Einwanderersohn erklimmt Spitze des Staates
publiziert: Sonntag, 6. Mai 2007 / 22:50 Uhr

Paris - Für Nicolas Sarkozy geht mit dem Einzug in den Elysée-Palast ein lange gehegter Lebenstraum in Erfüllung: Der ehrgeizige Sohn eines ungarischen Einwanderers hat es im Alter von 52 Jahren bis an die Spitze des französischen Staates geschafft.

Sein Vater gehörte dem ungarischen Adel an, die Mutter ist griechische Jüdin.
Sein Vater gehörte dem ungarischen Adel an, die Mutter ist griechische Jüdin.
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In der Fünften Republik war nur der frühere Präsident Valery Giscard d'Estaing bei Amtsantritt noch jünger. Nach seinem Wahlsieg ist der von Gegnern als Scharfmacher kritisierte Konservative nun als Staatsoberhaupt gefordert, die Franzosen hinter sich zu scharen.

«Super-Sarko», wie ihn Anhänger bewundernd nennen, hat im Rennen um die Präsidentschaft einen langen Atem bewiesen. Als persönlichen Triumph dürfte es der künftige Präsident zudem verbuchen, dass er trotz eines Zerwürfnisses mit seinem einstigen Ziehvater Jacques Chirac nun dessen Erbe antreten kann.

Bei den Präsidentenwahlen Mitte der 90er Jahre hatte sich Sarkozy von Chirac abgewandt und auf die Seite des Kandidaten Edouard Balladur geschlagen.

Private Turbulenzen, politische Ochsentour

Chirac versuchte Sarkozy danach zunächst politisch kalt zu stellen. Später betraute er den innerparteilichen Widersacher mit Ministerposten, um ihn in die Kabinettsdisziplin einzubinden.

Auch private Turbulenzen, in denen Sarkozy sich zwischenzeitlich von seiner Frau und Beraterin Cecilia trennte, überstand der Politiker weitgehend schadlos. Dieses Kunststück gelang ihm auch deshalb, weil das Paar nach überstandener Ehekrise später öffentlichkeitswirksam wieder zueinander fand.

Schon früh hatte Sarkozy als Einwanderersohn gelernt, sich durchzuboxen. Der Vater gehörte dem ungarischen Adel an, die Mutter ist griechische Jüdin. Zunächst steuerte der junge Sarkozy eine Anwaltskarriere an. Zur Passion wurde ihm aber schon früh die Politik.

Er absolvierte dabei die Ochsentour in der Neogaullistischen Partei und arbeitete sich langsam nach oben - anders als viele Funktionäre, die nach einem Studium an der Elitehochschule ENA schnell Karriere machen.

Macher - oder Sprücheklopfer?

Nachdem Sarkozy in den 90er Jahren im Kabinett für das Budget zuständig gewesen war, kristallisierten sich ab 2002 seine Ambitionen auf das höchste Amt im Staat heraus. Sarkozy nutzte seinen Posten als Innenminister dafür, sein Macher-Image zu schärfen und sich als Ordnungspolitiker in Szene zu setzen.

Während der Vorstadtunruhen in Frankreich im Herbst 2005 erwarb er sich mit nassforschen Sprüchen gegen gewaltbereite Immigranten allerdings den Ruf eines Polarisierers.

Kritisch sehen Gegner des Politikers aus dem noblen Pariser Vorort Neuilly auch dessen engen Kontakte zu Wirtschaftskapitänen wie etwa dem Industriemagnaten Martin Bouygues, der über ein Bau- und Medienimperium verfügt.

So witterte der in der ersten Runde im Rennen um die Präsidentschaft ausgeschiedene Francois Bayrou böse Machenschaften, als ein privater Fernsehkanal ein Gespräch des Zentristen mit der Sozialistin Segolène Royal kurzfristig aus der Programmplanung strich.

(smw/sda)

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