Eiskunstlauf: Kwan mit fünftem WM-Titel
publiziert: Sonntag, 30. Mrz 2003 / 11:13 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 30. Mrz 2003 / 11:33 Uhr

(Si) Ohne den angekündigten US-Präsidenten George W. Bush, aber mit dem erwarteten fünften WM-Titel für die Amerikanerin Michelle Kwan endeten die Eiskunstlauf-WM in Washington.

Die US-Amerikanerin Michelle Kwan.
Die US-Amerikanerin Michelle Kwan.
Silber und Bronze gingen an die Russin Jelena Sokolowa und Fumie Suguri aus Japan. Im Eistanz gewannen die Kanadier Shae-Lynn Bourne/Victor Kraatz zehn Jahre nach ihrem WM-Debüt im letzten Anlauf erstmals Gold. Sie siegten vor den Titelverteidigern Irina Lobateschewa/Ilja Awerbuch (Russ) und Albena Denkova/Maxim Staviyski (Bul).

Schwebende Kwan

Michelle Kwan hielt im Gegensatz zu den Olympischen Spielen in Salt Lake City (3.) dem immensen Erwartungsdruck vor heimischem Publikum stand. Zwar präsentierte die Kalifornierin mit sechs sauberen Dreifach-Sprüngen und ohne Dreifach-Dreifach-Kombination nicht die technisch schwierigste Kür; sie schwebte allerdings mit einer Leichtigkeit übers Eis, die ihresgleichen sucht. In der B-Note für den künstlerischen Ausdruck erhielt Kwan einmal eine 5,8, elffmal eine 5,9 und zweimal die Höchstnote 6,0. Die 16 000 Zuschauer im ausverkauften MCI-Center verwandelten die Arena bei deren Auftritt in ein Tollhaus.

"Ich habe keine Worte, das war eine unglaubliche Nacht für mich", umschrieb Kwan ihre Gefühle. Diese Saison sei so unglaublich gewesen. "Ich ging einfach raus und hatte Spass. Ich habe nichts zu verlieren, muss niemandem etwas beweisen", fuhr die Amerikanerin fort. Kwan, die ihre Kür mit einem Lächeln begann und ungläubigem Kopfschütteln beendete, gewann im Alter von 22 Jahren (!) die achte WM-Medaille in Folge (fünfmal Gold, dreimal Silber).

Schrecksekunde für Meier

Sarah Meier vermochte sich erneut zu steigern und sorgte für einen versöhnlichen Abschluss. Die 18-jährige Bülacherin hatte in ihrem Programm zu "Variations of Raul di Blasio" allerdings eine Schrecksekunde zu überstehen. Beim zweiten Dreifach-Lutz steckte sie zu nahe ein und schlug mit den Schlittschuhen zusammen. Dadurch drehte sie den Sprung nur einfach. "Das war ein dummer Fehler", erklärte Meier, die während des Missgeschicks aufschrie. Ansonsten war das Programm -- abgesehen von zwei Stolperern -- in Ordnung.

"Es war noch nicht ganz gut, aber ich bin zufrieden", bestätigte die EM-Fünfte von 2001 in Bratislava. "Der Platz ist nicht mein Traum, aber ich nehme diese Kür mit nach Hause und bin erleichtert, dass es so rausgekommen ist." Am Vortag war Meier nach dem Kurzprogramm völlig niedergeschlagen gewesen.

"Ich habe sehr viel gelernt", bilanzierte die Zürcherin. Sie wisse jetzt besser, wie sie in den Wettkampf gehen müsse. "Ich darf nicht zu viel studieren, sondern muss mehr meinem Gefühl vertrauen." Meier wird erstmals ein Pause machen und sich neue Schlittschuhe besorgen. Mit ihren jetzigen hatte sie diese Saison grosse Probleme. Die dreifache Schweizer Meisterin erlitt eine Entzündung zwischen den Zehen und fehlte daher an den Europameisterschaften in Malmö. Im Juli und August geht Meier für vier Wochen wieder nach Amerika.

