Einfach nur peinlich: 1:2 gegen Luxemburg
publiziert: Mittwoch, 10. Sep 2008 / 23:55 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 11. Sep 2008 / 06:42 Uhr

Die Schweizer Nationalmannschaft blamierte sich gestern im Zürcher Letzigrundstadion bis auf die Knochen. Das Team von Ottmar Hitzfeld bezog im zweiten WM-Ausscheidungsspiel gegen den krassen Aussenseiter Luxemburg eine sensationelle 1:2-Niederlage.

8 Meldungen im Zusammenhang
Dieser Flop hat historische Ausmasse: Letztmals bezog eine Schweizer Mannschaft vor zwölf Jahren in Aserbaidschen (0:1) eine ähnlich peinliche Niederlage. Doch an eine Blamage in solchen Dimensionen im eigenen Land mögen sich auch altgediente Fussball-Historiker nicht erinnern.

Ein solches Szenario haben sich wohl nicht einmal die Luxemburger in ihren süssesten Träumen vorgestellt: Auswärtssieg bei einem EM-Teilnehmer nach zwölf verlorenen WM-Ausscheidungsspielen in Serie. Der frühere Bundesliga-Profi Jeff Strasser hatte die Gäste in der 27. Minute mit einem nicht unhaltbaren Freistoss in Führung geschossen.

Nach dem Ausgleich von Blaise Nkufo (43.) mittels Kopfball nach einer Flanke von Hakan Yakin war Strasser in der 86. Minute auch am sensationellen Siegestreffer der Luxemburger massgeblich beteiligt. Strasser lancierte Alphonse Leweck mit einem Freistoss an der Mauer vorbei und dieser traf durch die Beine von Diego Benaglio hindurch ins Netz.

Ironie der Geschichte ist, dass Leweck schon für den letzten Sieg der Luxemburger am 13. Oktober 2007 gegen Weissrussland verantwortlich war. Davor hatten die Luxemburger zwölf Jahre auf einen Sieg warten müssen. Für Luxemburg war es der erste Vollerfolg über die Schweiz im zehnten Spiel. Neben acht Niederlagen hatte es einzig im März 1996 zu einem 1:1 über das damalige Team von Artur Jorge gereicht.

Erstmals wieder mit Frei

Wie schon am Vortag angekündigt, setzte Hitzfeld gegen die extrem defensiv erwarteten Luxemburger auf eine deutlich offensivere Formation als noch am letzten Samstag in Tel Aviv gegen Israel. Captain Alex Frei kehrte nach seiner dreimonativen Verletzungspause in den Angriff zurück und spielte damit erstmals von Beginn weg an der Seite von Nkufo. Hinter dem Zweimannsturm spielte mit Yakin ein dritter Angreifer und auch die beiden Aussenläufer Tranquillo Barnetta und Valentin Stocker waren vor allem als wichtige Flankengeber vorgesehen.

Während Stocker Barnettas Position im linken Mittelfeld einnahm, spielte der Leverkusener auf der rechten Seite für den angeschlagenen Valon Behrami, der wegen Adduktorenproblemen wie auch der erkrankte Benjamin Huggel nur auf der Tribüne Platz nahm. Von Hitzfeld eine Denkpause erhielt Stephan Lichtsteiner, der in Israel unglücklich agiert hatte und am 2:2-Ausgleichstreffer der Israeli in der Nachspielzeit mitbeteiligt gewesen war.

Kaum zwingende Chancen

Für übermächtigen Druck vermochte diese Formation jedoch nicht zu sorgen. Die Luxemburger standen mit neun Mann vor dem eigenen Strafraum und bildeten damit das befürchtete Abwehr-Bollwerk. Gerade drei halbe Chancen vermochten sich die Schweizer bis zum 1:1-Ausgleich Nkufos zu erarbeiten. Johan Djourou (1.), Frei (6.) und Nkufo (21.) schlossen ihre Versuche jedoch zu unpräzise ab, als dass der Luxemburger Goalie Jonathan Joubert hätte in ernsthafte Schwierigkeiten geraten können.

