'Einen Leader kann man nicht einfach so festlegen'
publiziert: Freitag, 17. Jun 2005 / 07:43 Uhr

An den ersten Vorregatten des Jahres in Valencia sammelt America´s-Cup-Sieger Alinghi seit gestern Wettkampfpraxis. Zwei Jahre vor der Titelverteidigung meldet der deutsche Sportdirektor Jochen Schümann (51) den Wasserstand.

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Jochen Schümann, Sie wohnen seit Anfang März hier in Valencia. Haben Sie von der Stadt schon etwas anderes gesehen als das Hafenviertel?

Jochen Schümann: "Ein bisschen mehr als den Hafen schon. Wir haben ein paar Mountainbike-Enthusiasten im Team und haben an freien Tagen die eine oder andere schöne Tour in der Umgebung unternommen. Aber für die Stadt selber bleibt recht wenig Zeit. Auch das Lernen der Sprache kommt zu kurz. Teamsprache ist Englisch, und zu Hause redet jeder in seiner Muttersprache."

Sie befinden sich in Ihrer zweiten America´s-Cup-Kampagne mit Alinghi. Welche Rolle macht mehr Spass, jene des unbeschwerten Neulings oder jene des Titelverteidigers, der unter einem gewissen Druck steht?

Schümann: "Da gibt es eigentlich keinen Unterschied. Die Aufgabe ist in beiden Fällen äusserst schwierig. Logischerweise haben wir jetzt den Vorteil, dass wir ein etabliertes Team sind und auf einem sehr hohen Niveau mit den Vorbereitungen anfangen konnten. Wir starteten flüssig, hatten vom ersten Moment an gute Crews an Land und auf dem Wasser. Die neuen Teams dagegen schlagen sich zum Teil immer noch mit Personalfragen herum."

Ausser für die Neuseeländer ist der Cup mit dem Umzug von Auckland nach Valencia für alle Teams näher an ihre Heimat gerückt. Wie wirkt sich der neue Austragungsort sonst noch auf die Veranstaltung aus?

Schümann: "Die Rückkehr nach Europa bedeutet für den America´s Cup einen grossen Schritt und macht ihn zu einem moderneren Sportanlass. Es gibt ganz schön viel zu lernen, um den Cup zu einem der besten Events zu machen. Aber ich denke, wir sind auf einem guten Weg. Mit den Acts gibt es bis zum Beginn des Louis Vuitton Cup im April 2007 doch ein paar Highlights."

Die Vorregatten helfen aus sportlicher Sicht vor allem Alinghi. Ihr Team kann sich schon vor dem Cup ständig mit den Challengern vergleichen, was für den Titelverteidiger früher nicht möglich war.

Schümann: "Das ist nicht nur für uns ein Vorteil, sondern auch für alle anderen. Und am meisten bringt das neue Format dem Publikum. Bisher passierte vor dem Cup alles im Dunkeln, bevor die Cupjachten für ein halbes Jahr auftauchten, um dann sofort wieder von der Bildfläche zu verschwinden."

Liegen der Neuerung nicht in erster Linie kommerzielle Überlegungen zugrunde? Geht es den Veranstaltern nicht einfach um möglichst viel Publizität und zusätzliche Plattformen für die Sponsoren?

Schümann: "Wir wollen die Rennen auch für uns selber. Sie sind eine gute Motivation, ermöglichen einen guten Vergleich der Technologien und machen deshalb für alle viel Sinn."

Es ist mittlerweile ein Jahr vergangen, seit Skipper Russell Coutts seinen Rauswurf provoziert hat. Wer hat denn jetzt auf dem Boot das Sagen?

Schümann: "Das ist immer noch eine grosse Gruppe der Afterguard, die sich miteinander berät und die Inputs zusammenbringt, um dem Boot eine Richtung zu geben."

Bleibt das so, oder muss sich bis 2007 aus dieser Gruppe wieder eine klare Leaderfigur herauskristalisieren?

Schümann: "Das wird sicher passieren. Wir haben mit Peter Holmberg, Ed Baird und mir drei Steuerleute, die in den Vorregatten ihre Chance bekommen. Wir segeln zwar permanent Inhouse-Rennen gegeneinander. Doch das wirkliche Können eines Steuermanns zeigt sich nur in offiziellen Rennen, wo jeder Fehler für die ganze Welt sichtbar wird. Wir wollen den sportlich Leistungsstärksten zum neuen Leader aufbauen. Es gilt aber zu beachten, dass man einen Leader nicht einfach so festlegen kann. Das ist immer eine Frage der Akzeptanz und der Vorbildwirkung, die langsam wachsen müssen."

(Philipp Bärtsch/Si)

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