Premiere für Sokolowa

Für Jelena Sokolowa wars die erste WM-Medaille. Die symphatische Russin, die immer für einen lockeren Spruch gut ist, verschwand nach ihrem WM-Debüt 1998 (8.) von der internationalen Bildfläche und kehrte erst in dieser Saison zurück. Bereits an den Europameisterschaften hatte sie Silber geholt. Fumie Suguri bestätigte ihren 3. Rang aus dem Vorjahr. Olympiasiegerin Sarah Hughes gelang trotz eines Sturzes beim Dreifach-Flip der Sprung vom 9. auf den 6. Platz. "Es war ein unglaublich schwieriges Jahr", so Hughes. Die Italienerin Karolina Kostner wurde wie ihr Freund Stéphane Lambiel Zehnte.

Niederlage trotz 6,0

Im Eistanz fiel die Entscheidung mit 5:4 Stimmen äusserst knapp zu Gunsten von Bourne/Kraatz aus. Lobatschewa/Awerbuch erhielten allerdings über alle 14 Preisrichter gesehen die höheren Noten -- im Gegensatz zu Bourne/Kraatz gar einmal die Traumnote 6,0 in der künstlerischen Bewertung. Das Publikum verhielt sich äusserst unfair; Lobatschewa/Awerbuch bekamen nach ihrer Vorstellung kaum Beifall.

Für Bourne/Kraatz ging zum Abschluss der zwölfjährigen gemeinsamen Amateur-Karriere eine lange Durststrecke zu Ende. Fünfmal (einmal Silber) waren sie zuvor an interkontinentalen Titelkämpfen auf dem Podest gestanden, jedoch nie zuoberst. Kraatz besitzt eine Schweizer Vergangenheit. Im Alter von vier bis 16 Jahren lebte er im Tessin und wurde mit Analisa Beltrami gar einmal Schweizer Junioren-Meister im Eistanz.

Auch Lobatschewa/Awerbuch, die seit 1995 verheiratet sind, hören trotz dem enttäuschenden Abschluss wie angekündigt auf. Lobatschewa leidet unter Knieproblemen.

Protest gegen Wertungssystem

Am Freitag protestierten viele Eiskunstlauf-Anhänger für einen gerechteren Sport. Unter dem Motto "Skate fair" verurteilten sie das neue Wertungssystem des Weltverbandes (ISU) und warben für den gerade gegründeten Kunstlauf-Verband (WSF). Der will am alten Benotungssystem festhalten.

Resultate

Washington. Weltmeisterschaften. Frauen. Schlussklassement: 1. Michelle Kwan (USA) 2,0 (1. in der Kür). 2. Jelena Sokolowa (Russ) 4,0 (2.). 3. Fumie Suguri (Jap) 6,2 (4.). 4. Sasha Cohen (USA) 7,2 (3). 5. Viktoria Woltschkowa (Russ) 9,2 (5.). 6. Sarah Hughes (USA) 13,2 (6.). 7. Jelena Ljaschenko (Ukr) 14,2 (8.). 8. Shizuka Arakawa (Jap) 15,2 (7.). 9. Jennifer Robinson (Ka) 15,2 (9.). 10. Karolina Kostner (It) 17,0 (11.). Ferner: 19. Sarah Meier (Sz) 35,2 (18.).

Eistanz. Schlussklassement: 1. Shae-Lynn Bourne/Victor Kraatz (Ka) 2,6. 2. Irina Lobatschewa/Ilja Awerbuch (Russ) 3,0. 3. Albena Denkova/Maxim Staviyski (Bul) 5,6. 4. Tatiana Nawka/Roman Kostomarow (Russ) 7,6. 5. Jelena Gruschina/Ruslan Gonscharow (Ukr) 8,8. 6. Galit Chait/Sergej Sachnowski (Isr) 10,8. 7. Tanith Belbin/Benjamin Agosto (USA) 12,8. 8. Naomi Lang/Peter Tschernischew (USA) 14,4. 9. Isabelle Delobel/Olivier Schoenfelder (Fr) 16,4. 10. Marie-France Dubreuil/Patrice Lauzon (Ka) 18,0.

(bert/sda)

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