Einstellung der «Ostschweiz» vor zehn Jahren
publiziert: Sonntag, 23. Dez 2007 / 11:41 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 27. Dez 2007 / 09:42 Uhr

St. Gallen - Mit der Einstellung der «Ostschweiz» Ende 1997 ging ein Erdbeben durch die regionale Medienlandschaft. Das «St. Galler Tagblatt» wurde zur Monopolzeitung. Pendler- und andere Gratiszeitungen brachten in der Folge wieder frischen Wind.

«Es fehlt eine Zeitung für den ganzen Kanton St. Gallen», so Chefredaktor Lüchinger.
«Es fehlt eine Zeitung für den ganzen Kanton St. Gallen», so Chefredaktor Lüchinger.
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124 Jahre lang war die «Ostschweiz» erschienen, einst als Sprachrohr der Katholisch-Konservativen, später als unabhängige Forumszeitung. Die Rezession und schwindende Inserateeinnahmen zwangen die Herausgeberin Ostschweiz Druck + Verlag AG zur Einstellung der Zeitung.

80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden entlassen. 15 erhielten beim «St. Galler Tagblatt» neue Stellen angeboten. Es gab einen Sozialplan. Den Abonnentenstamm der «Ostschweiz» übernahm das «St. Galler Tagblatt» für rund drei Millionen Franken.

Gleichzeitig mit dem Ende der «Ostschweiz» wurde auch die Fusion der traditionsreichen «Appenzeller Zeitung» mit der Appenzeller Regionalausgabe des «St. Galler Tagblatts» angekündigt. Die Folge waren nochmals 14 Entlassungen. Das «Tagblatt» übernahm eine Minderheitsbeteiligung am Appenzeller Medienhaus.

Appenzeller Zeitung nur noch Kopfblatt

Die «Appenzeller Zeitung» erscheint seit 1998 als Kopfblatt. In Herisau wird nur noch ein Regionalbund produziert. Den Mantel (Inland, Ausland, Sport, Wirtschaft, Kultur) liefert das «St. Galler Tagblatt». Auch die «Wiler Zeitung», der Flawiler «Volksfreund» und der «Rheintaler» wurden zu Kopfblättern des «Tagblatts».

«Wenige Wochen haben genügt, der Ostschweizer Zeitungslandschaft ein völlig neues Gesicht zu geben», stellte Chefredaktor Silvan Lüchinger in der letzten «Ostschweiz»-Ausgabe vom 31. Dezember 1997 fest. Die Einstellung kam für ihn, trotz Sparrunden und periodisch aufflackernden Gerüchten um ein baldiges Ende, überraschend.

In Ausserrhoden bedauerte die damalige Frau Landammann Marianne Kleiner, dass ihr Kanton nach der Kantonalbank und der Landsgemeinde auch noch die eigene unabhängige Zeitung verliere. Der Wunsch nach einer neuen Zeitung als Alternative zum «Tagblatt» wurde laut - er erwies sich aber als unerfüllbar.

Heute, zehn Jahre später, spricht Landammann Jakob Brunnschweiler noch immer von einem Verlust. «Mehr Konkurrenz bei den Medien wäre schöner», meinte er auf Anfrage. Die wirtschaftliche Realität müsse man aber akzeptieren. Einzelne Gemeinden, etwa Teufen AR, hätten ihre Mitteilungsblätter ausgebaut.

Forderung nach Meinungsvielfalt

Das erstarkte «St. Galler Tagblatt» kam Anfang 1998 neu auf eine Auflage von 110'000 Exemplaren. Klar formuliert wurde damals die Erwartung ans «St. Galler Tagblatt», als regionale Branchenleaderin weiterhin ein Forum für Meinungsvielfalt zu sein.

Dies habe die Zeitung «sehr stark eingelöst», sagt Lüchinger heute, als stellvertretender Chefredaktor des «St. Galler Tagblatts». Das ganze politische Spektrum komme im «Tagblatt» zur Sprache und zur Darstellung, wenngleich von Links und von Rechts manchmal Kritik zu hören sei.

Wenn man vom Verschwinden der «Ostschweiz» schreibe, müsse man auch die neu auf den Markt gekommenen Medien erwähnen - Gratisblätter, Internetzeitungen oder das 1999 lancierte «Tele Ostschweiz» (TVO), erklärte Lüchinger gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Was fehle, sei eine Tageszeitung für den ganzen Kanton St. Gallen.

Die zur NZZ-Gruppe gehörende St. Galler Tagblatt AG besitzt die Sender «TVO» und «Radio aktuell» sowie einen Gratisanzeiger. Das Medienhaus hält damit eine klare Vormachtstellung in der Region.

(Michael Nyffenegger/sda)

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