweil Bacsinszkys Resultate überraschen, erreichte Stan Wawrinka, der Titelhalter am Australian Open, standesgemäss und ohne Satzverlust die 3. Runde. Sein zweiter Gegner, der Rumäne Marius Copil, spielte aber nicht wie eine Nummer 194 der Welt. Im ersten Satz schlug Copil dem bald 30-jährigen Romand ein Ass mit 242 km/h um die Ohren - der elftschnellste je gemessene Aufschlag und der härteste bislang am Australian Open. «Copil müsste besser klassiert sein», urteilte Wawrinka hinterher, «er schlägt unheimlich gut auf.»

Auf jeden Fall kam «Stan the Man» gegen Copil mit einem blauen Auge davon. Bis zum 7:6, 7:6, 3:3 hatte der Rumäne fünf Punkte mehr gewonnen als Wawrinka. Er nützte aber seine Chancen nicht. Was machte den Unterschied aus? Wawrinka: «Die harten Aufschläge überraschten mich nicht, die erwartete ich. Entscheidend war, dass ihm in den Tiebreaks drei Fehler unterliefen, während ich mir in der Schlussphase der Sätze Mühe gab, keine unnötigen Fehler zu machen.»

Wawrinka trifft am Samstag auf Jarkko Nieminen, die Nummer 72 der Welt. Vor zwei Jahren rangierte der 33-jährige Finne aber noch unter den Top 20. «Auch in diesem Spiel muss ich wieder gut aufpassen, um nicht überrascht zu werden.»

(nir/Si)

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