Eishockey: Team Canada - Mehr Respekt dank Spengler Cup
publiziert: Donnerstag, 25. Dez 2003 / 17:25 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 25. Dez 2003 / 21:20 Uhr

Die Kanadischen Eishockeyprofis mit Verträgen in Europa werden mitunter in ihrer Heimat nicht immer ihrem Leistungsvermögen nach gebührend respektiert. Wer nicht in der NHL Unterschlupf gefunden hat, ist "Profi zweiter Klasse". Doch seit der Übertragung des Spengler Cup 2002 auf CTV Sportsnet sind auch sie zu Idolen geworden.

Das Team Canada ist neben dem HCD traditionell der Publikumsliebling bei den Fans.
Das Team Canada ist neben dem HCD traditionell der Publikumsliebling bei den Fans.
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Jan Alston und Jamie Heward schwärmten noch Monate später davon. Sie haben dank des Spengler Cup 2002 in ihrer Heimat nicht nur neuen Respekt und viel Goodwill erfahren, sondern endlich auch einmal beweisen können, dass sie in Europa nicht in einer "Operettenliga" agieren.

Über den sehr populären Sportsender CTV Sportsnet wurden alle Spiele mit Team Canada am Spengler Cup 2002 übertragen. Der Erfolg mit der Sehbeteiligung war so ansprechend, dass der kanadische Sender den Spengler Cup seinen Zuschauern auch dieses Jahr nicht vorenthalten möchte.

Erfolgreiche TV-Übertragung in Kanada

Jan Alston erinnert sich: "Als ich das Siegtor am Spengler Cup-Finale schoss, ist mein Dad vor Stolz geplatzt." Eine Million Zuschauer verfolgten die Direktübertragung trotz Zeitzonen-Verschiebung und 800'000 sahen die Wiederholung zur Tageszeit. "Was will man mehr, als dass auch endlich die wichtigen Leute im direkten Umfeld, welche seltener nach Europa kommen, sehen, wie begeistert hier Hockey spielt und auf welchem Level."

Auch Jamie Heward stimmt ein: "Wir haben den Leuten in Übersee erzählt, was in Davos am Spengler Cup und generell in der NLA abgeht. Man hat uns dabei jedoch immer nur die Hälfte geglaubt. Als die TV-Zuschauer in Kanada dies dann mit eigenen Augen sahen, sind wir im Ansehen zuhause hoch gestiegen."

Für Paul Romanuk, dem CTV-Kommentator, war dies keine Überraschung. Er ist ein Kenner der Europäischen Hockeyszene. Und er erkennt mit seinem geschulten Auge auch sofort, warum sich welches Turnier besonders für sein Zielpublikum eignet.

Seine Analyse vom Debüt des Spengler Cups im Kanadischen TV fällt dementsprechend euphorisch aus. So euphorisch, dass man sogar erwägt, viel grössere Anstrengungen für die kommenden Jahre zu unternehmen. Paul Romanuk ist nicht nur der Kommentator der Team Canada-Spiele auf CTV Rogers Sportsnet.

Er ist auch gemeinsam mit dem Produzent Paul Graham ein erfahrener Analytiker, wenn es darum geht, die geeigneten Beiträge und Produkte für ein TV-Publikum auszuloten.

Paul Romanuk hat sich vor einem Jahr von Doug Honegger für das Davoser Turnier begeistern lassen. Er ist sich sicher, dass sich seine Landsleute in den kommenden Jahren vermehrt für den Spengler Cup interessieren werden.

"Mit Eishockey als Programmpunkt kann man in Kanada nichts falsch machen. Dazu kommen noch drei wichtige Aspekte, die uns einen guten Rücklauf geben werden: der Zeitpunkt mit den Ferien, unsere Ausstrahlungen der Spiele zeitversetzt am Nachmittag sowie natürlich die Teilnahme einer Mannschaft, welche sich als Team Canada identifiziert. Das ist eine garantierte Sehbeteiligung von sicherlich annähernd einer Million von unseren acht Millionen, die wir täglich erreichen können," sagt Romanuk.

