Einführung von Rumantsch Grischun
publiziert: Freitag, 15. Okt 2004 / 16:57 Uhr / aktualisiert: Freitag, 15. Okt 2004 / 17:19 Uhr

Chur - Wie rasch die Schriftsprache Rumantsch Grischun an den Schulen Graubündens eingeführt werden soll, will die Bündner Regierung Ende dieses Jahres entscheiden. Diesen Zeitplan nannte der Bündner Erziehungsminister Claudio Lardi in Chur.

Der Bündner Erziehungsminister Claudio Lardi in Chur.
Der Bündner Erziehungsminister Claudio Lardi in Chur.
Das Kantonsparlament hatte letztes Jahr beschlossen, ab 2005 alle rätoromanischen Lehrmittel neu nur noch in der neuen Schriftsprache herauszugeben. Die Regierung wurde zudem beauftragt, ein Konzept zur deren Einführung an den Schulen vorzulegen.

Der Entscheid des Grossen Rates war zwar mit grosser Mehrheit gefasst wurden, dennoch stand Lardi im Schussfeld der Kritik. Rätoromanen aller Idiome warfen ihm vor, Rumantsch Grischun per Dekret und ohne Rücksicht auf regionale Befindlichkeiten etablieren zu wollen. Die fünf regionalen Idiome würden verdrängt, so die weit verbreitete Befürchtung.

Diese Gefahr drohe nicht, hiess es an einer Medienorientierung des Erziehungsdepartementes. Richtig sei vielmehr, dass sich die rätoromanische Sprachgemeinschaft nicht länger fünf verschiedene Schriftsprachen leisten könne.

Die Idiome würden immer mehr zur Hypothek für das Überleben der vierten Landessprache, ist die Kommission überzeugt. Die Einführung von Rumantsch Grischun sei deshalb ein Gebot der Sprachförderung.

Konzentration der Ressourcen

Ausserdem wird die Einführung aus pädagogischen Gründen als richtig erachtet. Erst die Konzentration der Ressourcen auf eine Schriftsparche ermögliche es, zeitgemässe Lehrmittel zur Verfügung zu stellen.

Die Kommission stellt drei Varianten der Einführung zur Diskussion, die sich inhaltlich decken, aber zeitlich unterscheiden. Grob umrissen mit zwei bis sechs Jahren ist bisher lediglich die erste Phase, während der die Schriftsprache nur mündlich Verwendung finden soll.

Als zweite Phase sieht die Kommission das Erlernen des schriftlichen Gebrauchs, als dritte die Übung in allen Sprachfertigkeiten vor. Ausdrücklich hält die Kommission fest, in Kindergärten sollten auch künftig die lokalen Idiome gesprochen werden.

(bert/sda)

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