Eishockey ist keine Show
publiziert: Freitag, 29. Apr 2005 / 17:28 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 3. Mai 2005 / 14:30 Uhr

Zwei Tage vor dem WM-Auftaktspiel in Wien gegen Tschechien (Sonntag, 16.15 Uhr/SF 2) ist beim Schweizer Team alles in Butter. Ralph Krueger und seine Mannen freuen sich auf den Vergleich mit dem Eishockey-Giganten.

Patrick Baertschi im Gespraech mit Ralph Krueger.
Patrick Baertschi im Gespraech mit Ralph Krueger.
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Die kleine Szene hat hoffentlich Symbolcharakter. Als Ralph Krueger gestern nach dem Training in den Katakomben der Stadthalle den Schweizer Medien Auskunft gab, liefen in seinem Rücken die tschechischen Spieler vorbei, noch in Strassenkleidung. Krueger bemerkte dies nicht, hinten drehte aber Jaromir Jagr den Kopf, um zu schauen, wer da Interviews gab.

Wenn es nach den Schweizern geht, soll dies auch am Sonntag so sein, man will vor dem Superstar mit der Nummer 68 und seinen kaum weniger prominenten Teamkollegen nicht mehr als den nötigen Respekt zeigen, keinesfalls in Ehrfurcht erstarren. "Es zählen weniger die Einzelspieler als die beste Mannschaft. Eishockey ist keine Show, und das ist unsere Chance", so Krueger.

Krueger und Assistent Köbi Kölliker haben am Freitagvormittag das Video des Spiels Tschechien gegen Kanada (1:2) vom Donnerstag angeschaut, in dem Jagr noch geschont wurde. Der Deutschkanadier sah eine starke tschechische Mannschaft: "Grundsätzlich sind einfach die Einzelspieler sehr stark. Sie waren das bessere Team, Kanadas Goalie Roberto Luongo hat aber den Unterschied gemacht."

Kein "Rucksack" für Jagr

Der überragende Individualist ist und bleibt Jagr, auch wenn er in den letzten Jahren manchmal mehr von seinem Renommee als von seinen Taten gelebt hat. Kölliker ist aber davon überzeugt, die Kreise des Ausnahmespielers nicht einem Sonderbewacher, einem "Rucksack", einengen zu können: "Sonst müssten wir 20 solcher Rucksäcke aufbieten, denn sie sind alle stark."

Nebst der offensiven Durchschlagskraft sind die Tschechen auch in der Mittelzone stark. Ihre grossen, kräftigen Verteidiger werden das Toreschiessen für Adrian Wichser und Co. auch nicht gerade zum Kinderspiel machen. Kölliker, einst selber ein grosses Schlitzohr, fordert von seinen Spielern, dass sie intelligent spielen: "Wir dürfen nicht überaggressiv sein. Wenn wir zu vehement in die Zweikämpfe steigen, werden wir ins Leere laufen. Wichtig ist, dass wir unsere Positionen halten und nicht zu viel an der Bande sind, denn wenn sie sich da durchsetzen, kommt es zu gefährlichen Überzahlsituationen."

Alle einsatzfähig

Bis gestern musste Ralph Krueger der Form halber die ersten 17 Spieler (15 Feldspieler und 2 Torhüter) melden, schon heute dürfte er aber das ganze Vorrundenteam bekannt geben. Zupass kommt ihm, der sich auch gestern zur Torhüterfrage nichts entlocken liess, dass im Moment, von einzelnen Wehwehchen abgesehen, keine medizinischen Probleme bestehen: "Alle sind einsatzfähig."

Gewaltiger Druck auf Tschechien

Während die Schweizer in der Startpartie nur den selbst auferlegten Druck haben, sieht dies bei den Tschechen ganz anders aus. Nach drei Titeln in Serie liess zuletzt eine ebenso lange Phase der Medaillenlosigkeit den Druck gewaltig ansteigen: 2002 unterlag Tschechien im Viertelfinal den Russen, 2003 im Halbfinal den Kanadiern und im Vorjahr, an der Heim-WM, war wiederum die Runde der letzten acht Endstation (USA).

Nicht genug der rein sportlichen Unbill: Im August 2004 verstarb der allseits geachtete Headcoach Ivan Hlinka nach einem tragischen Verkehrsunfall. Sein Nachfolger Vladimir Ruzicka, wie Hlinka früher Spieler beim EV Zug, hatte einen Monat später in der Vorrunde des World Cup einen harzigen Start. Erst ein 6:1 gegen Schweden und die anschliessende Overtime-Niederlage im Halbfinal gegen den späteren Sieger Kanada brachte das Gros der Kritiker vorerst zum Verstummen.

Nicht nur Jagr

Ein weiteres Turnier ohne Medaille würde nicht nur das Egalisieren der längsten Durststrecke (von 1950 bis 1954) sondern wohl auch das Ende von Ruzickas Amtszeit bedeuten. Der ehemalige Starstürmer kann indes auf ein ausgeglichen starkes Kader setzen. Im Tor steht Tomas Vokoun (Nashville), der den Lockout bei IFK Helsinki überbrückte. Die Verteidigung wird angeführt von Pavel Kubina. Der Hüne machte als Stanley-Cup-Sieger und ehemaliger Boyfriend von Martina Hingis Schlagzeilen, zuletzt wurde er in der tschechischen Liga für 15 Spiele gesperrt, weil er einem Schiedsrichter Korruption unterstellt hatte.

Im Sturm fehlen zwar mit den verletzungsbedingt abwesenden Robert Lang und Milan Hejduk (Klubkollege von David Aebischer in Colorado) sowie Patrik Elias (schwere Hepatitis aus seinem Gastspiel in Magnitogorsk) drei Koryphäen, ihre Absenzen dürften aber nicht allzu schwer ins Gewicht fallen. Nebst Jagr werden Tenöre wie David Vyborny, Martin Rucinszky, Petr Sykora oder Martin Straka für die offensive Musik sorgen.

(kst/Si)

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