Besser machten es die Gäste, die nur einmal vor Diego Benaglio auftauchten und auch gleich skorten. Strasser liess sich die Chance zur Führung nicht entgehen und traf nach einem Foul Barnettas mittels Freistoss aus rund 20 Metern durch die hochspringende Schweizer Mauer hindurch zum sensationellen 1:0. Der Ball war jedoch zu wenig genau platziert, um ihn als unhaltbar taxieren zu können.

Es war ein Super-Gau für die Schweizer gegen einen nur das Spiel zerstörenden Gegner. Mit seinem zweiten Treffer unter Hitzfeld korrigierte Nkufo bis zur Pause die erste Peinlichkeit, doch das 1:2 im eigenen Stadion ist eine Riesen-Blamage und deckte bedenkliche und auch ungewohnte Schwächen auf.

Wie schon in Israel verfügte die Schweiz über zuwenig Erfahrung und Routine, um sich aus heiklen Situationen zu befreien. Sie war in keiner Phase fähig, Ordnung ins Spiel zu bringen und die Partie zu kontrollieren.

Teures Handicap

Zusammen mit den beiden in Tel Aviv in der Nachspielzeit verlorenen Punkten hat die Schweiz in dieser WM-Ausscheidung nach nur zwei Spielen jetzt bereits fünf Zähler verloren. Ein Handicap, das noch teuer bezahlt werden könnte.

Schweiz - Luxemburg 1:2 (1:1).
Letzigrund. -- 20 500 Zuschauer. -- SR Filipovic (Ser). -- Tore: 27. Strasser 0:1. 43. Nkufo 1:1. 86. Leweck 1:2.

Schweiz: Benaglio; Nef (73. Vonlanthen), Djourou, Grichting, Magnin; Inler; Barnetta, Yakin (65. Abdi), Stocker; Nkufo, Frei (65. Lustrinelli).

Luxemburg: Joubert; Kintziger, Hoffmann, Strasser, Mutsch; Lang (45. Leweck), Payal, Peters, Bettmer, Lombardelli (76. Gerson); Kitenge (66. Joachim).

Bemerkungen: Behrami, Derdiyok, Streller (alle verletzt), Huggel (krank), Coltorti, Von Bergen (alle auf der Tribüne). 89. Lattenschuss von Lustrinelli. Verwarnungen: 21. Kitenge (Foul), 29. Yakin (Unsportlichkeit), 36. Hoffmann, 45. Kintziger (beide Foul), 67. Lombardelli (Unsportlichkeit), 77. Lustrinelli (Foul), 77. Strasser (Reklamieren), 80. Reiter (Ersatzspieler/Reklamieren), 87. Vonlanthen (Unsportlichkeit).

(René Baumann, Zürich/Si)

