El Baradei - wenig Lob und viel Kritik
publiziert: Freitag, 7. Okt 2005 / 14:41 Uhr

Wien - 1997 wurde Mohammed el Baradei Nachfolger von Hans Blix an der Spitze der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA).

IAEA-General-Direktor Mohamed el Baradei freut sich über den Nobelpreis.
IAEA-General-Direktor Mohamed el Baradei freut sich über den Nobelpreis.
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Seither bewegt sich der Ägypter in einem politischen Raum, in dem Lob selten, Kritik jedoch an der Tagesordnung ist.

Vor allem die USA machten unter George W. Bush keinen Hehl daraus, dass ihnen die die Art und Weise, wie Baradei mit dem Irak umging und jetzt mit Iran verhandelt, zu nachgiebig ist. Bagdad und Teheran wiederum haben Baradei und die IAEA immer wieder beschuldigt, nur Erfüllungsgehilfe Washingtons zu sein.

Jurist und Diplomat

Der am 17. Juni 1942 in Ägypten geborene Baradei studierte zunächst Rechtswissenschaften in Kairo. Ab 1964 arbeitete er als Diplomat unter anderem in den Vertretungen seines Landes bei den Vereinten Nationen in Genf und New York, wo er - nebenbei - im Fach Internationales Recht promovierte.

Zur IAEA kam Baradei 1984, wo er unter anderem die Abteilung für Auswärtige Angelegenheiten leitete und dann als Stellvertreter des schwedischen Generaldirektors Hans Blix arbeitete. 1997 wurde er als erster Repräsentant eines Entwicklungslandes Blix-Nachfolger.

Baradei führte sein Amt betont unparteiisch. Obwohl ihm Beobachter in Wien grosses diplomatisches Geschick bescheinigen, scheute er sich nicht, deutliche Worte zu sprechen.

Unter grossem Druck

Besonders heikel war seine Rolle vor dem US-Krieg gegen den Irak 2003. Damals standen die IAEA-Waffeninspektoren unter massivem Druck Washingtons, «Beweise» für Geheimdienst-Berichte zu finden, wonach Saddam Hussein Massenvernichtungswaffen besass.

Wenige Wochen vor Kriegsbeginn erklärte der Ägypter dann öffentlich, seine Behörde habe «keine Beweise gefunden», wonach Saddam Hussein ein Atomwaffenprogramm besitze. Angesichts des Drucks der USA drohte der bedrängte Baradei sogar kurz mit seinem Rücktritt. Inzwischen wurde er für eine dritte Amtszeit bestätigt.

Dem IAEA-Chef werden in Wien Ambitionen nachgesagt, die über sein heutiges Amt hinaus gehen. Immer wieder heisst es, er strebe die Nachfolge von UNO-Generalsekretär Kofi Annan an. Ob ihm der Friedensnobelpreis dabei helfen kann, bleibt abzuwarten.

(Christian Fürst/sda)

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