Eishockey: Kür mit Stimmungspotential
publiziert: Montag, 5. Jan 2004 / 09:00 Uhr

Davos - Der Spengler Cup 2003 in Davos ist Geschichte. Bis zum Final fieberten die HCD-Fans mit und am Schluss fehlte wenig zum Turniersieg. OK-Präsident Fredi Pargätzi blickt mit Zufriedenheit auf die Turniertage zurück.

Mit dem Stimmungspotential auf und neben dem Eis ist der Spengler Cup eben mehr als nur Eishockey.

Eines muss vorweg gesagt sein: Der Vergleich Meisterschaft und Spengler Cup ist gegenüber der NLA unfair. Aber es ist der beste Vergleich, um das Besondere am Spengler Cup heraus zu schälen.

Spengler Cup ist, wenn:
-Fans aller Vereine in ihren Clubtricots gemeinsam und friedlich Eishockey feiern
-Fans aller Vereine nach dem Spiel gemeinsam zu Bier und Pizza ins Fanzelt gehen
-Fans bei klirrender Kälte zwei oder mehr Stunden anstehen, um die besten Plätze zu ergattern
-Die Plätze im Stadion durchschnittlich zu über 97% ausgelastet ist
-Eishockey den Auftakt einer Party im Fanzelt darstellt
-Im VIP/Gästezelt feine Speisen bei gedämpftem Licht in nobler Atmosphäre serviert werden
-Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Kontakte pflegen
-Sponsoren das Bild dominieren
-Auf den Parkplätzen um das Stadion kaum noch Autos mit Kennzeichen GR zu sehen sind

Diese Aufzählung liesse sich beliebig fortsetzen, aber bei einem solchen Anlass sollten zuerst die Fans zu Worte kommen. Wieso pilgern sie nach Davos? Die meisten kommen wegen der Stimmung an den Spengler Cup. Viele loben auch das friedliche Nebeneinander der verschiedenen Fangruppen. Für einige ist es auch auf Grund der internationalen Besetzung ein Muss, einige Feiertage beim Eishockey am Spengler Cup zu verbringen.

Die Fairness wird von der Polizei gelobt. „So müsste es immer sein“, erklären ein paar Beamte übereinstimmend. Sie wissen aber auch, warum es in der Meisterschaft nicht so ist. „Wenn Vereine regelmässig gegeneinander spielen, werden Feindschaften aufgebaut und gepflegt. Zudem reisen die meisten als Einzelfans an den Spengler Cup und nicht wie sonst als Fangruppen an Meisterschaftsspiele“, analysieren die Polizisten.

Sportlicher Wert

In erster Linie stellt der Spengler Cup jedoch einen sportlichen Wert dar. Die Schweizer Torhüterlegende Renato Tosio kommt vor allem deshalb nach Davos. „Es ist ein Leckerbissen auf international hohem Niveau.“

Gleichzeitig ist er sich bewusst, dass es ein gesellschaftlicher Anlass ist, bei dem es um „sehen und gesehen werden“ geht. Tosio will das nicht negativ interpretieren. „Natürlich werden Kontakte gepflegt, Geschäfte abgeschlossen. Aber für mich ist der Spengler Cup ein Treffpunkt ehemaliger Eishockeyspieler.“

Wenn ein Sportanlass über so viele Jahre ein hohes Niveau halten kann, drängt sich die Frage auf: Was ist das Erfolgsgeheimnis? Dazu OK-Präsident Fredi Pargätzi: „Durch die Tradition hat das Turnier eine Erfolgsaura aufgebaut, denn der Spengler Cup ist unter den grossen Sportveranstaltungen eines der ältesten Turniere. Dazu kommt die Mischung der Teams. Sie kommen aus verschiedenen Ländern, vertreten unterschiedliche Spielkulturen. Sie können, losgelöst von der Meisterschaft, unbeschwert Eishockey spielen. Dieser sportliche Aspekt wird durch die Ferienstimmung und das Unterhaltungsprogramm ergänzt. Zusammen ergibt das eine besondere Mischung.“

Wirtschaftliche Probleme beim HCD

Trotz – oder gerade wegen des Erfolges – warnt Pargätzi vor Überheblichkeit. „Der Spengler Cup ist den gleichen Regeln wie alle Turniere unterworfen, das Verhältnis zwischen Preis und Leistung muss auch in Zukunft stimmen.“

Hintergrund dieser Gedanken des OK-Präsidenten sind wirtschaftliche Probleme des HC Davos. Der Verein hat die Rechte am Turnier und der Gewinn fliesst in die Kasse des NLA-Vereines. Dieser Betrag ist von existenzieller Bedeutung.

Pargätzi befürchtet, dass die Verantwortlichen des Bündner Eishockeyclubs alle Gewinne aus dem Turnier abziehen, um den Verein zu sanieren. „Der Spengler Cup lebt vom HCD und der HCD lebt vom Spengler Cup“, erklärt Pargätzi.

In der Praxis bedeutet das: Der Verein braucht eine leistungsfähige Mannschaft, um sich erfolgreich zu präsentieren. Gleichzeitig benötigen die Organisatoren des Spengler Cup Geld, um die Zukunft des Turniers zu sichern, selbst wenn Hauptsponsoren langjährige Verträge haben. Die Neuregelung dieser Abhängigkeiten wird in den nächsten Monaten ein grosses Thema sein.

(Thomas Riesen/eishockey.ch)

 
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