Machen Sie auch mit! Diese news.ch - Meldung wurde von einer Leserin oder einem Leser kommentiert.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Vier Tage nach dem Test gegen den WM-Finalisten Holland spielt das Schweizer Fussball-Nationalteam am 15. November ... mehr lesen
Schweizer Fans.
An Alex Frei soll es nicht gelegen haben.
Der Absturz der auf dem Papier um ... mehr lesen
Ohne Grund, ohne Not, ohne Mut ... mehr lesen
Führt Ottmar Hitzfelds Truppe nun das Pleiten-Ranking an?
Häme, Spott und Kritik in den Medien.
National wurden die Schweizer nach ihrer 1:2-Blamage gegen Luxemburg mit Häme, Spott und Kritik überhäuft. mehr lesen
Die Schweizer Profis haben sich am ... mehr lesen 5
Die Resultattafel mit dem blamablen Schlussresultat.
Weitere Artikel im Zusammenhang
Nach dem Spiel äusserten sich ... mehr lesen 2
Trainer Ottmar Hitzfeld hat sich heute mächtig geärgert.
Der erst 19jährige Theo Walcott schoss gegen Kroatien drei Tore.
Zwei harsch kritisierte Trainer haben ... mehr lesen
Zur WM?
Ehrlich – hat so ein Team eine Berechtigung, an einer Weltmeisterschaft teilzunehmen?
Für das Nations League-Spiel gegen Belgien gibt es Schweizer Nati-Tickets für nur 25 Franken.
Für das Nations League-Spiel gegen Belgien gibt es Schweizer Nati-Tickets für nur 25 ...
Schnäppchen-preis  Für das kapitale Nations League-Spiel zwischen der Schweiz und Belgien am 18. November in Luzern gibt es sehr günstige Tickets. mehr lesen 
Brasilien patzt  Lionel Messi schiesst beim 2:0-Sieg von Argentinien gegen Bolivien in der südamerikanischen WM-Qualifikation sein 50. Länderspiel-Tor. ... mehr lesen  
Sein 50. Tor, im Nationaltrikot der Argentinier, war gleichzeitig das 499. Tor seiner Karriere.
EM-Qualispiel in Thun  Besiegen die aktuell drittplatzierten ... mehr lesen
Die Schweizer haben aus der letzten Begegnung mit England gelernt.
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    grüezi Wie lasterhaft Mitleid mitunter sein kann, beweisen Sie doch gerade ... Mo, 26.12.16 20:05
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Vom Tode träumt ein negrophiles Schäfchen doch ständig. Wenn tausende Frauen in England ... Mi, 28.09.16 11:58
  • HentaiKamen aus Volketswil 1
    Kommt wieder Aber leider eine RIESEN Verlust für Leser wie mich die nicht mit dem ... Sa, 13.08.16 01:13
  • keinschaf aus Wladiwostok 2826
    sogar nach dem Tode hat die Kassandra noch die grösste Schnauze... jaja, diese ... Fr, 12.08.16 16:30
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Wow, wie hat sich die gute Kubra gemausert! Ich danke auch Ihnen ganz persönlich für die vielen harten und ... Mi, 20.07.16 20:25
  • Pacino aus Brittnau 731
    Übrigens, wusstet ihr schon . . . . . . dass die Foren von AZ (Wanner), 20min. und Schweizer Fernsehen ... Mi, 29.06.16 15:20
  • PMPMPM aus Wilen SZ 235
    Und jetzt? Ist noch online...? Liebes news-Team, schade ist die Situation so, dass etwas aufhören ... Di, 28.06.16 22:43
  • kubra aus Berlin 3232
    Danke für die gelebte Pressefreiheit. Damit mein ich durchaus auch den ... Di, 28.06.16 16:09
Lyon siegte verdient.
Frauenfussball Wolfsburgs Frauen verpassen den Sieg Die Frauen-Equipe des VfL Wolfsburg mit den drei ...
 
News
     
Fussballschuhe sind Hightech-Produkte
Publinews Gute Fussballschuhe sind ein Must-Have für jeden Fussballer  Die Fussballschuhe sind unerlässlich zum Fussballspielen. Jeder Spieler braucht gute Fussballschuhe, trotzdem ... mehr lesen
Schweizer Flagge, Fussball
Publinews Fussballvereine unter Erfolgsdruck  Fussball ist ein Mannschaftssport mit einer grossen Fangemeinde - das ist allgemein bekannt. Seit nunmehr über 100 Jahren erfreut er sich einer beständigen ... mehr lesen
Grenzenlose Liebe und Treue für nicht irgendeinen Fussballverein, sondern den natürlich besten Klub der Welt.
Publinews Fan-Utensilien  Trikot, Schal und Fahne - Die Zeiten scheinen sich wohl nie zu ändern, in denen nicht das klassische Fanartikel-Trio eine ... mehr lesen
Fussball Videos
FIFA World Football Museum  Das FIFA World Football Museum direkt beim ...  
Neue Zeitrechnung für den Nati-Star  Granit Xhaka (23) wechselt zu Arsenal London in die ...  
Drei Mal in Folge «Europa League»-Sieger  Der FC Sevilla gewinnt zum dritten Mal in Folge ...  
Grosse Ehre für «King Claudio»  Wenig überraschend heisst der Trainer des Jahres ...  
Mehr Fussball Videos
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 13°C 26°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Basel 12°C 27°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
St. Gallen 13°C 23°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig Wolkenfelder, kaum Regen
Bern 12°C 25°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Luzern 14°C 24°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich Nebel
Genf 15°C 27°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig recht sonnig
Lugano 17°C 24°C gewitterhaftleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig gewitterhaft vereinzelte Gewitter
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten