Einst in Delphi - heute im Internet
publiziert: Freitag, 29. Dez 2006 / 20:38 Uhr

Bern - Astrologen, Wahrsager und Bleigiess-Sets haben Hochkunjunktur: Nie ist das menschliche Bedürfnis, einen Blick in die Zukunft zu tun, so stark wie zur Jahreswende. Mehr als Spass darf man sich von Orakel aber nicht erhoffen.

Wahrsagerei und Aberglauben sind eng verknüpft.
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Kevin BaconKevin Bacon
«Warum fürchten sich die Menschen in Deutschland vor mir?» fragte JJ1 alias Bruno der Bär das sogenannte Internet-Orakel. «Dort haben sie früher schon 'mal Ärger gehabt mit einem Braunen aus Österreich», lautete die Antwort.

Das vor 20 Jahren gegründete Internet-Orakel ist eine Art Kreativ-Staffette: Jemand stellt per E-mail eine Frage und erhält von einem anderen Nutzer eine Antwort. Zum Dank muss er seinerseits eine Frage beantworten. Die originellsten Erwiderungen werden veröffentlicht.

Die Kunst der Schwammigkeit

Die Website heisst www.olymp.org und die Webmaster «Priester». Damit spielt das Humorforum auf die antiken Orakel an: Heiligtümer, in denen man Auskunft von Göttern erhalten konnte.

Der bedeutendste Orakelgott war Apollon, und sein Tempel in Delphi galt als wichtigste Kultstätte der hellenistischen Welt. Apollon sprach durch die Priesterin Pythia, die sich zu diesem Zweck auf eine Erdspalte setzte, aus der Dämpfe stiegen.

Man nimmt heute an, dass die toxischen Gase die Priesterin in Trance fallen liessen. Die Geschicklichkeit, mit der Pythia allerdings eindeutige Antworten vermied, lässt darauf schliessen, dass sie sehr wohl Herrin ihrer Sinne war.

Bekannt ist das Orakel des Krösus, der sich erkundigte, wie seine Kriegschancen gegen den Perserkönig Kyros II. ständen. Wenn er den Grenzfluss Halys überschreite, werde er ein grosses Reich zerstören, orakelte die Priesterin. Krösus dachte, es sei das Reich des Gegners - es war aber sein eigenes.

Dollarmillion für echte Wahrsager

In schwammigen Formulierungen wie dem Krösus-Orakel liegt das Geheimnis der Wahrsage-Treffer. Die Dollarmillion, die die James Randi Educational Foundation für wissenschaftlich belegte paranormale Fähigkeiten 1964 ausgeschrieben hat, wurde jedenfalls bisher noch nie abgeholt.

Die deutsche Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften GWUP hält jedes Jahr in einem Bericht Rückschau auf Jahresprognosen von Astrologen und Wahrsagern. Die Trefferquoten sind verschwindend gering.

«Deutschland wird Weltmeister»

Die am weitest verbreitete Fehlprognose 2006 war laut GWUP «Deutschland wird Fussball-Weltmeister». Auch der Basler Hellseher Mike Shiva hat sie getätigt. Besonders spektakulär scheiterte aber Shivas Zürcher Kollegin Asmi Nardo, die Ghana den Weltmeistertitel prognostizierte.

Einen anderen Flop lieferte der Freiburger Astrologe Karsten Krönke, der behauptete, Steigen und Fallen des DAX voraussehen zu können. Seine Trefferquote betrug 50 Prozent - wie beim Münzenwerfen.

Damit kann selbst das Internet-Orakel konkurrieren: Ein Supplikannt fragte, warum der DAX bei schönem Wetter steige und an Regentagen falle? «Der DAX geht in den Keller den Regenschirm holen», antwortete das Orakel.

Das Bacon-Orakel

Trefferglück ist eine Frage der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Doch auch diese kann Erstaunliches. So behauptet etwa das Bacon-Orakel mit stupender Genauigkeit, dass jeder Schauspieler schon einmal mit einem Kollegen gespielt hat, der mit einem Kollegen gespielt hat, der im gleichen Film wie Kevin Bacon war - und das über höchstens vier Ecken.

Stichproben belegen: Stephanie Glaser und Norbert Schwientek haben einen sehr guten Bacon-Faktor von 2, und sogar Eva Dewaele, die erst in einem Film gespielt hat («Marmorera» 2007) hat einen guten Bacon-Faktor von 3. Das Geheimnis liegt in der Wahrscheinlichkeit: Von den 825 757 Schauspielern, die mit Kevin Bacon verlinkt werden können, haben nur 10 000 einen höheren Faktor als 4.

(Von Irene Widmer/sda)

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