Paul Romanuk begründet seinen Optimismus mit folgenden Worten: "Die Junioren-WM ist zwischen Weihnachten und Neujahr das Hauptereignis und natürlich für Hockeyfreaks wichtiger als alles andere. Schliesslich spielt die Zukunft unseres Hockeys um WM-Ehren. Aber was ist, wenn die WM nicht in Kanada oder USA stattfindet und die Zuschauer am TV ein Spiel sehen, bei welchem nur knapp 1000 Zuschauer im Stadion sind? Da kann der Spengler Cup mit seinen attraktiven Spielen und den farbenfrohen und singenden 7680 Fans ein Kontrastprogramm bieten. Eishockey mit Genuss. Die Kanadische Mannschaft darf uns dann einfach nicht blamieren und muss das Land gut vertreten. Dann ist alles okay. Ausserdem ist dieses Turnier in seiner ganzen Geschichte und mit der offensiven Spielweise der Mannschaften sehr telegen. Wenn dann auch noch die Spielfreude der eigenen Jungs hinzukommt und man sich daran erfreuen kann, bin ich mir sicher, dass sich manch einer ein sehr positives Urteil bilden wird."

Ein weiterer Aspekt ist ebenfalls noch immens wichtig: Warum interessiert man sich in Kanada nun für alle Turniere mit Kanadischer Beteilung weltweit? Es ist derzeit ein so genanntes "Branding" (Marketing einer Marke) im Gange, die alle offiziellen Kanadischen Mannschaften betreffen. Man hat sich beim Verband einiges überlegt und will die "Marke Team Canada" positionieren. Da sind solche Ereignisse besonders wichtig.

Eishockey im Kanadischen TV

CTV Rogers Sportsnet ist in Kanada ein in Hockey- und Sportkreisen sehr beliebter Sportsender. Er ist aufgeteilt in drei Redaktionen: East, Central und West. Morgens werden im Stundenrhythmus im Stile von CNN die Highlights des Vortages behandelt. Es ist ein sehr schnelles Medium mit attraktiven Beiträgen.

Am Nachmittag werden dann national ein oder zwei Schwerpunktthemen ausführlich gesendet (wie jetzt die fünf Spiele des Team Canada am Spengler Cup und die Junioren-WM-Spiele der Kanadier). Am Abend schlägt dann meist die Stunde der NHL- oder NBA-Fans, die eine Live-Übertragung mit anschliessender Talk-Sendung geniessen können.

Ab Mitternacht ist News-Zeit bis zum frühen Morgen. Das macht den Sender in Kanada zum Sportsender Nummer Eins. In Montreal wird er nur noch von RDS, einem französischsprachigen TV-Sender mit Schwergewicht Montreal Canadiens, Allouettes de Montreal (Football) und frankokanadischem Sport in der Beliebtheitsskala übertroffen.

Ebenfalls übertragen wird der Spengler Cup von Leafs TV im Staate Ontario. Dies ist der hauseigene Sender der Toronto Maple Leafs. Die mit Abstand beliebteste Sendung heisst aber "Hockey Night in Canada" am Samstagabend auf CBC, dem staatlichen Kanadischen Fernsehen.

Gegen die Vorurteile

Vorurteile der Nordamerikaner gegenüber dem Schweizer Eishockey sind trotz vieler Informationsquellen noch immer vorhanden. Insider und kanadische Eishockeyinteressierte differenzieren eher mehr, wenn es um Beurteilungen von "fremdländischen Eishockeykulturen" geht.

Wer kann diese Tatsache besser beurteilen als der Kanada-Schweizer Doug Honegger? Der in Montreal wohnhafte und oft in der Schweiz als Spielervermittler und –Agent tätige ehemalige Nationalspieler sagt dazu: "Mit den Übertragungen des Spengler Cups in Kanada werden wohl die letzten Vorurteile gegenüber dem Schweizer Eishockey verdrängt. Man weiss jetzt nämlich, dass die Kanada-Legionäre in der Schweiz und in Europa generell extremen Belastungen und einem Leistungsdruck sondergleichen ausgesetzt sind. Und die Kanadischen Eishockeyfans werden nun auch wissen, dass die Erwartungen an einen Eishockeyprofi aus Kanada hier besonders hoch sind. Das wertet die Liga und die Spieler auf. Es ist ein Beitrag zur allerletzten Beseitigung einiger dummer Vorurteile auf beiden Seiten."

(Joël Wüthrich/Redaktion Spengler Cup)

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