Unterwegs nach Kairo
El-Baradei bereit zur Machtübernahme in Ägypten
publiziert: Donnerstag, 27. Jan 2011 / 16:05 Uhr / aktualisiert: Freitag, 28. Jan 2011 / 18:49 Uhr

Wien/Kairo/Al-Arisch - Der ägyptische Friedensnobelpreisträger Mohamed al-Baradei hat sich für eine Übergangsregierung angeboten. Der pensionierte Berufsdiplomat rief Präsident Husni Mubarak am Donnerstag vor dem Hintergrund anhaltender Unruhen offen auf, sich zurückzuziehen.

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«Wenn die Menschen, vor allem die jungen Menschen, möchten, dass ich den Übergang anführe, werde ich sie nicht hängen lassen», sagte der frühere Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) am Donnerstag am Wiener Flughafen kurz vor seiner Abreise nach Kairo.

Dort wollte Al-Baradei am Freitag an Oppositionsprotesten teilnehmen. «Das Wichtigste für mich ist nun, ein neues Ägypten zu sehen, und zwar eines, das durch einen friedlichen Wechsel erreicht wurde», sagte er.

Mubarak habe dem Land 30 Jahre lang gedient und es sei Zeit für ihn, sich zur Ruhe zu setzen, sagte der 68-jährige Al-Baradei der Nachrichtenagentur Reuters.

Keine Rückkehr mehr

Der 82-jährige Mubarak müsse ankündigen, bei der Wahl im September nicht mehr anzutreten. Eine Rückkehr zum alten System werde es nicht geben, sagte Al-Baradei weiter: «Das Volk hat die Kultur der Angst durchbrochen, und wenn einmal die Kultur der Angst durchbrochen wurde, gibt es kein Zurück mehr.»

Al-Baradei hatte im vergangenen Jahr versucht, sich als führender Gegenspieler zu Mubarak zu etablieren und könnte nun zum Kopf der Oppositionsbewegung werden. Kritiker halten ihm jedoch vor, zu lange im luxuriösen Wien verbracht zu haben, statt sich den Problemen in seiner Heimat zu widmen.

Weiterer Toter

Unterdessen hielt der Druck der Strasse auf die Regierung in Kairo am dritten Tag der Proteste an. In Suez steckte eine Menschenmenge eine Polizeiwache in Brand und legte auch an einem Regierungsgebäude und einem Büro der Mubarak-Partei Feuer. Die Polizei setzte Gummigeschosse und Tränengas ein.

Ein Demonstrant kam Augenzeugen zufolge bei Zusammenstössen mit Sicherheitskräften in der Ortschaft Scheich Suwajed im Norden der Sinai-Halbinsel ums Leben. Es wäre der siebte Tote bei den Protesten, unter denen auch zwei Polizisten waren.

Seit Beginn der Proteste am Dienstag wurden in ganz Ägypten mindestens 1000 Menschen festgenommen, wie ein Vertreter der Sicherheitskräfte sagte. 46 davon seien wegen «Aufruhr und Sabotage» angeklagt worden.

(bert/sda)

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Netzwerker
So weit wie Sie JB hab ich noch gar nicht gedacht. Müsst ich vielleicht mal tun.

Trotzdem
Baradei "ein im Westen gut ausgebildeter, gut vernetzter, eingeschleuster Radikaler Terroristen Unterstützer."

Nein. Das glaub ich eher weniger. Nicht, dass man irgendetwas ausschliessen sollte. Schliesslich haben er und Obama den Nobelpreis erhalten. Etwas, das man nicht erwarten konnte.

Vor kurzem bekam der Friedensnobelpreisträger Obama hohen Besuch von dem Mann aus China, der seinen Nachfolger eingekerkert hat. Es herrschte ein reges Geschäftstreiben.

Sachpolitik ist die Kunst des Machbaren. Es geht darum, die eigenen Landsleute in Brot und Verdienst zu halten.
Das führt dazu, dass der Nobelpreisträger den Kerkermeister hofiert und das hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass man macht- und geldversessene Potentaten unterstützt hat.
Hauptsache der Warenverkehr hatte die nötige Planungssicherheit.

El Baradei ist den meisten Ägyptern schnuppe. Er wurde von den Menschen bis zur Demonstration, auf der er erschien, nicht wirklich wahrgenommen. Ein gutes Timing von ihm.
Ich sehe momentan das gleiche Muster wie in Gaza ablaufen.

Damals hatte die korrupte PLO die Menschen vernachlässigt und nicht für den Ausbau der Infrastruktur und Wirtschaft gesorgt. Die ärmeren Leute wurden von der Moslembruderschaft aufgefangen und versorgt. Gleichzeitig gab's Koranstunden als Draufgabe und Indoktrination mit der Idee, man müsse die Welt islamisieren.

Etwa so, als ob die Heilsarmee in den Brockenhäusern und Armenspeisungen Waffen verteilen und zum bewaffneten Kampf im Namen Gottes aufrufen würde.

Die Moslembruderschaft in Ägypten (und deren Ableger Hamas in Gaza) ist gut organisiert und hat Millionen Anhänger.

Noch haben die säkularen Moslems das Sagen. Sie halten sich nicht an die Regeln des Korans, die z.B. verlangen, dass man sich keine Juden oder Christen zu Freunden machen solle und dass diese Menschen zweiter Klasse seien und dementsprechend zu behandeln sind. Deshalb war der Unmut und die Bestürzung der Ägypter über die Attentate gegen die Kopten grösstenteils echt.

Aber in einer unruhigen Zeit spült es meist die skrupellosesten Menschen nach oben. Diejenigen, denen es gelingt, den Rest der Bevölkerung einzuschüchtern.

Zuerst wird die Bevölkerung mit Gewalt bedroht, um dann zu sagen. Seht her. Wenn ihr so und so lebt, dann werdet ihr in Ruhe gelassen und vielleicht sogar belohnt.

Wir werden sehen, wie es sich entwickelt.

Cairo hat mehr Einwohner als die Schweiz. Davon sind momentan etwa hunderttausend an den Demos.
Der grösste Teil der Stadt merkt davon nicht mal was.

Und der grosse Teil der hunderttausend Demonstranten hat von El-Baradei's Existenz noch keine Ahnung.
Moderat
Trotzdem zählt er wohl eher zu den sehr moderaten Muslims. Ob er aber eine Demokratisierung bringt für Ägypten bliebe abzuwarten.
Jedenfalls wahrscheinlich besser als Mubarak oder Mubarak's Sohn.

Man kann aber natürlich paranoid sein und einfach annehmen, El-B wäre ein im Westen gut ausgebildeter, gut vernetzter, eingeschleuster Radikaler Terroristen Unterstützer.
Der Baradei
Ist doch derjenige, der immer behautpet hat, man habe den Iran in Sachen Atomreaktoren schon im Griff und der Westen würde das ganze enorm aufblasen.
Bis die Amis und Israel Stuxxnet schicken mussten, um mit den tausenden von Zentrifugen aufzuräumen, die im Iran schon aktiv an der Atombombe arbeiteten.

El-Baradei. Ein weiterer Barde aus 1001 Nacht.

Muslim Brotherhood. Die Moslembruderschaft ist währenddessen schon an der Arbeit.
http://www.debka.com/article/20598/
Elbaradei ei ei...
Ich bin ja sehr gespannt darauf, ob die USA Elbadarei unterstützen werden und ab wann und wie stark.

Elbaradei war ja vor ein paar Jahren noch so etwas wie Staatsfeind Nr. 1 für die USA, bzw. für George W. Bush.
Denn Elbaradei kritisierte und hinterfragte schon sehr früh die Massenvernichtungswaffen Behauptungen von Bush.
Die USA versuchte alles, ihn zu entmachten (war ja Chef der Internationalen Atombehörde).

Die Frage ist wohl was für eine politische Ausrichtung dieser Mann wohl hat. Und wie lange es geht bis er ermordet wird von Fanatiker, sollte er denn tatsächlich an die Macht kommen.
.
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